Psychische Erkrankungen: Fehlzeiten steigen um 9 Prozent
Veröffentlicht am: 23.07.2026 um 22:55 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der allgemeine Krankenstand sinkt, doch psychische Erkrankungen legen massiv zu. Daten der DAK-Gesundheit für das erste Halbjahr 2026 zeigen: Die Fehlzeiten wegen psychischer Diagnosen stiegen um 9 Prozent. Mit 184 Fehltagen pro 100 Versicherten sind sie inzwischen die häufigste Ursache für Arbeitsunfähigkeit.
Weniger Erkältungen, mehr Belastung
Der allgemeine Krankenstand fiel auf 5,3 Prozent – das entspricht 9,6 Fehltagen pro versicherter Person. Besonders auffällig: Atemwegserkrankungen gingen um 21 Prozent zurück. Doch der positive Trend täuscht.
Der österreichische Fehlzeitenreport 2025 bestätigt das Bild. Dort sanken die Krankenstandstage zwar um 2,7 Prozent auf 14,7 Tage. Die psychisch bedingten Ausfälle nehmen aber langfristig zu. Eine PwC-Studie untermauert den Trend: 63 Prozent der Beschäftigten berichten von gestiegener psychischer Belastung.
Digitaler Stress und Personalmangel
Was treibt die Entwicklung? Zwei Faktoren fallen besonders ins Gewicht. Zum einen der Fachkräftemangel: Laut KOFA fehlten 2025 in Deutschland rund 369.500 qualifizierte Arbeitskräfte. Die Folge: höhere Belastung für die verbleibende Belegschaft und ein erhöhtes Unfallrisiko, warnen Experten des TÜV Rheinland.
Zum anderen die ständige digitale Erreichbarkeit. Eine IU-Studie mit 2.000 Befragten zeigt: Ein Drittel fühlt sich verpflichtet, auch außerhalb der Arbeitszeit erreichbar zu sein. Rund 40 Prozent sind gedanklich ständig auf Empfang. Die Konsequenz: Jeder Dritte berichtet von täglicher emotionaler Erschöpfung. Besonders betroffen: Frauen und jüngere Beschäftigte.
Therapieplätze: Lange Wartezeiten, drohende Honorarkürzung
Die steigende Nachfrage nach Behandlungen trifft auf ein System unter Druck. Das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz sieht eine Budgetierung psychotherapeutischer Leistungen vor. Die Ausgaben für Psychotherapie waren 2025 auf rund 3,9 Milliarden Euro gestiegen.
Branchenvertreter schlagen Alarm. Gerade in Ballungsräumen wie Berlin drohen Engpässe. Bei einer durchschnittlichen Wartezeit von 142 Tagen auf einen Therapieplatz könnten geplante Honorarabsenkungen die Situation verschärfen. Besonders Therapeuten mit halben Kassensitzen könnten ihre Kapazitäten reduzieren.
Die steigende psychische Belastung im Berufsalltag erfordert ein Umdenken bei der Prävention und Arbeitsplatzgestaltung. Dieser kostenlose Report liefert bewährte Hilfsmittel und Checklisten, um psychische Risiken rechtssicher zu erfassen. Rechtssichere Gefährdungsbeurteilungen jetzt erstellen
Ein Lichtblick: Das Landessozialgericht Berlin-Brandenburg setzte am 9. Juli 2026 eine geplante Honorarabsenkung von 4,5 Prozent vorläufig aus. Die Richter kritisierten die Methodik der Vergleichsrechnung. Die endgültige Entscheidung steht noch aus. Der Bundestag will voraussichtlich Anfang September über Korrekturen beraten – Ausnahmeregelungen für Kinder-, Jugend- und Akutbehandlungen sind im Gespräch.
Dresden zeigt: Es geht auch anders
Das Uniklinikum Dresden setzt seit Ende 2025 auf einen neuen Ansatz. Bei der Stationsäquivalenten Behandlung (StäB) versorgt ein multiprofessionelles Team Patienten mit schweren psychischen Erkrankungen zu Hause. Klinikdirektorin Prof. Vjera Holthoff-Detto verweist auf Studien: Die Wiederaufnahmeraten sind niedriger als nach rein stationären Aufenthalten. Bisher wurden rund 60 Patienten so behandelt. Ein Klinikneubau (Haus 46) soll die Kapazitäten Ende 2026 erweitern.
Angesichts steigender Fehlzeiten durch emotionale Erschöpfung stehen Arbeitgeber und Sicherheitsbeauftragte in der Pflicht, frühzeitig gegenzusteuern. Nutzen Sie kostenlose Vorlagen und Experten-Tipps, um gesetzliche Anforderungen zeitsparend und behördenkonform umzusetzen. Kostenlose GBU-Vorlagen und Checklisten sichern
Was Unternehmen jetzt tun können
Arbeitnehmervertreter wie der ÖGB fordern verstärkte Präventionsmaßnahmen. Experten raten Unternehmen, psychische Belastungen systematisch in Gefährdungsbeurteilungen zu erfassen. Klare Regeln zur Erreichbarkeit sind ebenso wichtig wie ein gesundheitsbewusster Führungsstil. Vorgesetzte sollten Ruhezeiten vorleben und Resilienz fördern.
Disclaimer zu unseren Artikeln: Keine Anlageberatung, keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Angaben zu Kursen, Unternehmen und Märkten ohne Gewähr; Änderungen jederzeit möglich. Börsengeschäfte können zu hohen Verlusten führen. Unsere Beiträge werden ganz oder teilweise automatisiert mit Unterstützung von AI erstellt und geprüft.
