Psychische, Belastung

Psychische Belastung: Kindererziehung stresst mehr als der Job

04.06.2026 - 10:51:09 | boerse-global.de

Jeder vierte Schweizer leidet an psychischen Erkrankungen. Elternsein und Zukunftsängste sind die Hauptstressoren, zeigt der aktuelle AXA Mind Health Report.

Psychische Belastung: Kindererziehung stresst mehr als der Job - Bild: über boerse-global.de
Psychische Belastung: Kindererziehung stresst mehr als der Job - Bild: über boerse-global.de

Das zeigt der aktuelle AXA Mind Health Report aus dem Frühjahr 2026. Demnach ist inzwischen jede vierte Person in der Schweiz psychisch krank.

Für die Studie wurden weltweit 19.000 Menschen befragt, darunter 1.000 in der Schweiz. Die Ergebnisse sind alarmierend: Kindererziehung, Zukunftsängste und finanzielle Sorgen treiben die Menschen zunehmend in die seelische Krise.

Elternsein belastet mehr als der Job

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Entgegen der landläufigen Meinung ist nicht der Beruf der größte Stressfaktor. Mit 45 Prozent nannten die Befragten die Herausforderungen bei der Kindererziehung als stärkste psychische Belastung. Dahinter folgen allgemeine Zukunftsängste (43 Prozent) und Sorgen um die Finanzen oder den Arbeitsplatz (42 Prozent).

Besonders hart trifft es die Jungen. In der Altersgruppe der 18- bis 24-Jährigen berichten 39 Prozent von psychischen Beeinträchtigungen. Ein Hauptgrund: die digitale Lebenswelt. Rund zwei Drittel aller Studienteilnehmer sehen negative Auswirkungen durch die tägliche Bildschirmzeit. Bei den Jüngeren sind es sogar 93 Prozent – mit Folgen für Schlaf, Konzentration und Stimmung.

Krankenstand explodiert

Die individuellen Belastungen schlagen sich in den Wirtschaftsdaten nieder. Das Bundesamt für Statistik (BFS) verzeichnet einen Anstieg der krankheitsbedingten Absenzen bei Vollzeitbeschäftigten von 7,2 Tagen (2019) auf 8,2 Tage (2025). Die verlorenen Arbeitsstunden stiegen von 227 auf 329 Millionen.

Noch drastischer ist die Entwicklung bei der Invalidenversicherung (IV). Zwischen 2021 und 2025 nahmen psychisch bedingte IV-Fälle um 78 Prozent zu. Der Job-Stress-Index zeigt eine langfristige Verschlechterung: Lag der Anteil gestresster Erwerbstätiger 2014 noch bei 24,8 Prozent, stieg er bis 2022 auf 28,2 Prozent. Die wirtschaftlichen Kosten durch arbeitsbedingten Stress? Für 2022 auf rund 6,5 Milliarden Franken geschätzt.

KI als Notlösung?

Immer mehr Schweizer suchen Hilfe bei technologischen Helfern. Laut der Studie nutzen 55 Prozent KI-Anwendungen für mentale Gesundheitsthemen. Global liegen einige Länder sogar bei 63 Prozent.

Doch warum verzichten so viele auf professionelle Hilfe? 45 Prozent der Betroffenen sehen keine Notwendigkeit, 35 Prozent schrecken vor den Kosten zurück. Und die KI-Lösung ist nicht perfekt: Rund 45 Prozent der Nutzer zeigten sich mit den Antworten der Algorithmen unzufrieden.

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Die Wellness-Falle

Ein weiteres Problem: Der Drang nach dem perfekten, gesunden Leben erzeugt zusätzlichen Druck. Das Gottlieb Duttweiler Institut (GDI) untersuchte 2026 das Phänomen der „Wellness-Falle“. Mehr als die Hälfte der 16- bis 24-Jährigen erlebt regelmäßig starken Zeitdruck – ausgelöst durch den Versuch, einen optimierten Lebensstil zu führen.

Obwohl 86 Prozent dieser Altersgruppe unter der Woche mindestens acht Stunden schlafen, fühlt sich eine Mehrheit häufig erschöpft. Die Wellness-Ökonomie, deren Volumen 2024 auf 6,8 Billionen US-Dollar geschätzt wurde, produziert offenbar mehr Stress als Entspannung. 74 Prozent der Befragten betrachten aktuelle Beauty- und Wellness-Trends kritisch – und stufen sie als primär kommerziell motiviert ein.

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