Psychische Belastung: Ein Viertel aller Schüler überdurchschnittlich betroffen
10.06.2026 - 22:02:43 | boerse-global.de
Bildungseinrichtungen reagieren mit neuen Konzepten – von der Volksschule bis zur Berufsausbildung.
Spielerisch lernen, mit Stress umzugehen
In der Marianne Graf Volksschule Fernitz fand heute der Workshop „Psychisch fit in der Volksschule – Unsere verrückten Familien“ statt. Die Psychosozialen Dienste Steiermark leiteten die Einheit. Die Kinder beschäftigten sich spielerisch mit Stressbewältigung, Gefühlsregulation und ihren eigenen Stärken.
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Das Montessori-Gymnasium Ingolstadt geht noch einen Schritt weiter. Dort gibt es seit zwei Jahren ein eigenes Fach „Mentale Gesundheit“ für die fünften und sechsten Klassen. Die Schüler lernen Strategien zur Streitbeilegung und den Umgang mit Leistungsdruck.
Auch die Wirtschaft zieht mit. Audi bietet seinen Mitarbeitern Mental-Health-Check-ups an. Eine Evaluation zeigt: Die Belastungssymptome gingen signifikant zurück.
Jeder vierte Schüler ist psychisch belastet
Die Zahlen belegen die Dringlichkeit solcher Maßnahmen. Auf einem Fachtag in Bremerhaven gestern verwiesen Experten auf das Deutsche Schulbarometer. Demnach gilt etwa ein Viertel aller Schüler als überdurchschnittlich psychisch belastet. Soziale Rückzüge und Einsamkeit nehmen zu.
Linz setzt im laufenden Schuljahr einen Schwerpunkt auf Gesundheitsförderung an Mittelschulen. Die Kinder- und Jugendgesundheitstage bieten Workshops zu Suchtprävention und digitalen Medien. Im Vorjahr nahmen rund 2.100 Kinder und Jugendliche teil.
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Hilfe für Auszubildende
Die Prävention erreicht nun auch den Übergang ins Berufsleben. Die Stiftung „Achtung!Kinderseele“ weitet ihr Pilotprojekt „Ausbildungsanker“ ab September auf Schleswig-Holstein aus. Der Hintergrund: Rund ein Drittel der Azubis bricht die Ausbildung ab. Fachärzte schulen Ausbilder und Lehrkräfte darin, psychische Belastungen frühzeitig zu erkennen. In der ersten Phase fühlten sich 80 Prozent der Teilnehmer durch die Schulungen besser auf schwierige Gespräche vorbereitet.
Kreative Ansätze gibt es ebenfalls. „Rebels of Hope“ bietet in Baden-Württemberg kostenfreie Workshops für Schulen an. Ziel ist es, Zukunftsängsten entgegenzuwirken. Die bundesweite „MUT-Tour“ machte heute in Gemünden Station – sie macht psychische Erkrankungen im öffentlichen Raum sichtbar und baut Vorurteile ab.
Finanzierung bleibt eine Hürde
Trotz vieler Projekte: Die strukturelle Verankerung der psychosozialen Unterstützung stockt. Im Erzgebirgskreis läuft die Finanzierung für Schulsozialarbeit an mehreren Einrichtungen zum 30. Juni aus. Die Fördermittel reichen nicht.
Die Bedeutung langfristiger Begleitung zeigt sich auch an Gedenktagen. Heute jährte sich der Amoklauf am BORG Dreierschützengasse in Graz zum ersten Mal. Christian Ortner von der Telefonseelsorge Graz betonte: Betroffene brauchen einen würdigen Rahmen – fernab von Sensationsinteresse. Als Konsequenz plant die Politik eine Novellierung des Verbrechensopfergesetzes. Vorgesehen sind eine Verdoppelung der Pauschalentschädigung für Schmerzengeld und ein Ausbau der psychosozialen Unterstützung.
