Psychische Erkrankungen: 184 Fehltage je 100 Versicherte 2026
Veröffentlicht am: 22.07.2026 um 19:51 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die globale Lebenserwartung steigt – doch die zusätzlichen Jahre verbringen wir zunehmend in schlechter Gesundheit. Das zeigt eine neue Studie in The Lancet Public Health.
Zwischen 1990 und 2023 kletterte die durchschnittliche Lebenserwartung weltweit von 64,6 auf 73,8 Jahre. Die gesunde Lebenserwartung zog nicht mit: Sie stieg nur von 55,9 auf 63,1 Jahre. Die Folge: Die sogenannte Morbiditätslücke wuchs von 8,8 auf 10,7 Jahre.
Menschen verbringen heute 14,5 Prozent ihres Lebens in beeinträchtigtem Gesundheitszustand. 1990 waren es noch 13,6 Prozent. Medizinische Fortschritte verlängern das Leben also – verhindern aber nicht im gleichen Maße chronische Erkrankungen.
USA mit größter Lücke – Deutschland im Mittelfeld
Die Unterschiede zwischen den Ländern sind enorm. Die USA verzeichnen mit 14 Jahren die größte Morbiditätslücke, gefolgt von Australien (13,9) und Kanada (13,7). Deutschland liegt mit 11,9 Jahren im Mittelfeld. Südkorea steigerte seine Lücke von 9,4 Jahren (1990) auf 11,6 Jahre (2023). In Indien beträgt die Differenz inzwischen 10,6 Jahre.
Besonders auffällig: der Geschlechterunterschied. Frauen leben zwar länger, aber kränker. Global beträgt ihre Morbiditätslücke 12,1 Jahre – bei Männern sind es nur 9,3 Jahre.
Rückenschmerzen und Depressionen als Haupttreiber
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Rund 57 Prozent der in schlechter Gesundheit verbrachten Jahre gehen auf nicht-tödliche chronische Erkrankungen zurück. Die Hauptursachen: Muskel-Skelett-Erkrankungen (vor allem Rückenschmerzen), psychische Störungen wie Depressionen, Sinnesorganerkrankungen wie Hörverlust und Folgen von Stürzen.
Als Risikofaktoren nennen die Forscher hohen Blutzucker, Übergewicht, Tabakkonsum und Luftverschmutzung. Auch Mangelernährung bei Kindern und Müttern bleibt ein relevanter Faktor.
Deutsche Arbeitswelt: Psychische Erkrankungen auf Platz eins
Aktuelle Daten aus Deutschland bestätigen den Trend. Der DAK-Report für das erste Halbjahr 2026 zeigt: Der Krankenstand sank leicht auf 5,3 Prozent (9,6 Fehltage pro Mitarbeiter). Doch die Ursachen verschieben sich.
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Psychische Erkrankungen sind erstmals der häufigste Grund für Krankschreibungen – mit 184 Fehltagen je 100 Versicherte. Das ist ein Anstieg um neun Prozent. Atemwegserkrankungen gingen dagegen um 21 Prozent zurück. Die durchschnittliche Krankheitsdauer stieg leicht von 9,5 auf 9,7 Tage.
Die Kassenführung schlägt deshalb Modelle zur Teilkrankschreibung vor. Eine Studie des IGES-Instituts warnt zudem vor strukturellen Engpässen: Bis 2040 könnten mehr als 12.000 Hausarztsitze unbesetzt bleiben.
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