Psychische, Belastung

Psychische Belastung: Zweibrücken mit 8,0 Ausfalltagen bundesweit vorn

21.06.2026 - 04:01:02 | boerse-global.de

Psychische Erkrankungen treiben die Ausfallzeiten in Deutschland auf hohem Niveau. Betriebliches Gesundheitsmanagement gewinnt an Bedeutung, besonders für den Mittelstand.

Hohe Krankenstände in Deutschland: Psychische Leiden als Haupttreiber
Psychische - Mitarbeiter nehmen an einem betrieblichen Gesundheitsprogramm teil, das körperliche Aktivität und psychische Gesundheit fördert. 21.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Besonders psychische Erkrankungen treiben die Ausfallzeiten in die Höhe. Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) rückt damit immer stärker in den Fokus – vor allem für den Mittelstand.

Regionale Unterschiede sind enorm

Die Barmer-Krankenkasse hat für 2025 in Rheinland-Pfalz durchschnittlich 22,5 Krankheitstage pro Versichertem ermittelt. Das sind 0,5 Tage weniger als im Vorjahr. Die DAK kommt mit 20,8 Tagen auf einen etwas niedrigeren Wert.

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Besonders auffällig: Psychische Leiden verursachen laut Barmer 4,7 Ausfalltage pro Person, die DAK zählt 3,91 Tage. Regional zeigen sich extreme Unterschiede. Im Kreis Kusel liegt der Krankenstand bei 28,6 Tagen. Die Stadt Zweibrücken verzeichnet bundesweit die höchste Belastung durch psychische Erkrankungen – mit 8,0 Tagen pro Versichertem.

Braucht es dort gezielte Maßnahmen? Die Daten sprechen dafür.

Krankenkassen investieren kräftig in Prävention

Die gesetzlichen Kassen reagieren. Die AOK Bayern steigerte die Zahl der erreichten Personen 2025 um 20 Prozent auf rund 1,35 Millionen. Die Investitionen in Präventionsleistungen wuchsen um 3,5 Prozent auf 41,8 Millionen Euro.

Ein Großteil fließt in die betriebliche Gesundheitsförderung (BGF). Rund 500.000 Beschäftigte in mehr als 2.600 Unternehmen profitierten davon. Bemerkenswert: Ein Drittel der BGF-Ausgaben geht an Pflegeeinrichtungen. Auch Kitas und Schulen stehen verstärkt im Fokus.

Mittelstand macht es besser als Großkonzerne

Die „Move Days 2026“ zeigen, wo Gesundheitsprogramme besonders gut ankommen. Über 6.500 Teilnehmer aus mehr als 100 Betrieben machten mit. In Firmen mit 50 bis 100 Mitarbeitern lag die Teilnahmequote zwischen 60 und 95 Prozent. In Großunternehmen sind es oft nur 10 bis 30 Prozent.

Die niedrigschwelligen Angebote erreichen offenbar Zielgruppen, die sonst schwer zu aktivieren sind. Laut Erhebungen bewegten sich 43 Prozent der Teilnehmer vor dem Projekt weniger als zwei Stunden pro Woche. Insgesamt kamen über eine Milliarde Schritte zusammen – und Spenden in Höhe von 16.000 Euro.

Digitale Konzepte werden prämiert

Die DAK-Gesundheit hat den 11. Deutschen BGM-Förderpreis ausgeschrieben. Das Preisgeld: 60.000 Euro. Ausgezeichnet werden explizit digitale Konzepte für gesundes Arbeiten. Die Verleihung ist für den 29. September 2026 in Köln geplant.

Parallel dazu steht eine Reform der Arbeitszeitgestaltung an. Ein Referentenentwurf des Bundesarbeitsministeriums sieht vor, die tägliche Höchstarbeitszeit von acht Stunden durch eine wöchentliche Grenze von 48 Stunden zu ersetzen. Gelten soll das aber nur für Beschäftigte mit Tarifvertrag – das sind rund 50 Prozent. Ein politischer Beschluss wird noch vor der Sommerpause 2026 angestrebt.

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Nachwuchs im Fokus

Auch Azubis und junge Erwerbstätige rücken in den Blickpunkt. Die Industrie- und Handelskammern sowie die Handwerkskammern in Magdeburg und Halle organisieren Ende Juni 2026 einen Workshop zur Gesprächsführung für Ausbilder.

Eine Fachtagung am 26. Oktober 2026 in Olten widmet sich der psychischen Verfassung von Lernenden. Beteiligt sind die Gesundheitsförderung Schweiz und die Suva. Ziel: Frühzeitig Überlastung erkennen und die Resilienz des Berufsnachwuchses stärken.

de | wissenschaft | 69593743 |