Psychische Erkrankungen: Erstmals häufigster Grund für Krankmeldungen
Veröffentlicht am: 01.09.2026 um 20:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Auswertungen gesetzlicher Krankenversicherungen für das erste Halbjahr 2026 deuten auf eine leichte Entspannung beim Krankenstand in Deutschland hin. Daten der AOK Plus, der Barmer sowie der DAK-Gesundheit belegen für diesen Zeitraum einen Rückgang der Krankschreibungen bei berufstätigen Versicherten.
Trotz dieser tendenziell rückläufigen Entwicklung zeigen sich signifikante Verschiebungen bei den Krankheitsursachen, wobei insbesondere psychische Erkrankungen zunehmend in den Fokus rücken.
Regionale Entwicklungen und kassenübergreifende Trends
In Thüringen verzeichneten die großen Krankenkassen Ende August 2026 einen Rückgang der Fehlzeiten. Nach Angaben der AOK Plus sank der Krankenstand im ersten Halbjahr 2026 auf 7,4 Prozent, nachdem er im Vorjahreszeitraum noch bei 7,6 Prozent gelegen hatte.
Eine ähnliche Tendenz meldete die Barmer für denselben Zeitraum; hier ging der Wert von 7,1 Prozent im Vorjahr auf 6,8 Prozent zurück. Der Anteil der Thüringer Beschäftigten, die im ersten Halbjahr 2026 mindestens einmal krankgeschrieben waren, reduzierte sich laut AOK Plus auf 56,7 Prozent, verglichen mit 58,9 Prozent im Vorjahr.
Auch überregional zeigen die Daten eine Konsolidierung. Der bundesweite Krankenstand der AOK lag im ersten Halbjahr 2026 bei 6,4 Prozent. Dieser Wert wurde exakt so auch von der AOK Rheinland-Pfalz gemeldet, die für den Berichtszeitraum 487.443 Mitglieder zählt.
Steigende Fehlzeiten und komplexe Krankheitsbilder fordern Betriebe zunehmend heraus, rechtssichere Lösungen für die Rückkehr in den Job zu finden. Dieser kostenlose Leitfaden bietet eine praxisnahe Anleitung zum BEM-Prozess inklusive wertvoller Muster-Betriebsvereinbarungen. Vollständige BEM-Anleitung jetzt kostenlos herunterladen
Dort waren 51,4 Prozent der Versicherten mindestens einmal arbeitsunfähig gemeldet. Die DAK-Gesundheit wies für das erste Halbjahr 2026 einen Krankenstand von 5,3 Prozent aus, was einem leichten Rückgang gegenüber den 5,4 Prozent des Vorjahres entspricht.
Verschiebung der Krankheitsbilder: Psychische Belastungen nehmen zu
Während Atemwegserkrankungen in der Vergangenheit oft die Statistik dominierten, zeichnet sich bei den Ursachen für Arbeitsunfähigkeit ein Wandel ab. Die DAK-Gesundheit berichtete für das erste Halbjahr 2026 von einem signifikanten Rückgang der Atemwegserkrankungen um 21 Prozent.
Parallel dazu stiegen die Krankschreibungen aufgrund psychischer Erkrankungen bei dieser Kasse um 9 Prozent. Damit waren psychische Leiden erstmals der häufigste Grund für Krankmeldungen bei der DAK-Gesundheit, während Muskel-Skelett-Erkrankungen auf den dritten Rang fielen.
In Rheinland-Pfalz stellten Muskel-Skelett-Erkrankungen mit 20,5 Prozent zwar weiterhin den größten Anteil an den Fehltagen dar, doch auch dort spielten Atemwegserkrankungen mit 13,5 Prozent und psychische Erkrankungen mit 12,9 Prozent eine zentrale Rolle. Bei der AOK Plus in Thüringen blieben Atemwegserkrankungen mit 24,9 Prozent im ersten Halbjahr 2026 die häufigste Ursache für Krankschreibungen.
Wer sich mit dem Thema Langzeiterkrankungen und betrieblicher Wiedereingliederung befasst, sollte die häufigsten rechtlichen Stolperfallen kennen. Ein Gratis-E-Book enthüllt nun, worauf Betriebsräte und Arbeitgeber beim Eingliederungsmanagement besonders achten müssen. Gratis-Ratgeber zu BEM-Stolperfallen sichern
Krankheitsdauer und Auswirkungen von Langzeiterkrankungen
Die durchschnittliche Dauer einer Krankschreibung variiert je nach Versicherung und Region leicht. Die AOK Rheinland-Pfalz bezifferte die durchschnittliche Krankheitsdauer im ersten Halbjahr 2026 auf 10,1 Tage pro Fall, wobei Versicherte im Schnitt auf 11,6 Fehltage kamen. Die DAK-Gesundheit ermittelte für ihre Versicherten eine durchschnittliche Dauer von 9,7 Tagen.
Ein besonderes Augenmerk richten Versicherer auf Langzeiterkrankungen. Am Beispiel Thüringens illustrierte die AOK Plus die statistische Schwere dieser Fälle: Langzeiterkrankungen machten im ersten Halbjahr 2026 lediglich 4,2 Prozent der gemeldeten Fälle aus, waren jedoch für 40 Prozent der gesamten Fehltage verantwortlich. Insgesamt kamen Thüringer Beschäftigte laut den Auswertungen der Kasse auf durchschnittlich 13,3 Kalendertage Krankschreibung im ersten Halbjahr.
