Psychische Erkrankungen: Demenzrisiko steigt bereits ab 30 Jahren
Veröffentlicht am: 21.08.2026 um 10:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine im August 2026 vorgestellte Untersuchung des ECNP (European College of Neuropsychopharmacology) liefert neue Erkenntnisse über die Korrelation zwischen schweren psychischen Erkrankungen und der Entwicklung von Demenz. Die in Katalonien durchgeführte Studie basiert auf der Auswertung von Gesundheitsdaten von insgesamt 694.086 Erwachsenen.
Ziel der Forschungsarbeit war es, das Risiko für kognitive Beeinträchtigungen über verschiedene Altersgruppen hinweg zu bestimmen, wobei ein besonderer Fokus auf dem Beginn der Risikosteigerung bereits im frühen Erwachsenenalter lag.
Massive Risikoerhöhung bereits ab dem 30. Lebensjahr
Die Daten der im August 2026 thematisierten Studie verdeutlichen, dass Personen mit schweren psychischen Erkrankungen bereits ab einem Alter von 30 Jahren ein signifikant höheres Risiko tragen, an einer Demenz zu erkranken. Von den 176.870 untersuchten Personen mit schwerer psychischer Vorbelastung zeigten sich in der Alterskohorte der 30- bis 39-Jährigen deutliche Abweichungen zur gesunden Kontrollgruppe.
In dieser jungen Altersgruppe erhielten 111 von 20.172 Betroffenen (0,55 %) eine Demenzdiagnose. Im Gegensatz dazu lag die Häufigkeit in der Vergleichsgruppe, die 67.122 Personen ohne entsprechende psychische Vorerkrankung umfasste, bei lediglich 16 Diagnosen (0,02 %). Das statistische Quotenverhältnis (Odds Ratio) wurde für diesen Lebensabschnitt mit 23,21 beziffert.
Auch nach einer wissenschaftlichen Adjustierung der Daten, bei der potenzielle Störfaktoren berücksichtigt wurden, blieb ein Wert von 20,51 für die 30- bis 39-Jährigen bestehen.
Progression des Demenzrisikos im fortgeschrittenen Alter
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Die Analyse der katalanischen Daten zeigt zudem, dass sich die Schere zwischen psychisch vorbelasteten Personen und der Allgemeinbevölkerung auch im fortgeschrittenen Alter weiter öffnet, wenngleich die relativen Unterschiede in den Quotenverhältnissen mit steigendem Grundrisiko der Gesamtbevölkerung abnehmen.
Bei den 70- bis 79-Jährigen wurde bei 16,16 % der Patienten mit einer schweren psychischen Erkrankung eine Demenz diagnostiziert. In der Vergleichsgruppe dieser Altersklasse lag der Anteil bei 2,78 %. In der darauf folgenden Dekade der 80- bis 89-Jährigen stieg die Diagnosequote bei den psychisch Erkrankten auf 33,48 %, während sie in der Kontrollgruppe 9,45 % betrug.
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Bei den Hochbetagten im Alter zwischen 90 und 99 Jahren dokumentierten die Forscher eine Demenzdiagnoserate von 39,51 % bei Personen mit schwerer psychischer Erkrankung gegenüber 17,70 % in der unbelasteten Vergleichsgruppe.
Weitere gesundheitliche Indikatoren und Kausalitätsvorbehalte
Neben dem Demenzrisiko untersuchte die Forschungsgruppe auch andere vaskuläre Ereignisse wie Schlaganfälle. Hierbei ergab sich für die Altersgruppe der 40- bis 49-Jährigen ein ebenfalls erhöhtes Risiko für Betroffene mit psychischen Vorerkrankungen.
In dieser Gruppe erlitten 471 von 37.453 Teilnehmern (1,26 %) einen Schlaganfall. In der Kontrollgruppe von 107.650 Personen ohne schwere psychische Erkrankung waren es 456 Fälle (0,42 %). Die adjustierte Odds Ratio für dieses Ereignis wurde mit 1,93 berechnet.
Trotz der deutlichen statistischen Zusammenhänge betonten die Studienautoren im Rahmen der Veröffentlichung Mitte August 2026, dass die vorliegenden Daten keinen direkten Beweis für eine Kausalität liefern. Es sei nicht abschließend geklärt, ob die psychischen Erkrankungen die direkte Ursache für das erhöhte Demenzrisiko sind oder ob andere zugrunde liegende Faktoren beide Zustände begünstigen.
Die Ergebnisse unterstreichen jedoch die Notwendigkeit einer frühzeitigen Beobachtung der kognitiven Gesundheit bei Patienten mit schweren psychiatrischen Diagnosen.
