Psychische, Belastung

Psychische Belastung: 37% der Azubis vs. 3% Ausbilder-Einschätzung

Veröffentlicht am: 23.09.2026 um 13:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Studien zeigen deutliche Wahrnehmungsunterschiede bei Azubis, psychische und finanzielle Belastungen sowie wachsende Probleme bei der Besetzung.

Ausbildungsmarkt 2026: Große Lücken zwischen Azubis und Betrieben
Ein leerer, minimalistischer Arbeitsplatz in einem hellen, ruhigen Raum mit Blick ins Grüne. Illustration mit AI erstellt.

Aktuelle Untersuchungen zum Ausbildungsmarkt verdeutlichen eine wachsende Kluft zwischen der Selbstwahrnehmung von Auszubildenden und der Einschätzung durch Ausbildungsverantwortliche. Wie aus dem zweiten Teil der Studie „Azubi-Recruiting Trends 2026“ von u-form Testsysteme hervorgeht, weichen die Ansichten über berufliche Tugenden und die psychische Verfassung der jungen Generation teils drastisch voneinander ab.

Massive Unterschiede in der Fremd- und Selbstwahrnehmung

Ein zentrales Ergebnis der Untersuchung, an der laut einem Bericht vom 22.09.2026 insgesamt 11.613 Personen – darunter 9.542 Auszubildende, dual Studierende sowie Schüler und 2.071 Ausbildungsverantwortliche – teilnahmen, ist die differenzierte Bewertung der Loyalität. Während 74 % der Auszubildenden angeben, ihr eigener Betrieb könne auf ihre Treue zählen, wird diese Einschätzung nur von 18 % der Ausbildungsverantwortlichen geteilt.

Ähnliche Diskrepanzen zeigen sich bei der Bewertung von Persönlichkeitsmerkmalen. Während sich 74 % der Jugendlichen als zuverlässig beschreiben, sehen dies lediglich 13 % der Ausbilder so. Bei der Zielstrebigkeit stehen 57 % Selbsteinschätzung einer Fremdeinschätzung von 12 % gegenüber. Auch beim Fleiß ist der Kontrast mit 48 % zu 10 % deutlich ausgeprägt.

Besonders kritisch wird das Thema der psychischen Belastbarkeit bewertet. Laut der Studie von u-form Testsysteme halten sich 37 % der Auszubildenden für stark belastbar. Demgegenüber steht die Wahrnehmung der Ausbilder, von denen lediglich 3 % ihren Nachwuchskräften eine hohe Belastbarkeit attestieren. 55 % der Verantwortlichen gaben an, Auszubildende seien kaum oder gar nicht belastbar.

Psychische Belastung und wirtschaftlicher Druck

Die Einschätzungen der Unternehmen korrespondieren mit Befunden zur mentalen Gesundheit der Auszubildenden. In einem Bericht vom 22.09.2026 zum Ausbildungsreport 2026 des DGB wird angeführt, dass sich mehr als jede zweite befragte Nachwuchskraft in Deutschland psychisch belastet fühle.

Als primäre Ursache werden jedoch nicht betriebliche Faktoren, sondern finanzielle Sorgen genannt, gefolgt von der Wohnsituation. Der eigentliche Ausbildungsalltag mit Leistungs- und Zeitdruck rangiert erst an dritter Stelle.

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Der DGB verdeutlicht die ökonomische Lage am Beispiel einer Schreiner-Auszubildenden in Baden-Württemberg, die im zweiten Lehrjahr rund 1.000 Euro brutto verdient. Zusätzliche Kosten, etwa für lange Wege zur Berufsschule, könnten in Einzelfällen bis zu 3.000 Euro pro Jahr erreichen.

Vor diesem Hintergrund fordert die Organisation mehr Wohnheime und finanzielle Unterstützungsangebote. Eine gute betriebliche Betreuung könne die Belastung laut dem Report signifikant senken.

Herausforderungen bei der Stellenbesetzung

Die schwierige Suche nach geeignetem Nachwuchs spiegelt sich in regionalen Daten wider. Eine Umfrage der IHK Mittlerer Niederrhein unter 210 Betrieben und Institutionen aus der Region Krefeld, Mönchengladbach und den angrenzenden Kreisen zeigt, dass knapp die Hälfte der Unternehmen unbesetzte Ausbildungsplätze meldet. Als Hauptgrund werden fehlende geeignete Bewerbungen genannt; 92 % der Betriebe sehen demnach Mängel bei den Bewerbern.

Als größte Herausforderungen nannten die Unternehmen in der IHK-Umfrage vom September 2026 fehlende Belastbarkeit (54 %), mangelnde mentale Leistungsfähigkeit (51 %) sowie Disziplin-Defizite (47 %). Zudem würden unzureichende schulische Basiskenntnisse in Mathematik und Wirtschaft bei 40 % der Befragten die Ausbildung erschweren.

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Erwartungen und technologische Trends

Hinsichtlich der Erwartungen an Arbeitgeber priorisieren Auszubildende laut u-form Testsysteme eine gute Arbeitsatmosphäre (88 %), Jobsicherheit (86 %) und Wertschätzung (83 %). Ein hohes Gehalt ist für 79 % ein wichtiges Kriterium, während Diversität (33 %) und Nachhaltigkeit (29 %) eine vergleichsweise untergeordnete Rolle spielen.

Unterschiede zeigen sich auch zwischen den Generationen: Während 56 % der Generation Z durch Ausbildungswerbung auf Instagram erreicht werden wollen, sind es in der nachfolgenden Generation Alpha nur 32 %. Diese spricht hingegen stärker auf TikTok (38 % zu 37 % bei Gen Z) und den persönlichen Kontakt in Stellenanzeigen (65 % zu 48 %) an.

Ein zukunftsweisendes Feld bleibt die Künstliche Intelligenz (KI). Laut IHK Mittlerer Niederrhein messen 69 % der Betriebe der KI eine mittlere bis sehr hohe Bedeutung für die Berufsausbildung bei, obwohl 46 % der Unternehmen diese Technologie noch nicht aktiv einsetzen.

Parallel dazu gewinnen pädagogische Ansätze an Bedeutung: Die MOOVE GmbH kooperiert laut Berichten vom 22.09.2026 mit der Bundeszentrale für politische Bildung und Minor, um Lernmodule zur Demokratiebildung und psychologischen Kompetenzentwicklung wie Selbstwirksamkeit in der Ausbildung zu etablieren.

Trotz steigender Ausbildungszahlen in den Gesundheitsberufen bleibt die Lage auf dem Arbeitsmarkt angespannt. BFB-Präsident Stephan Hofmeister verwies im Rahmen des „Sommers der Berufsausbildung“ in Berlin auf mehr als 130.000 offene Stellen und warnte vor einer weiteren Akademisierung zulasten der beruflichen Bildung.

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