Psychische, Belastung

Psychische Belastung: 60% erwarten weitere Zunahme am Arbeitsplatz

27.05.2026 - 14:01:08 | boerse-global.de

DGUV-Studie zeigt: Arbeitgeber investieren verstärkt in Gesundheitsschutz, während psychische Belastungen zunehmen.

Psychische Belastung: 60% erwarten weitere Zunahme am Arbeitsplatz - Foto: über boerse-global.de
Psychische Belastung: 60% erwarten weitere Zunahme am Arbeitsplatz - Foto: über boerse-global.de

Das zeigt das aktuelle Barometer Arbeitswelt der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) vom März 2026. Ein Drittel der Unternehmen hat die Ausgaben für Arbeitsschutz zuletzt erhöht. 94 Prozent der Führungskräfte wollen ihren Mitarbeitern gesundes Arbeiten bis zur Rente ermöglichen.

Doch die Herausforderungen bleiben groß. Während Stolper-, Rutsch- und Sturzunfälle mit 53 Prozent als Hauptunfallrisiko gelten, nimmt der psychische Druck zu. Jeder zweite Befragte nennt Stress als erhebliche Belastung. 60 Prozent erwarten eine weitere Zunahme psychischer Belastungen. Und 22 Prozent der Befragten berichten von Gewalt am Arbeitsplatz.

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Rentenversicherung setzt auf Prävention

Die Deutsche Rentenversicherung Bayern Süd weitet ihre Angebote für gesunde Beschäftigte aus. Im Mai 2026 informierte der Träger verstärkt über das kostenfreie Programm RV Fit. Es konzentriert sich auf Bewegung, Ernährung und Stressbewältigung. Ziel: Erwerbsfähigkeit langfristig sichern und Reha-Fälle vermeiden.

„Benefits sind kein Ersatz für eine angemessene Vergütung“, sagte Sandra Strauss, Personalchefin beim Urban Sports Club, auf dem New Work Summit in Berlin Ende Mai 2026. Sie riet Arbeitgebern, Benefits strategisch zu entwickeln und auf die tatsächlichen Bedürfnisse der Belegschaft zu hören. Führungskräfte müssten die Maßnahmen aktiv vorleben.

Longevity-Konzept hält Einzug in Büros

Ein wachsender Trend ist die Förderung langer Gesundheitsspannen – das sogenannte Longevity-Konzept. Experte Fabian Foelsch von Braineffect plädiert für kleine, effektive Gewohnheiten im Büroalltag: Spaziergänge während Meetings oder KI-gestützte Protokolle, um kognitive Freiräume zu schaffen. Ärztin Andrea Gartenbach empfahl feste Schlafzeiten und maximal 50-minütige Meetings für bewusste Mikropausen.

Die Versicherungsgruppe Generali bündelte im Mai 2026 ihre Sparten Assistance und Employee Benefits unter der neuen Marke Redion. Mit über 12.000 Mitarbeitern in mehr als 190 Ländern will das Unternehmen durch digitale Services und KI eine führende Rolle im Markt für betriebliche Zusatzleistungen übernehmen.

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Rechtliche Leitplanken werden konkreter

Das Bundesarbeitsgericht stärkte im Oktober 2025 die Position von Arbeitnehmern. Rückzahlungsklauseln für Fortbildungskosten sind unwirksam, wenn Beschäftigte wegen unverschuldeter gesundheitlicher Unmöglichkeit kündigen müssen. Eine solche Verpflichtung würde die Berufswahlfreiheit unangemessen einschränken.

Kritisch diskutiert wird ein Urteil des Landessozialgerichts Baden-Württemberg vom März 2025 zur Erwerbsminderungsrente bei psychischen Leiden. Die Erkrankung müsse demnach die gesamte Lebensführung übernommen haben. Dabei sind psychische Störungen seit über einem Jahrzehnt der häufigste Grund für Erwerbsminderungsrenten. Ende 2024 waren über 1,2 Millionen Menschen in der Grundsicherung.

Verbesserungen gibt es für pflegende Angehörige. Seit dem 1. Januar 2026 reicht für eine Freistellung von bis zu zehn Arbeitstagen die Bescheinigung einer Pflegefachperson. Ein Pflegegrad muss nicht mehr vorliegen. Das Pflegeunterstützungsgeld fungiert als Lohnersatz mit einem Höchstsatz von täglich 135,63 Euro.

Politische Debatte um Kosten und Effizienz

Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) kritisierte die Reformpläne von Gesundheitsministerin Warken scharf. Für 2027 prognostiziert sie eine Zusatzbelastung von 3,2 Milliarden Euro für Arbeitgeber. Grund sind die Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze und höhere Abgaben bei Minijobs. Die BDA fordert unter anderem eine Senkung des Krankengeldes und die Einführung einer Kontaktgebühr.

Die Diakonie verweist auf Einsparpotenziale durch gezielte Prävention: Allein im Pflegebereich könnten durch bessere Sturzprävention jährlich 1,7 Milliarden Euro gespart werden. Die Vermeidung von Delir-Zuständen in Krankenhäusern birgt ein Potenzial von rund 90 Millionen Euro pro Jahr.

Anlässlich des Weltnichtrauchertags am 31. Mai 2026 wiesen Experten darauf hin, dass etwa 40 Prozent aller Krebsfälle durch Prävention vermeidbar wären. In Österreich sterben jährlich über 8.500 Menschen an den Folgen des Tabakkonsums. Programme zur Raucherentwöhnung gelten als hochwirksame Maßnahmen zur Verbesserung der Volksgesundheit.

Spagat zwischen Kosten und Investitionen

Die Entwicklung zeigt eine klare Verschiebung: Prävention wird zum integralen Bestandteil der Unternehmensführung. Der Fokus wandert von der Reaktion auf Krankheitsfälle hin zur proaktiven Gestaltung gesunder Arbeitsbedingungen. Technologische Innovationen und spezialisierte Präventionsprogramme unterstützen diesen Wandel.

Doch das Spannungsfeld zwischen Kosten für Gesundheitsangebote und steigenden Sozialversicherungsbeiträgen bleibt bestehen. Die Politik muss den Spagat zwischen Einsparungen und zukunftsorientierten Investitionen bewältigen. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die angekündigten Reformen und die strategische Neuausrichtung der Unternehmen die Resilienz der Beschäftigten nachhaltig sichern können. Das Ziel: gesundes Arbeiten bis zur Rente.

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