Psychische Erkrankungen: 39 Tage Ausfallzeit treiben Krankenstand
Veröffentlicht: 08.07.2026 um 19:53 Uhr, Redaktion boerse-global.de
2025 lag er bei 6,1 Prozent – jeder Beschäftigte fehlte im Schnitt 22,1 Tage. Das zeigt eine aktuelle Auswertung des BKK-Dachverbandes.
Doch nicht die Häufigkeit der Ausfälle ist das Problem. Sondern die Dauer.
Muskel-Skelett und Psyche als Kostentreiber
Zwar machen Atemwegsinfekte mit rund 35 Prozent den Löwenanteil der Fehlfälle aus. Mit durchschnittlich 6,1 Tagen bleiben sie aber kurz. Ganz anders sieht es bei Muskel-Skelett-Erkrankungen und psychischen Leiden aus.
Rücken, Gelenke und Co. verursachen pro Beschäftigtem 1,7 Krankengeldtage. Psychische Erkrankungen liegen mit 2,2 Tagen sogar noch darüber – bei einer durchschnittlichen Falldauer von 39,1 Tagen. Die Folge: steigende Kosten für die gesetzliche Krankenversicherung.
2025 gaben die Kassen rund 21,6 Milliarden Euro für Krankengeld aus. Mehr als jeder vierte Fehltag entfiel auf den Bezug dieser Leistung. Im Zehnjahresvergleich stieg die Zahl der Krankengeldtage um 24,4 Prozent.
Krankenstand: Das große Nord-Süd-Gefälle
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Die Auswertung zeigt zudem massive regionale Unterschiede. Während Beschäftigte in Baden-Württemberg auf 18,5 Fehltage kamen, waren es in Mecklenburg-Vorpommern 29 Tage.
Noch krasser wird der Unterschied auf kommunaler Ebene: München verzeichnete 15 Fehltage, der Kyffhäuserkreis mit 32,9 Tagen mehr als das Doppelte. Grund dafür sind unterschiedliche Branchenstrukturen und demografische Bedingungen.
Politischer Streit um die richtigen Maßnahmen
Die Bundesregierung will gegensteuern und diskutiert härtere Regeln: Attestpflicht ab dem ersten Krankheitstag, Abschaffung der telefonischen Krankschreibung. Doch die Krankenkassen laufen Sturm.
Eine Vorständin des BKK-Dachverbandes bezeichnet die Pläne als nicht evidenzbasiert. Die telefonische Krankschreibung mache gerade einmal 0,85 Prozent aller Fälle aus – von Missbrauch könne keine Rede sein.
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Auch aus der Union kommt Kritik. Vertreter des CDU-Arbeitnehmerflügels warnen vor einem pauschalen Misstrauen gegenüber Arbeitnehmern. Die eigentlichen Kostentreiber – Langzeiterkrankungen – würden mit den geplanten Maßnahmen nicht bekämpft.
Stattdessen fordern die Kassen mehr Investitionen in Prävention. Nur so ließen sich Muskel-Skelett-Erkrankungen und psychische Belastungen frühzeitig reduzieren.
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