Psychische Erkrankungen: Erstmals häufigster Grund für Fehlzeiten
Veröffentlicht am: 28.07.2026 um 17:40 Uhr | Redaktion boerse-global.de
52 Prozent der Deutschen bemerken erst im Urlaub, wie erschöpft sie wirklich sind. Das zeigt eine aktuelle YouGov-Umfrage im Auftrag von Doctolib. Besonders alarmierend: 32 Prozent der Befragten erleben kaum oder gar keinen Erholungseffekt.
Die Gründe liegen auf der Hand. 46 Prozent der Arbeitnehmer gehen bereits mit hohem Stresslevel in die Ferien. Kein Wunder also, dass die Regeneration ausbleibt. Der Psychiater Volker Busch warnt: Hält die Erschöpfung über Wochen an, ist sie schon morgens da oder sinkt die Leistungsfähigkeit spürbar, wird es ernst.
Auch emotionale Überempfindlichkeit und fehlende Freude an sonst angenehmen Aktivitäten sind Warnsignale. Obwohl 74 Prozent der Befragten anhaltende Erschöpfung als Alarmsignal einstufen, zögern 27 Prozent, medizinische Hilfe zu suchen.
Psychische Erkrankungen sind jetzt Hauptgrund für Fehlzeiten
Die DAK-Krankenstandsanalyse für das erste Halbjahr 2026 liefert einen Paukenschlag: Psychische Erkrankungen sind erstmals die häufigste Ursache für Fehlzeiten am Arbeitsplatz. Die Zahl der Krankschreibungen stieg im Vergleich zum Vorjahr um neun Prozent.
Dr. Andrea Benecke, Präsidentin der Bundespsychotherapeutenkammer, fordert deshalb schnelle politische Maßnahmen. Kürzungen bei der ambulanten Psychotherapie seien kontraproduktiv – der Bedarf an Behandlungsplätzen bleibe hoch.
Dass das Problem wächst, zeigen auch Zahlen aus NRW: Die Zahl stationärer psychiatrischer Behandlungen im Strafvollzug stieg von 69 Fällen (2021) auf 288 Fälle (2025).
Erreichbarkeit im Urlaub: Erlaubt, aber nicht verpflichtend
Psychische Erkrankungen sind erstmals die häufigste Fehlzeit-Ursache – und 52% der Deutschen merken ihre Erschöpfung erst im Urlaub. Dieser Report zeigt Ihnen in 3 Schritten, wie Sie Warnsignale früh erkennen, Ihre Urlaubsrechte kennen und mit einem Blutbild-Check körperliche Ursachen ausschließen. Jetzt kostenlosen Report anfordern
Ein zentraler Störfaktor für echte Erholung ist die ständige Erreichbarkeit. Laut Bitkom-Umfrage stehen 66 Prozent der Berufstätigen auch im Urlaub für dienstliche Belange zur Verfügung. Dabei ist die Rechtslage klar: Urlaub dient der Erholung – eine Pflicht zur Erreichbarkeit gibt es nicht. Das gilt auch für Führungskräfte.
Passiert es trotzdem: Der betreffende Urlaubstag muss gutgeschrieben werden. Und wer auf Wunsch des Chefs freiwillig aus dem Urlaub zurückkehrt, hat Anspruch auf Kostenerstattung und Gutschrift der verfallenen Tage. Eine einseitige Rücknahme genehmigten Urlaubs ist nur in extremen Ausnahmefällen möglich.
Müdigkeit hat auch körperliche Ursachen
Doch nicht immer steckt Psyche oder Stress dahinter. Mediziner Dr. Carsten Lekutat bezeichnet Erschöpfung als SOS-Signal des Körpers. Mögliche Ursachen: Stoffwechselstörungen, hormonelle Probleme oder Nährstoffmangel. Sogar äußere Merkmale wie Stielwarzen können auf eine Insulinresistenz hinweisen.
Zur Abklärung empfehlen Ärzte ein umfassendes Blutbild – mit Werten für Eisen, Schilddrüse, Blutzucker und Entzündungsparameter. Als Gegenstrategien helfen Stressmanagement, entzündungshemmende Ernährung, Bewegung und gezielte Supplementierung.
Urlaub: Mehr als nur freie Tage
66% der Berufstätigen sind auch im Urlaub dienstlich erreichbar – dabei ist Urlaub per Gesetz der Erholung vorbehalten. Erfahren Sie in diesem kostenlosen Ratgeber, welche Rechte Sie haben, wie Sie Erschöpfung vorbeugen und welche 4 Blutwerte Ihnen mehr Energie verraten. Urlaubsrecht & Energie-Check sichern
Dass Ferien für Arbeitnehmer enorm wichtig sind, zeigt eine HolidayCheck-Erhebung: 64 Prozent haben 26 bis 30 Urlaubstage pro Jahr. 70 Prozent stufen diese Zeit als sehr wichtig ein. Ein Drittel wäre sogar bereit, für zusätzliche Urlaubstage auf Gehalt zu verzichten.
Sprachhistorisch bedeutet Urlaub übrigens „Erlaubnis“ oder „Lizenz zum Weggehen“ – eine Bedeutung, die in Zeiten von Dauererreichbarkeit und Erschöpfung neue Aktualität gewinnt.
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