Psychische, Belastung

Psychische Belastung: 70% der Richter leiden unter Burn-out

Veröffentlicht am: 21.09.2026 um 22:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Neue Erhebungen zeigen hohe Burn-out-Werte bei Richtern und steigenden Arbeitsstress. Verbände verlangen mehr psychotherapeutische Angebote.

Psychische Belastung in Justiz und Kanzleien nimmt zu
Ein leerer, modern gestalteter Gerichtssaal mit hölzernen Sitzreihen und Richterpult in natürlichem, gedämpftem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Aktuelle Erhebungen verdeutlichen eine besorgniserregende Entwicklung der psychischen Gesundheit innerhalb der juristischen Berufe. Insbesondere im Justizsektor und in der privaten Anwaltschaft zeigen sich signifikante Belastungssymptome, die zunehmend strukturelle Gegenmaßnahmen erforderlich machen.

Massive Belastungen im indonesischen Justizwesen

Laut dem Kertas Kerja Kesejahteraan Hakim (KY) für das Jahr 2025 berichten 70,0% der Richter von Burn-out-Symptomen. Die Datenlage der KY verdeutlicht zudem, dass sich 34,7% der Juristen in einem Zustand aktiven Stresses befinden. Trotz dieser hohen Belastungswerte haben bisher lediglich 40,2% der Betroffenen Zugang zu offiziellen Beratungsdiensten.

In der Zeitspanne von 2024 bis 2026 legen die KY und der Oberste Gerichtshof (MA) einen verstärkten Fokus auf die psychosoziale Unterstützung, das sogenannte Judicial Wellbeing. Diese Initiative folgt auf eine Anpassung der finanziellen Rechte der Richter durch die Verordnung PP Nr. 44/2024. Ziel ist es, nach der materiellen Absicherung auch die psychische Stabilität des Justizpersonals zu stärken.

Strukturelle Hilfe für die Anwaltschaft in Brasilien

Ähnliche Entwicklungen sind in Südamerika zu beobachten. Die Rechtsanwaltskammer OAB-RJ und die Universität UFRJ in Brasilien haben ein Protokoll zur Gründung des Centro Unificado de Cuidados da Advocacia (Cuca Legal) unterzeichnet. Dieses Zentrum soll eine spezialisierte psychologische und psychiatrische Betreuung für Anwälte gewährleisten.

An dem Vorhaben sind unter anderem die OAB-RJ-Präsidentin Ana Tereza Basilio sowie die Caarj-Präsidentin Paula Vergueiro beteiligt, die sich dazu mit Vertretern des Instituts für Psychiatrie (Ipub/UFRJ) austauschten. Geplant ist zudem ein angeschlossenes Forschungszentrum. Dieses soll quantitative und qualitative Erhebungen zu psychischen Erkrankungen in der Anwaltschaft durchführen.

Neben Präventionsmaßnahmen steht die Betreuung von Kollegen in emotionalen Notlagen im Vordergrund – ausdrücklich auch für jene, die aufgrund psychischer Probleme mit schweren berufsrechtlichen Sanktionen konfrontiert sind.

Karrierefolgen und psychische Gesundheit in Kanzleien

Die individuellen Folgen hoher Arbeitsbelastung in Großkanzleien werden am Beispiel von Judith Noordzij deutlich. Die heute 39-Jährige erlitt nach einer Tätigkeit von zwei Jahren und zehn Monaten als Anwältin im Amsterdam Geschäftsviertel Zuidas einen Burn-out.

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Inzwischen ist sie als Influencerin tätig und nutzt ihre Reichweite von fast 73.000 Followern auf Instagram, um über Selbstfürsorge aufzuklären. Für Mai 2027 plant sie die Veröffentlichung eines Buches, das sich speziell mit der mentalen Gesundheit von Müttern befasst.

Steigende Fehlzeiten und Forderungen an die Gesundheitspolitik

Globale Marktdaten des Future Forum Pulse für das Jahr 2026 stützen den Trend einer sinkenden Arbeitszufriedenheit, die bei Führungskräften im Vergleich zum Vorjahr um 15% zurückging. Weltweit leiden demnach 40% der Führungskräfte unter arbeitsbedingtem Stress oder Ängsten.

In Deutschland gaben 35% der Befragten an, sich ausgebrannt zu fühlen, was einem Anstieg von 5% entspricht. Zudem erwägen 55% der deutschen Arbeitnehmer aufgrund mangelnder Flexibilität einen Arbeitsplatzwechsel innerhalb der nächsten 12 Monate.

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Analysen des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) identifizieren psychische Erkrankungen als Haupttreiber für Langzeiterkrankungen. Ein psychisch bedingter Krankheitsfall führt demnach zu durchschnittlich 28,5 Ausfalltagen.

Während die durchschnittlichen Krankheitstage insgesamt von 24,5 im Jahr 2022 auf 23,3 im Jahr 2025 leicht sanken, machen Langzeiterkrankungen von mehr als sechs Wochen zwar nur 3,3% der Fälle, aber über 40% der gesamten Fehltage aus.

Vor diesem Hintergrund fordert die Deutsche PsychotherapeutenVereinigung (DPtV) eine konsequente Umsetzung gesundheitspolitischer Maßnahmen. Laut DPtV-Daten für das Jahr 2025 sind jährlich etwa 28% der Erwachsenen psychisch erkrankt.

Der Bundesvorsitzende Gebhard Hentschel bezeichnete Psychotherapie als hochwirksam und wirtschaftlich. Die Forderungen des Verbandes umfassen unter anderem den Ausbau von Behandlungsmöglichkeiten in Praxen, den Abbau von Bürokratie sowie eine vereinfachte psychotherapeutische Prävention.

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de | wissenschaft | 70147009 |