Psychische, Erkrankungen

Psychische Erkrankungen: 116.300 Kinder 2024 stationär behandelt

Veröffentlicht am: 23.09.2026 um 11:53 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Schulen und Hochschulen verbinden Bewegung, psychische Prävention und Medienbildung, während Studien den wachsenden Handlungsbedarf bei jungen Menschen zeigen.

Gesundheitsförderung: Bewegung, Bildung und mentale Stärke verknüpft
Ein heller, leerer Gymnastikraum mit Holzboden und einfallendem Tageslicht in einer Schule. Illustration mit AI erstellt.

Präventionskonzepte und Bildungsprogramme setzen verstärkt auf eine Verknüpfung von körperlicher Aktivität und kognitiver Kompetenzförderung, um das seelische Wohlbefinden nachhaltig zu stärken. Verschiedene Initiativen aus Wissenschaft, Bildungseinrichtungen und dem Gesundheitswesen zeigen, wie physische Bewegung, Stressbewältigung und die Schulung geistiger Fähigkeiten zusammenwirken.

Zielgruppengerechte Angebote an Hochschulen und Schulen

An der Universität Osnabrück widmet sich das auf rund zweieinhalb Jahre angelegte Forschungsprojekt „Gesund musizieren: Körperliche und mentale Gesundheitsförderung für Musikstudierende“ den spezifischen Belastungen angehender Musiker.

Die Techniker Krankenkasse fördert das Vorhaben mit 75.000 Euro. Erhebungen aus den Jahren 2016 und 2017 zeigten, dass rund 30 Prozent der Musikstudierenden unter körperlichen Schmerzen beim Musizieren litten und etwa 27 Prozent von leistungseinschränkender Auftrittsangst betroffen waren.

Das Projektteam um Projektleiter Professor Dr. Christoph Louven, Physiotherapeutin Heike Schemmann und Dr. Judith Zimmermann verankert für rund 250 Studierende Lehrveranstaltungen, Workshops sowie Beratungsangebote dauerhaft im Curriculum.

Auch im schulischen Bereich gewinnen ganzheitliche Ansätze an Bedeutung. Die Ulstertalschule in Hilders wurde als gesundheitsfördernde Schule ausgezeichnet.

Patrick Weise vom Hessischen Ministerium für Kultus, Bildung und Chancen überreichte das Gesamtzertifikat, das auf vier Teilzertifikaten in den Bereichen Bewegung und Wahrnehmung, Ernährung und Konsum, Verkehr und Mobilität sowie Sucht- und Gewaltprävention basiert. Neben Bewegungsangeboten und einer neuen Calisthenics-Anlage umfasst das Konzept Ausbildungselemente für Schulsanitäterinnen und Buslotsen.

In Hessen beginnt zudem ab November 2026 der freiwillige Grundschul-Bewegungscheck „Löwen, los!“ für Zweitklässler in Kooperation mit dem Landessportbund und der Sportjugend Hessen. Ministerin Diana Stolz und Kultusminister Armin Schwarz betonen die Bedeutung früher Förderung, da viele Kinder motorische Defizite aufweisen.

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Psychische Belastungen und strukturelle Handlungsfelder

Dass Handlungsbedarf besteht, unterstreicht ein Impulspapier des BKK Dachverbands unter dem Titel „Gesund. Gelassen. Gebildet.“, zu dem Professor Dr. Eva Susanne Dietrich vom Institut für evidenzbasierte Positionierung im Gesundheitswesen in Bonn eine Einordnung lieferte.

Demnach gab es im Jahr 2024 rund 116.300 stationäre Behandlungen von Zehn- bis 19-Jährigen wegen psychischer Erkrankungen und Verhaltensstörungen. Die COPSY-Studie wies zudem bei 13 Prozent der Kinder und Jugendlichen depressive Symptome aus.

Während 82 Prozent der Jugendlichen im Jahr 2025 mit ihrem Leben zufrieden waren, berichteten 27 Prozent der Schüler über Einschränkungen bei der gesundheitsbezogenen Lebensqualität – bei niedrigem Familieneinkommen lag dieser Wert bei 37 Prozent.

Der Dachverband fordert neben Medienkompetenz und Elternarbeit den flächendeckenden Einsatz von Schulgesundheitsfachkräften. Bestehende Maßnahmen wie das mit rund 20 Milliarden Euro für mehr als 4.000 Schulen ausgestattete Startchancen-Programm oder langjährige Projekte wie Klasse2000 und fit4future bilden hierfür eine Basis.

Digitale Kompetenzen und kulturelle Faktoren

Ergänzend zu physischen Übungen rücken Medienkompetenz und die Reduktion von Bildschirmzeit in den Mittelpunkt. An der Philipps-Universität Marburg entwickelte ein Team um Dr. Martina Dort im Rahmen des Deutschen Zentrums für Psychische Gesundheit die App „LeafIt!“, die Schülerinnen und Schülern helfen soll, ungesunde Bildschirmzeiten im Klassenverband spielerisch zu senken.

In Osnabrück beschäftigten sich zudem rund 450 Schulkinder im Rahmen der Smart Kids Tage mit Künstlicher Intelligenz, Programmierung und kritischem Medienkonsum.

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Internationale Forscher weisen in Beiträgen für die Fachzeitschrift The Lancet darauf hin, dass neben Bewegung und Kognition auch kulturelle Teilhabe systematisch als gesundheitsförderndes Verhalten anerkannt werden sollte.

Agustín Ibáñez vom Global Brain Health Institute betonte, dass Gesundheit aus dem Zusammenspiel biologischer, psychischer, sozialer und kultureller Umfelder entstehe. Bildungs- und Präventionsansätze zielen daher darauf ab, diese Faktoren zusammenzuführen.

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