Psychische Belastung: Burn-out-Fälle in 18 Jahren um 670% gestiegen
Veröffentlicht am: 14.07.2026 um 03:21 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Arbeitgeber und Sozialsysteme geraten zunehmend unter Druck. Besonders betroffen sind junge Beschäftigte und Führungskräfte im Gesundheitswesen.
Spanien und Schweiz mit Rekordwerten
In Spanien lag die Krankenstandsquote 2024 bei 4,5 Prozent der Beschäftigten – fast doppelt so hoch wie der EU-Schnitt von 2,5 Prozent. Seit 2018 bedeutet das einen Anstieg um 73 Prozent. Während ein Arbeitnehmer 2015 durchschnittlich 2,4 Wochen krankgeschrieben war, sind es heute rund fünf Wochen pro Jahr.
Die Schweiz verzeichnet ähnliche Entwicklungen: Psychische Erkrankungen nahmen in den letzten zehn Jahren um 60 Prozent zu. Das zeigt sich auch in der Invalidenversicherung (IV). Für 2025 werden rund 25.200 Neurenten erwartet, das jährliche Defizit liegt bei etwa 700 Millionen Franken. Besonders stark steigen die Rentenbezüge bei den 18- bis 24-Jährigen und den über 60-Jährigen.
Massive Produktivitätseinbußen international
Die wirtschaftlichen Folgen sind enorm. In Neuseeland verlieren Unternehmen laut Erhebungen des ersten Quartals 2026 bis zu 94 Arbeitstage pro betroffenem Mitarbeiter jährlich. In Kanada schätzt man die Kosten für Arbeitgeber durch mentale Gesundheitsprobleme auf rund 110 Milliarden Dollar pro Jahr.
Junge Generation besonders betroffen
Die psychische Belastung trifft vor allem Jüngere. In der Schweiz nahmen 2022 rund 14 Prozent der jungen Frauen und 4,3 Prozent der jungen Männer zwischen 15 und 24 Jahren psychologische Behandlungen in Anspruch. Ein internationaler Mental Health Index für das erste Quartal 2026 zeigt: Die Altersgruppe der 20- bis 29-Jährigen erreicht nur 54,4 Punkte – deutlich weniger als die 60- bis 69-Jährigen mit 71,4 Punkten.
Die Zahl der Burn-out-Fälle ist seit 2005 um 670% gestiegen – besonders Führungskräfte im Gesundheitswesen sind betroffen. Dieser Report zeigt, wie Sie mit fünf konkreten Maßnahmen Ihr Team schützen und Fehlzeiten senken. Jetzt kostenlosen Report anfordern
Gleichzeitig verändern sich die Ansprüche an die Arbeitswelt. Eine Umfrage unter 5.500 Erwerbstätigen ergab: 47 Prozent der 18- bis 35-Jährigen erledigen ausschließlich Aufgaben, die in ihrer Stellenbeschreibung stehen. Bei älteren Kohorten sind es nur 19 bis 25 Prozent. Jüngere vermeiden Überstunden konsequent, fordern aber faire Bedingungen als Voraussetzung für Leistungsbereitschaft.
Burn-out: Führungskräfte im Gesundheitswesen am stärksten gefährdet
Bestimmte Berufsgruppen sind besonders betroffen. 2023 wiesen Führungskräfte in der Gesundheitspflege mit 607,1 Arbeitsunfähigkeitstagen pro 1.000 Versicherten die höchsten Burn-out-Fehlzeiten auf. Zum Vergleich: Im Dialogmarketing waren es 441,7 Tage, in der Altenpflege 364,8. Die Zahl der Burn-out-Fälle stieg von einem Fall je 1.000 Mitglieder im Jahr 2005 auf 7,7 Fälle im Jahr 2023.
Experten warnen zudem vor emotionaler Manipulation am Arbeitsplatz. Wenn Vorgesetzte verstärkt an die Gefühle der Mitarbeitenden appellieren, kann das in Manipulation umschlagen und die psychische Belastung weiter verschärfen.
Betriebliche Gegenstrategien: Was Unternehmen tun können
Manche Unternehmen zeigen, wie es besser geht. Der Linzer IT-Dienstleister MIC senkte durch ein spezifisches Gesundheitsprogramm die Krankenstandstage um 25 Prozent unter den Branchenschnitt. Das Angebot umfasst psychologische Beratung, Fitnesskurse und ein internes Sportstudio. Die Fluktuation liegt bei nur 6,6 Prozent – weit unter dem Branchendurchschnitt.
Junge Mitarbeiter verweigern Überstunden und fordern faire Bedingungen – 47% der 18- bis 35-Jährigen tun nur das, was in ihrer Stellenbeschreibung steht. Erfahren Sie, wie Sie mit Arbeitszeitverkürzung und Gesundheitsprogrammen die Leistungsbereitschaft steigern. Report: Psychische Gesundheit am Arbeitsplatz sichern
Ein weiterer Ansatz: Arbeitszeitverkürzung bei gleichem Lohn. Pilotversuche in Schweden deuten auf positive Effekte für Motivation und psychische Gesundheit hin. Von elf teilnehmenden Betrieben behielten zehn das Modell dauerhaft bei. In der Schweiz zeigt eine Studie von Sotomo, dass über zwei Drittel der Bevölkerung die aktuelle Arbeitsbelastung als zu hoch empfinden.
Die Debatte um mentale Gesundheit am Arbeitsplatz wird weitergehen. Am 15. September ist in Zürich eine Veranstaltung geplant, bei der Vertreter von Versicherungen und psychiatrische Experten über die Zukunft diskutieren.
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