Psychische Erkrankungen: Erstmals häufigste Ursache für Fehlzeiten
Veröffentlicht am: 29.07.2026 um 03:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Nur 36 Prozent der Beschäftigten fühlen sich engagiert. Das hat weitreichende Folgen.
Unternehmen mit hohem Mitarbeiterengagement verzeichnen 81 Prozent weniger Fehlzeiten, 18 Prozent weniger Fluktuation und eine um 23 Prozent höhere Rentabilität. Das zeigt der „State of People Enablement Report 2023“. Die Botschaft ist klar: Wer seine Belegschaft vernachlässigt, verschenkt Geld.
Psychische Erkrankungen erstmals Hauptgrund für Fehlzeiten
Die psychische Gesundheit wird zum zentralen Problem. Laut DAK-Krankenstandsanalyse für das erste Halbjahr 2026 sind psychische Erkrankungen erstmals die häufigste Ursache für Arbeitsausfälle in Deutschland. Die Zahl der Krankschreibungen stieg um neun Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Die Dimension wird an anderer Stelle deutlich: Psychische Störungen machen zwar nur 4,8 Prozent der Gesamtfälle aus, verursachen aber durchschnittlich 28 Fehltage pro Fall. Die Wartezeit auf einen Therapieplatz liegt bei 142 Tagen. Seit 2014 haben psychisch bedingte Fehltage um 47 Prozent zugenommen – das belegen AOK-Statistiken.
Flexibilität gefragt: Burnout-Gefahr und ungenutzter Urlaub
82 Prozent der Beschäftigten fühlten sich 2024 von Burnout bedroht, so eine Mercer-Studie. Work-Life-Balance nannten 74 Prozent als Hauptquelle für Zufriedenheit. Paradox: 17 Prozent hatten Schwierigkeiten, ihren Urlaub tatsächlich zu nehmen. Nur 48 Prozent nutzten ihr volles Urlaubskontingent.
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Hinzu kommt: Starre Arbeitszeiten von 9 bis 17 Uhr widersprechen oft dem individuellen Biorhythmus. Eine Statista-Umfrage für den Spiegel ergab: Zwei Drittel der Befragten befürworten eine Arbeitszeitreduktion, fast die Hälfte hält eine Viertagewoche für sinnvoll. Warum leisten viele nicht mehr? 25 Prozent nennen fehlende finanzielle Belohnung, 20 Prozent mangelnde Wertschätzung, weitere 20 Prozent den Verlust an Lebensqualität.
Betriebliche Gesundheitsförderung: Nachholbedarf bei Vorsorge
Unternehmen reagieren: 85 Prozent der Beschäftigten wünschen sich Unterstützung für die mentale Gesundheit, ergab eine Randstad-Erhebung von 2024. Das Angebot reicht von Coaching über Stressbewältigung bis zu Resilienz-Training.
Ende Juli startete ein neues bundesweites Portal, das kleine und mittlere Unternehmen bei der Umsetzung von Gesundheitsmaßnahmen unterstützt. Doch bei der finanziellen Vorsorge klafft eine Lücke: Nur knapp die Hälfte der Berufstätigen nutzt betriebliche Vorsorgemodelle. Die betriebliche Altersversorgung liegt bei 37 Prozent, die betriebliche Krankenversicherung bei magere elf Prozent – das zeigt die Continentale-Studie 2026.
Was Führungskräfte jetzt tun müssen
Experten empfehlen konkrete Maßnahmen:
- Gezieltes Recruiting und Onboarding: Die richtige Auswahl und strukturierte Einarbeitung sind die Basis für langfristige Bindung.
- Gestaltung des Arbeitsumfelds: Ein positives Klima und moderne Bedingungen reduzieren Stressfaktoren wie Mobbing oder Überforderung.
- Entwicklung und Teilhabe: Wer Mitarbeiter in Entscheidungen einbindet und Perspektiven bietet, fördert die Motivation.
- Anerkennung: Schlechte Leistungsbeurteilungen sind für 77 Prozent der Wechselwilligen ein Kündigungsgrund.
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Regelmäßige Mitarbeiterbefragungen helfen, Zufriedenheit messbar zu machen und frühzeitig gegenzusteuern. Denn eines ist klar: Die Kosten für Unzufriedenheit sind höher als die Investition in ein gutes Arbeitsumfeld.
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