Psychische Erkrankungen: 17,4% aller Fehltage durch Depressionen
17.06.2026 - 11:15:21 | boerse-global.de
Viele kennen das: Endlich Urlaub, endlich entspannen – doch stattdessen kommen Schlafstörungen, innere Unruhe oder Antriebslosigkeit. Dieses Phänomen hat einen Namen. Es ist die verzögerte Wahrnehmung psychischer Belastungen.
Körpertherapeutin Stefanie Schnier warnte Mitte Juni 2026: Psychische Erschöpfung wird oft erst dann spürbar, wenn der chronische Stress im Urlaub nachlässt. Der Körper mobilisiert im Dauerstress Funktionsreserven. Fallen diese weg, brechen die Symptome ein.
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Die Expertin fordert Arbeitgeber zum Handeln auf. Flexible Arbeitsmodelle und präventive Maßnahmen seien nötig, um chronischer Überlastung entgegenzuwirken.
Psychische Erkrankungen auf Rekordniveau
Die Zahlen untermauern den Trend. Der Psychreport 2025 der DAK-Gesundheit zeigt: Rund 17,4 Prozent aller Fehltage entfielen 2024 auf psychische Erkrankungen. Depressionen verursachten rechnerisch 183 Fehltage je 100 Versicherte.
Besonders betroffen: soziale Berufe. Die intensive zwischenmenschliche Interaktion und oft schwierige Rahmenbedingungen setzen Beschäftigten massiv zu.
Wenn die Seele aufs Herz schlägt
Die Verbindung zwischen Psyche und Körper ist enger als gedacht. Dr. Cornelia Ulrich, Chefärztin im Salus-Fachklinikum Uchtspringe, erklärte Mitte Juni: Depressionen gelten inzwischen als eigenständiger Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen – vergleichbar mit Rauchen oder Bluthochdruck.
Besonders kritisch: 20 bis 30 Prozent der Patienten entwickeln nach einem Herzinfarkt depressive Verstimmungen. Massive Stresshormon-Ausschüttungen können sogar das sogenannte Broken-Heart-Syndrom auslösen. Ein stabiles soziales Umfeld, regelmäßige Bewegung und gezielte Stressbewältigung helfen vorzubeugen.
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Drei Methoden, die wirklich helfen
Progressive Muskelentspannung (PMR): Die Methode nach Jacobson wirkt. Eine Metaanalyse aus 2024/2025 mit 2.277 Patienten belegte eine signifikante Verbesserung der Schlafqualität. Frühere Studien zeigten zudem eine deutliche Reduktion von Angstzuständen.
Naturerleben: Schon 30 Minuten Spaziergang mit Vogelgezwitscher senken Blutdruck und Cortisolspiegel. Das belegt eine Studie der Universität Tübingen vom Mai 2026. Eine europäische Untersuchung mit über 26.000 Erwachsenen zeigte zudem: Hohe Artenvielfalt im Wohnumfeld steigert die Lebenszufriedenheit.
Trainingstherapie: Seit Januar 2025 können Österreicher Trainingstherapie auf Rezept auch außerhalb von Reha-Aufenthalten nutzen. Sportwissenschaftlerin Dr. Anita Birklbauer sieht darin ein wichtiges Instrument bei chronischen Erkrankungen. Ein Haken: Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt die Kosten im niedergelassenen Bereich noch nicht.
Schlafmediziner Dr. Michael Saletu warnt zudem vor chronischem Schlafmangel. Er erhöhe das Risiko für Depressionen und Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes deutlich. Powernaps von 10 bis 20 Minuten helfen zur kurzfristigen Regeneration.
