Psychische, Belastung

Psychische Belastung: 40% der Auszubildenden gefährdet

Veröffentlicht am: 04.09.2026 um 09:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Studien zeigen hohe psychische Belastungen bei Auszubildenden und Beschäftigten. Der EU-Beschäftigungsausschuss fordert deshalb gesetzliche Regeln.

Psychische Belastung im Job: EU-Ausschuss fordert neues Gesetz
Ein minimalistischer, ruhiger und heller Arbeitsplatz mit einem leeren Schreibtisch in einem modern gestalteten Raum. Illustration mit AI erstellt.

Der Schutz der mentalen Gesundheit am Arbeitsplatz gewinnt auf europäischer Ebene an politischer Dynamik. Anfang September 2026 hat der Beschäftigungsausschuss in Brüssel die Forderung nach einem Gesetz zu psychosozialen Risiken am Arbeitsplatz formuliert. Damit reagiert das Gremium auf eine zunehmende Zahl von Studien, die eine erhebliche psychische Belastung über verschiedene Erwerbsgruppen hinweg dokumentieren.

Massive Belastungen im Bereich der Berufsausbildung

Besonders deutlich zeigen sich die Herausforderungen im Bereich der beruflichen Bildung. Eine im Frühjahr 2026 durchgeführte Untersuchung der Bertelsmann-Stiftung in Kooperation mit dem Institut der deutschen Wirtschaft (IW), für die über 900 Auszubildende im Alter zwischen 15 und 25 Jahren befragt wurden, legt die Schwere der Problematik offen.

Demnach gaben 40 % der Befragten psychische Belastungen als Grund für einen möglichen Ausbildungsabbruch an. Während sich 20 % der Auszubildenden emotional belastet fühlen, weisen 15 % ein stark eingeschränktes Wohlbefinden auf.

Die Konsequenzen für die Betriebe sind wirtschaftlich messbar. Laut der Untersuchung melden 62 % der Betriebe eine Leistungsminderung bei den betroffenen Nachwuchskräften. Ein Abbruch der Ausbildung verursacht für Unternehmen durchschnittlich Kosten in Höhe von 20.000 Euro.

Die Studie verdeutlicht zudem eine Diskrepanz in der Kommunikation: 34,5 % der Auszubildenden trauen sich nicht, ihre Belastungen offen anzusprechen. Bei der Gruppe der stark Belasteten steigt dieser Anteil auf 62,8 %. Als Hauptursache für die psychische Belastung werden soziale Konflikte am Ausbildungsplatz identifiziert.

Die DGB-Jugend ergänzte diese Erkenntnisse Anfang September 2026 mit der Feststellung, dass inzwischen jeder zweite Auszubildende als psychisch belastet gelte.

Besonders kritisch ist die Situation bei denjenigen, die bereits eine starke Belastung aufweisen: In dieser Gruppe denken 73,6 % an einen Abbruch, während dies bei stabilen Auszubildenden nur auf 12 % zutrifft. Zudem war ein Drittel der stark belasteten Personen bereits aufgrund mentaler Probleme krankgeschrieben.

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Stille Erschöpfung und Präsentismus in der Belegschaft

Das Phänomen der psychischen Überlastung betrifft nicht nur Berufseinsteiger. Eine Studie der Pronova BKK mit dem Titel „Arbeiten 2025“ zeigt, dass fast jede dritte erwerbstätige Person in Deutschland bereits Erfahrungen mit sogenanntem „Quiet Cracking“ – einer Form der stillen Überlastung – gemacht hat. Fachleute führen diese Entwicklung unter anderem auf die anhaltende Wirtschaftskrise zurück, die zu Personalmangel und konsequenter Mehrarbeit führt.

Ein weiteres Problem stellt der ausgeprägte Präsentismus dar. Eine im Dezember 2025 durchgeführte Umfrage von Indeed und Appinio unter 1.000 Berufstätigen belegt, dass 49,6 % der Befragten häufiger arbeiten, obwohl sie krank sind. Innerhalb der Generation Z liegt dieser Wert sogar bei 63 %.

Lediglich 32,2 % der Befragten gaben an, sich seltener krankzumelden. Als Motive für das Arbeiten trotz Krankheit wurden vor allem die hohe Arbeitslast (31,2 %), Solidarität mit Kollegen (34,8 %) und die Angst vor einer Entlassung (20,8 %) genannt. In der Generation Z fürchten zudem 30,5 % berufliche Nachteile für ihre Karriere.

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Präventionsansätze und der Einsatz von Technologie

Angesichts dieser Datenlage rücken präventive Maßnahmen verstärkt in den Fokus. So wurde Anfang September 2026 der Start einer neuen KI-Anwendung der AOK Bayern namens „Ally“ bekannt. Die App zur Stressprävention ist von der Zentralen Prüfstelle Prävention (ZPP) zertifiziert und bietet Versicherten kostenfrei 24 Sitzungen innerhalb von drei Monaten an.

Der Bedarf für solche digitalen Angebote wird durch Erhebungen des Robert Koch-Instituts (RKI) untermauert, die bei fast einem Viertel der Erwachsenen in Deutschland eine erhöhte Stressbelastung ausweisen. Experten beobachten dabei, dass sich die „stille Erschöpfung“ als neues Krankheitsphänomen am Arbeitsplatz etabliert, was die Forderungen nach einem einheitlichen gesetzlichen Rahmen für den Umgang mit psychosozialen Risiken weiter befeuert.

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de | wissenschaft | 70053145 |