Psychische Erkrankungen: Fehltage steigen um 47 Prozent seit 2014
08.06.2026 - 23:26:12 | boerse-global.de
Eine Analyse der DAK-Gesundheit verzeichnet für das erste Halbjahr 2024 einen Anstieg um 14,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Auf 100 Versicherte entfielen 182 Fehltage wegen Depressionen oder Anpassungsstörungen.
Die Langzeitentwicklung ist noch alarmierender: Zwischen 2014 und 2024 stieg die Zahl psychisch bedingter Fehltage laut AOK-Daten um 47 Prozent. Der BKK Dachverband meldete für 2025 einen allgemeinen Krankenstand von 5,83 Prozent. Zwar ein leichter Rückgang zum Vorjahr, aber weiterhin über dem Vor-Corona-Niveau.
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Besonders auffällig: Seit 2016 nahmen psychische Erkrankungen um mehr als 50 Prozent zu. Als Ursachen nennen Experten eine alternde Belegschaft und sich wandelnde Arbeitsbedingungen.
Versorgungslücke bei Therapieplätzen
Die Behandlungssituation verschärft sich. Seit dem 1. April 2026 gelten gekürzte Honorare für Psychotherapeuten. Fachverbände wie die Kassenärztliche Bundesvereinigung warnen vor Finanzierungslücken bei Millionen von Behandlungsfällen. Die durchschnittliche Wartezeit auf einen Therapieplatz beträgt bundesweit sechs Monate.
Arbeitgeber in der Pflicht
Das Arbeitsschutzgesetz verpflichtet Arbeitgeber bereits seit Jahren zur Gefährdungsbeurteilung – inklusive psychischer Faktoren. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) definiert psychische Belastung als Gesamtheit aller erfassbaren Einflüsse von außen.
Viele Unternehmen machen unbewusst Fehler bei der gesetzlich vorgeschriebenen Gefährdungsbeurteilung, was teuer werden kann. Kostenlose Vorlagen und Checklisten helfen Arbeitgebern und Sifas dabei, psychische Faktoren rechtssicher zu dokumentieren und Haftungsrisiken zu vermeiden. Rechtssichere Vorlagen zur Gefährdungsbeurteilung jetzt herunterladen
Immer mehr Unternehmen setzen auf digitale Lösungen. Neue Software ermöglicht Gefährdungsbeurteilungen für Kitas oder Pflegeeinrichtungen in kurzer Zeit. Dabei berücksichtigen die Systeme Infektionsgefahren, Lärm, Ergonomie und psychische Belastung.
Besonders innovativ: Künstliche Intelligenz wertet Freitextantworten aus Mitarbeiterbefragungen datenschutzkonform aus. Das verspricht tiefere Einblicke als standardisierte Fragebögen.
Homeoffice als Risikofaktor
Die Gestaltung des Arbeitsplatzes beeinflusst das psychische Wohlbefinden maßgeblich. Eine Studie im Fachjournal Science wertete Daten von 2011 bis 2024 aus. Ergebnis: Dauerhaftes Homeoffice kann bei Alleinlebenden zu höherer psychischer Belastung führen – wegen reduzierter Sozialkontakte. Bei Beschäftigten in Familienhaushalten zeigte sich dieser Effekt nicht.
Klimawandel erreicht den Arbeitsschutz
Klimatische Faktoren gewinnen an Bedeutung. Laut der Umfrage „OSH Pulse 2025“ berichten bereits 33 Prozent der Befragten von klimabezogenen Gesundheitsrisiken am Arbeitsplatz. In Österreich fordern Arbeiterkammer und Medizinische Universität Wien gesetzliche Hitzegrenzen für Innenräume – ab 27 Grad Celsius sinke die geistige Leistungsfähigkeit.
Für Mitte Juni 2026 ist in Berlin eine Konferenz von über 150 Organisationen angekündigt. Sie fordern die stärkere Integration von Hitzeschutz in die nationale Krisenvorsorge.
Europa zieht mit
Die EU fördert psychische Gesundheit durch das Programm „EU4Health“ mit 1,23 Milliarden Euro. Schwerpunkt ist die Kampagne „Gesunde Arbeitsplätze 2026–2028“, die sich explizit psychosozialen Risiken widmet. Hintergrund: Laut Eurobarometer fühlt sich etwa die Hälfte der europäischen Arbeitnehmer regelmäßig unter Zeitdruck.
Neue Regeln für Bildungskarenz
In Österreich trat heute eine Reform der Bildungskarenz in Kraft. Die neue „Weiterbildungszeit“ sieht strengere Antragsregeln vor und knüpft die Förderung stärker an die Arbeitsmarktrelevanz. Unternehmen müssen bei Weiterbildungen für Mitarbeiter mit höheren Einkommen stärker finanziell einspringen.
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