Psychische Erkrankungen: 74.800 Neuzugänge bei Erwerbsminderungsrente
25.06.2026 - 02:10:21 | boerse-global.de
Knapp 74.800 Neuzugänge verzeichnete die Deutsche Rentenversicherung – so viele wie seit zehn Jahren nicht mehr.
Jeder zweite Frührentner hat eine psychische Diagnose
Damit sind psychische Störungen inzwischen für 42 Prozent aller Erwerbsminderungsrenten verantwortlich. Zum Vergleich: 2024 lag der Wert noch bei gut 72.000 Fällen. Psychische Erkrankungen sind damit der häufigste Grund für ein vorzeitiges Ausscheiden aus dem Berufsleben.
Auch bei den Krankschreibungen zeigt sich das Problem deutlich: 2024 verursachten psychische Leiden 16,7 Prozent aller Arbeitsunfähigkeitstage. Das macht sie zur dritthäufigsten Ursache für Fehlzeiten.
Die Zahlen des Robert Koch-Instituts untermauern den Trend: Rund 40,9 Prozent der Erwachsenen erhielten 2024 in ambulanter Behandlung die Diagnose einer psychischen Störung. Hochgerechnet sind das etwa 25 Millionen Menschen. Besonders häufig diagnostizierten Ärzte Depressionen, somatoforme Störungen und Anpassungsstörungen.
PTBS-Fälle steigen um 60 Prozent
Ein besonders drastischer Anstieg zeigt sich bei Posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS). Waren es 2016 noch weniger als 2.000 Fälle, stieg die Zahl bis 2025 auf 3.200 – ein Plus von rund 60 Prozent.
Die Politik reagiert: Es gibt Forderungen, PTBS offiziell als Berufskrankheit anzuerkennen. Das würde die Absicherung der Betroffenen deutlich verbessern.
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Experten legen 33 Reformvorschläge vor
Am 23. Juni 2026 übergab eine Expertenkommission ihre Vorschläge zur Reform der Alterssicherung. Die Regierung plant unter anderem, den Erprobungszeitraum für Erwerbsminderungsrentner auf ein Jahr zu verlängern. Das soll den Wiedereinstieg in den Job erleichtern, ohne den Rentenanspruch sofort zu gefährden. Auch ein vereinfachter Zugang zur Rente für ältere Arbeitnehmer nach Gesundheitsprüfung ist im Gespräch.
Parallel diskutierten über 200 Fachleute auf einem Präventionsforum in Berlin über Strategien für psychische Gesundheit am Arbeitsplatz. Im Fokus: die Digitalisierung und ihre Risiken wie „Technostress“. Weitere Themen waren Führungskultur, Mobbing und Suchtprävention.
„Rente mit 63“ unter Druck
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Neben der Erwerbsminderungsrente steht auch die „Rente mit 63“ in der Kritik. 2024 nutzten 28,7 Prozent der Neurentner – rund 269.000 Personen – die Möglichkeit, nach 45 Beitragsjahren abschlagsfrei in Rente zu gehen. Die Option nutzen vor allem männliche Versicherte mit mittlerem Einkommen, häufig in Ostdeutschland.
Die Rentenkommission schlägt eine Abschaffung vor. Das würde die Rentenkasse um jährlich etwa zehn Milliarden Euro entlasten.
Für Bezieher einer vollen Erwerbsminderungsrente, die zusätzlich Grundsicherung brauchen, gelten 2026 spezielle Zuverdienst-Regeln: 30 Prozent eines Minijob-Verdienstes sind anrechnungsfrei, maximal 281,50 Euro. Bei einem Verdienst von 603 Euro blieben demnach 180,90 Euro extra.
