Psychische Erkrankungen: 25 Millionen Deutsche betroffen, 42% beziehen Rente
25.06.2026 - 09:50:05 | boerse-global.de
Das zeigen aktuelle Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) für das Jahr 2024. Knapp 41 Prozent der gesetzlich Versicherten erhielten demnach eine ambulante Diagnose – besonders häufig Depressionen, Angststörungen und somatoforme Störungen.
Die Folgen für die Arbeitswelt sind massiv. Auf dem 11. Präventionsforum in Berlin wurde deutlich: Psychische Erkrankungen verursachten 2024 rund 16,7 Prozent aller Krankheitstage. Damit landen sie auf Platz drei der häufigsten Krankschreibungsgründe. Noch alarmierender: Mit 42 Prozent sind psychische Probleme inzwischen der häufigste Grund für den Bezug einer Erwerbsminderungsrente.
Ineffiziente Prozesse als Dauerstress
Ein zentraler Treiber für den Druck im Job sind schlechte Abläufe. Eine Studie von Civey und Allgeier Inovar zeigt: 36 Prozent der Beschäftigten verlieren täglich mehr als eine Stunde durch unstrukturierte Prozesse. Hochgerechnet sind das rund 220 Stunden pro Jahr.
Die größten Zeitfresser? Die Suche nach Dokumenten, ständige Wechsel zwischen digitalen Tools und unklare Zuständigkeiten. Mehr als die Hälfte der Befragten gab an, dass diese Defizite zu Frustration und Stress führen. Dabei haben nur 20 Prozent der Unternehmen vollständig digitale Dokumentenprozesse.
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Hinzu kommt „Technostress“ – die Belastung durch ständige Erreichbarkeit und rasenden technologischen Wandel. Und das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) warnt: Frauen könnten durch die KI-Transformation besonders betroffen sein, da sie häufiger in Berufen mit hohem Automatisierungspotenzial arbeiten.
„Stressimpfung“ statt Vermeidung
Hirnforscher und Psychologen setzen daher auf Resilienz. Volker Busch von der Universitätsklinik Regensburg plädiert für eine „Stressimpfung“: Statt Belastung zu vermeiden, soll die Widerstandsfähigkeit durch gezieltes Training und Selbstmitgefühl gestärkt werden. Besonders junge Führungskräfte seien oft überfordert.
In der Praxis zeichnet sich ein Trend zur gesundheitsorientierten Führung ab. Oliver Herrmann von der Telekom beschreibt mentale Gesundheit als zentrales Thema der Kulturentwicklung. Organisationen müssten als energetische Systeme verstanden werden – mit empathischer Führung und klaren Ansagen.
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Arbeiten nach dem Biorhythmus
Ein innovativer Ansatz: „Chronoworking“. Dabei werden Arbeitszeiten an den individuellen Biorhythmus angepasst. Hintergrund ist eine japanische Studie von 2022, wonach Menschen mit falsch getakteten Arbeitszeiten häufiger trotz Krankheit arbeiten (Präsentismus). Eine Klinik in Bayern nutzt bereits Haarwurzelanalysen zur Bestimmung des Chronotyps.
Die Prävention setzt immer früher an. Das Schulbarometer der Robert Bosch Stiftung zeigt: 46 Prozent der Lehrkräfte sehen das Verhalten von Schülern als größte Belastung. Auch hier nehmen psychische Probleme bei Lernenden zu.
Geplant sind bereits gezielte Angebote: Die IHK Magdeburg startet am 26. Juni Workshops zur psychischen Gesundheit im Ausbildungsalltag. Ende November folgen Fachseminare zu Achtsamkeit und Selbstregulation für medizinische Berufe.
