Psychische Erkrankungen: Anstieg um 47 Prozent in zehn Jahren
08.06.2026 - 13:21:21 | boerse-global.de
Sie prägt politische Identitäten, treibt Sozialreformen an und verändert die Arbeitswelt.
Das politische Gefälle der Psyche
Die psychische Verfassung wird zunehmend zur Quelle politischer Identität. Das zeigt eine Studie der Forscherin Lauren Van De Hey, die auf Daten der Cooperative Election von 2022 basiert.
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In der Stichprobe von 860 Befragten gaben rund 26 Prozent an, unter einer psychischen Erkrankung zu leiden. Doch die Verteilung ist ungleich: Bei sehr liberal eingestellten Personen lag der Anteil bei 39 Prozent, bei sehr konservativen bei nur 16 Prozent.
Die Studie zeigt zudem: Eine starke Identifikation mit dem Thema psychische Gesundheit korreliert mit jüngerem Alter – besonders in der Generation Z – und mit der Unterstützung für höhere Staatsausgaben in Gesundheit, Bildung und Soziales.
Reformdruck in Deutschland: Sparen oder versorgen?
Die Bundesregierung unter Kanzler Merz will bis zur parlamentischen Sommerpause am 10. Juli 2026 Reformpakete in den Bereichen Steuern, Arbeitsmarkt, Rente und Pflege verabschieden. Der Kanzler betonte Anfang Juni die Notwendigkeit, den Sozialstaat verlässlich zu gestalten. Die gesetzliche Rente solle die Hauptsäule bleiben – Kürzungen seien nicht vorgesehen.
Doch im Gesundheitssektor formiert sich Widerstand. Das Aktionsbündnis Psychotherapie und die Freie Ärzteschaft kritisieren das GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz und das geplante Gesundheits-Spargesetz. Fachleute warnen: Budgetierungspläne und Honorarkürzungen könnten die psychotherapeutische Versorgung um bis zu 25 Prozent reduzieren.
Nach Berechnungen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung drohen ab 2027 über 40 Millionen Arzttermine zu entfallen. Für Mitte Juni sind bundesweite Protestaktionen angekündigt.
Italien setzt eigene Akzente
Das italienische Parlament hat im Juni wichtige Entscheidungen getroffen. Der Senat debattiert über eine Reform der psychischen Gesundheitsdienste. Die Finanzierung soll von derzeit 3 auf 5 Prozent des Nationalen Gesundheitsfonds steigen. Zusätzlich sind 80 Millionen Euro pro Jahr von 2025 bis 2027 für Screening-Programme und Früherkennung bei Kindern und Jugendlichen vorgesehen.
Parallel dazu verabschiedete der Senat am 6. Juni mit 78 zu 38 Stimmen eine umstrittene Neuregelung. Eltern müssen künftig schriftlich zustimmen, bevor ihre Kinder an außercurricularen Aktivitäten zu Sexualität und Affektivität teilnehmen.
Befürworter sehen darin eine Stärkung der Elternrechte. Oppositionsvertreter und Organisationen wie Save the Children kritisieren die Regelung als ideologisch motiviert. Sie befürchten einen Rückgang wichtiger Präventionsprojekte an Schulen.
Europa entdeckt die Psyche am Arbeitsplatz
Auf EU-Ebene rückt die psychische Belastung im Job stärker in den Fokus. Das Programm EU4Health stellt dafür ein Budget von 1,23 Milliarden Euro bereit. Ab 2026 startet die Europäische Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (EU-OSHA) eine Kampagne zu psychosozialen Risiken.
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Der Handlungsbedarf ist enorm. Ein Eurobarometer aus dem Jahr 2023 zeigt: Die Hälfte der europäischen Arbeitnehmer leidet unter Zeitdruck. In Deutschland belegt der Fehlzeiten-Report der AOK einen Anstieg psychischer Erkrankungen um 47 Prozent zwischen 2014 und 2024.
Programme wie das Präventionsangebot der Rentenversicherung sollen künftig verstärkt die Arbeitsfähigkeit sichern und den steigenden Fehlzeiten entgegenwirken.
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