Psychische, Erkrankungen

Psychische Erkrankungen: 150 Tage Ausfallsdauer in der Schweiz

Veröffentlicht am: 23.09.2026 um 08:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Ein neuer Bericht benennt Schwächen beim Schutz gefährdeter Gruppen, während psychische Erkrankungen und Versorgungskosten weiter zunehmen.

Pandemievorsorge und Psyche: Bericht zeigt globale Schutzlücken
Ein ruhiger, nebliger Waldpfad im Morgengrauen, der Weite und Struktur symbolisiert. Illustration mit AI erstellt.

Die Vorsorge gegen globale Gesundheitskrisen sowie die psychische Widerstandsfähigkeit der Bevölkerung stehen im Zentrum aktueller wissenschaftlicher und wirtschaftlicher Untersuchungen.

Ein im September 2026 am Rande der UN-Generalversammlung in New York vorgestellter Bericht der NUS-Lancet PRIME Commission zeigt dabei eine deutliche Diskrepanz zwischen formalen Bereitschaftsplänen und dem tatsächlichen Schutz vulnerabler Bevölkerungsgruppen auf.

Die Kommission, die im Jahr 2023 von der National University of Singapore und dem Fachmagazin The Lancet einberufen wurde, stützt ihre Ergebnisse auf Fallstudien in 20 Ländern und mehr als 800 Interviews.

Systemische Schwächen in der Krisenvorsorge

Die Experten der Kommission identifizierten fünf zentrale systemische Schwächen, die während der COVID-19-Pandemie den Schutz benachteiligter Gruppen erschwerten. Dazu zählen Existenzunsicherheit, beengte Wohnverhältnisse, administrative Hürden sowie ein ausgeprägtes Misstrauen gegenüber Institutionen und mangelnde Informationsverfügbarkeit.

Die Co-Vorsitzenden der Kommission, Helena Legido-Quigley und die frühere neuseeländische Premierministerin Helen Clark, wiesen darauf hin, dass die bisherige Pandemieplanung oft zu formal gestaltet sei.

Modellierungen im Bericht verdeutlichen die globalen Auswirkungen ungleicher Ressourcenverteilung. Ein gerechterer Zugang zu Impfstoffen, der sich an der Bevölkerungsgröße statt an der Kaufkraft orientiert, könnte demnach im Falle einer zweijährigen Influenzapandemie rund 2,7 Millionen zusätzliche Leben retten.

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Speziell für Deutschland stellt der Bericht fest, dass fragmentierte föderale Systeme zu verzögerten Entscheidungen und einer inkonsistenten Umsetzung von Maßnahmen geführt hätten. Im Vergleich zu Staaten wie Neuseeland, Japan oder Luxemburg zeigten sich hier deutliche Verzögerungen, während der deutsche Pandemieplan aus dem Jahr 2017 derzeit noch überarbeitet werde.

Wirtschaftsfaktor Psyche und mentale Belastung

Die psychische Resilienz erweist sich zunehmend als kritischer Faktor für die gesellschaftliche und wirtschaftliche Stabilität. Daten des Schweizer Versicherers Helsana vom September 2026 beziffern die jährlichen Kosten psychischer Probleme in der Schweizer Arbeitswelt auf rund 6,5 Milliarden Franken.

Die Kosten im Bereich der Psychotherapie verzeichneten demnach innerhalb eines Jahres einen Anstieg um 11 Prozent. Besonders besorgniserregend sei die Dauer der Ausfälle: Eine psychisch bedingte Absenz dauert laut Helsana-CEO Roman Sonderegger durchschnittlich 150 Tage. Zudem berichtete ein Fünftel der 16- bis 25-Jährigen über mittelschwere bis schwere Depressionssymptome.

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Diese Entwicklung spiegelt sich auch in Deutschland wider. Eine Fehlzeitenanalyse der hkk Krankenkasse für das erste Halbjahr 2026 zeigt, dass psychische Erkrankungen erstmals die häufigste Ursache für Fehltage darstellten.

Während die Ausfälle aufgrund von Atemwegserkrankungen um 19,6 Prozent zurückgingen, stiegen die Fehltage durch psychische Diagnosen um 9,3 Prozent an. Mit einer durchschnittlichen Dauer von 38,8 Tagen je Fall führen psychische Leiden die Statistik der Langzeiterkrankungen an.

Defizite in der institutionellen Vorbereitung

Trotz der Lehren aus vergangenen Krisen offenbaren aktuelle Erhebungen erhebliche Lücken in der praktischen Vorsorge medizinischer Einrichtungen. Eine Befragung des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi), die zwischen April und Juli 2026 unter knapp 4.000 Praxen durchgeführt wurde, ergab, dass 82 Prozent der Einrichtungen über keinen Notfallplan für einen Stromausfall verfügen. 80 Prozent haben keine Vorkehrungen für den Ausfall von Telekommunikationssystemen getroffen.

Dominik von Stillfried, Vorstandsvorsitzender des Zi, betonte im Rahmen eines Kongresses im September 2026 das Potenzial der Telemedizin, um krisenbedingte Belastungsspitzen abzufedern. Dennoch fehle es bisher an einer systematischen Verankerung in der Regelversorgung.

Die Analysen verdeutlichen insgesamt, dass Resilienz nicht allein durch formale Dokumente, sondern durch eine Verzahnung von sozialer Sicherheit, psychischer Gesundheit und praktischer Einsatzfähigkeit auf lokaler und globaler Ebene entsteht.

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