Psychische Erkrankungen: AOK-Daten zeigen 28,5 Fehltage je Krankheitsfall
Veröffentlicht am: 10.10.2026 um 04:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Fehlzeiten infolge psychischer Erkrankungen haben in den vergangenen zehn Jahren deutlich zugenommen. Wie aus dem Fehlzeiten-Report 2026 des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) hervorgeht, stieg die Zahl der Arbeitsunfähigkeitstage aufgrund seelischer Leiden bei AOK-versicherten Beschäftigten zwischen 2016 und 2025 um knapp 42 Prozent. Während im Jahr 2016 rechnerisch 284 Fehltage je 100 Mitglieder verzeichnet wurden, kletterte dieser Wert im Jahr 2025 auf 403 Tage.
Die Auswertung basiert auf den Daten von 14,9 Millionen erwerbstätigen AOK-Versicherten und steht unter dem Schwerpunktthema der Stärkung mentaler Gesundheit in der Arbeitswelt. Besonders gravierend zeigt sich die Entwicklung bei den Burnout-Diagnosen: Hier registrierte das WIdO im selben Zehnjahreszeitraum einen Anstieg um 77 Prozent, von 11,0 auf 19,5 Ausfalltage je 100 AOK-Mitglieder.
Überdurchschnittlich lange Ausfallzeiten und steigende Krankengeldausgaben
Psychische Diagnosen zeichnen sich im Vergleich zu anderen Erkrankungsformen durch eine außergewöhnlich lange Falldauer aus. Für das Jahr 2025 weist der Fehlzeiten-Report 14,1 Fälle von Arbeitsunfähigkeit je 100 Mitglieder aus, wobei die durchschnittliche Dauer je Fall bei 28,5 Tagen lag. Dies ist die längste Dauer aller Krankheitsarten.
Zum Vergleich: Bei Atemwegserkrankungen verzeichnete die Kasse 80,3 Fälle je 100 Mitglieder, die Krankheitsdauer betrug im Schnitt jedoch lediglich 5,7 Tage.
Über alle Diagnosegruppen hinweg belief sich die Fehlzeit im Jahr 2025 auf 23,3 Tage je AOK-Mitglied. Damit lag der Gesamtwert unter den früheren Spitzenwerten von 2022 mit 24,5 Tagen sowie 2023 und 2024 mit jeweils 23,9 Tagen.
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Für das erste Halbjahr 2026 bewegt sich das allgemeine Niveau nach AOK-Angaben unter dem des Vorjahreszeitraums. Ohne den Effekt der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) lag der Gesamtwert 2025 bei 20,8 Tagen.
Die langwierigen Verläufe wirken sich massiv auf die Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung aus. Das Krankengeld erreichte im Jahr 2025 einen Umfang von 21,6 Milliarden Euro, was einem Anteil von 6,1 Prozent an den GKV-Gesamtausgaben entspricht – vor zehn Jahren lag dieser Wert bei 11,2 Milliarden Euro beziehungsweise 5,2 Prozent.
Zwischen 2021 und 2025 kletterten die Krankengeldfälle aufgrund psychischer Leiden um knapp 25 Prozent, während die entsprechenden Ausgaben um 54 Prozent stiegen. Bei somatischen Erkrankungen betrug das Ausgabenplus im selben Zeitraum 27 Prozent.
Starke Betroffenheit in sozialen Berufen und hohe Erschöpfung
Die Auswertung der Berufsgruppen für 2025 verdeutlicht ein erhebliches Gefälle: Am stärksten betroffen waren Beschäftigte im Dialogmarketing mit 39,0 Arbeitsunfähigkeitsfällen je 100 Mitglieder. Es folgten Tätigkeiten in der Haus- und Familienpflege (25,6), der Altenpflege (24,9), der Heilerziehungspflege und Sonderpädagogik (24,6) sowie im Bereich der Kinderbetreuung und -erziehung (23,0).
Ergänzende Befragungsdaten des Instituts zeigen zudem eine weit verbreitete Erschöpfung im Arbeitsalltag: 74,8 Prozent der Beschäftigten in Deutschland fühlten sich in den vorangegangenen vier Wochen erschöpft. 33,8 Prozent gaben an, auch in der Freizeit an berufliche Probleme zu denken (Vorjahr: 25,1 Prozent), und jeder Vierte ging krank zur Arbeit.
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Neben der Belastung am Arbeitsplatz prägen ökonomische Sorgen den Alltag der Befragten: 51,9 Prozent nannten die allgemeine Wirtschaftslage als Belastungsfaktor, 16,5 Prozent persönliche Finanzen und 5,3 Prozent die Angst vor Arbeitslosigkeit.
Vor diesem Hintergrund bezeichnete die AOK politische Vorstöße von Union und SPD für eine Attestpflicht ab dem ersten Krankheitstag sowie eine Abschaffung der telefonischen Krankschreibung als reine Symbolpolitik.
Ein Experte des Instituts verwies darauf, dass der Anteil der telefonischen Krankschreibungen lediglich bei 1,7 Prozent liege. Fachleute betonen zudem regelmäßig, dass Fehlzeitenstatistiken kein direktes Maß für die generelle Häufigkeit psychischer Erkrankungen in der Gesamtbevölkerung darstellen.

