Psychische, Belastung

Psychische Belastung: 20% der Azubis emotional überfordert

Veröffentlicht am: 03.09.2026 um 12:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Traumafolgen betreffen Einsatzkräfte, Patienten und Krisenüberlebende. Studien zeigen zudem psychische Belastungen und wirtschaftliche Risiken in der Ausbildung.

Psychische Krisen: Warum Helfer und Betroffene Unterstützung brauchen
Ein leerer Holzstuhl in einem sonnendurchfluteten, minimalistischen Raum mit langen Schatten an der Wand. Illustration mit AI erstellt.

Die psychologische Aufarbeitung von Krisen und Traumata rückt zunehmend in den Fokus der klinischen und betrieblichen Praxis. Wie die Erfahrungen der Psychologin Pia Andreatta verdeutlichen, sind auch professionelle Helfer nicht vor den Auswirkungen ihrer Arbeit geschützt.

Andreatta erlitt nach ihrem ersten Auslandseinsatz, bei dem sie traumatisierten Menschen beistand, selbst ein sekundäres Trauma. Dieser Fall unterstreicht die Notwendigkeit einer verstärkten Sensibilisierung für die psychische Gesundheit derer, die im Zentrum der Krisenbewältigung stehen.

Belastungen im Gesundheitswesen und in der Ausbildung

Die strukturelle Verankerung psychologischer Betreuung zeigt sich in personellen Neubesetzungen und spezialisierten Diensten. Am RHÖN-KLINIKUM Campus Bad Neustadt übernahm Dr. Anja Baumann am 01.09.2026 die chefärztliche Leitung des Akutbereichs in der Klinik I, die rund 180 Betten umfasst. Sie folgt auf Dr. Dagmar Stelz, die diese Position seit 2013 innehatte.

Auch in der onkologischen Versorgung wird die psychologische Begleitung verstetigt: Annika Meys ist seit drei Jahren als Psychoonkologin an den Standorten Dormagen, Grevenbroich und Neuss des Rheinland-Klinikums tätig, um Krebspatienten und deren Angehörige zu unterstützen.

Dass psychische Belastungen bereits am Beginn der beruflichen Laufbahn eine Rolle spielen, belegt eine Studie der Bertelsmann Stiftung vom September 2026. Demnach fühlen sich 20 Prozent der Auszubildenden emotional belastet, während 15 Prozent ein schlechtes Wohlbefinden angeben.

In dieser Gruppe erwägen 74 Prozent einen Abbruch ihrer Ausbildung. Für die Betriebe entstehen dadurch erhebliche wirtschaftliche Risiken: 62 Prozent der Unternehmen sehen die Produktivität beeinträchtigt. Ein Ausbildungsabbruch verursacht laut der Studie durchschnittliche Kosten von 20.000 Euro.

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Akute Traumatisierung und globale Krisenfolgen

Die Bandbreite der zu behandelnden Traumata reicht von individuellen Kriegsschicksalen bis hin zu den Folgen von Naturkatastrophen. Der ukrainische Kriegsveteran Vladyslav, der in Hamburg medizinisch betreut wurde, leidet neben massiven körperlichen Verletzungen wie 20 Granatsplittern im Körper und einem gelähmten Arm unter einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTSD) sowie epileptischen Anfällen.

International stellen Großereignisse die psychologische Nothilfe vor enorme Aufgaben. Nach der Flutkatastrophe in Nepal, die über 1.000 Todesopfer forderte, richtete die Organisation Save the Children Schutzräume für Kinder mit Angstzuständen und Schlafproblemen ein.

Der Experte Wolfgang Petroll vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) warnte im Kontext dieser Katastrophe zudem vor der psychischen Überforderung durch Echtzeitbilder. Solche medialen Eindrücke könnten zu besinnungslosen Reflexen führen und erforderten eine gesteigerte kritische Urteilsfähigkeit gegenüber digitalen Wirklichkeitsderivaten.

Ähnliche psychosoziale Langzeitfolgen zeigen sich bei Überlebenden der Ebola-Epidemie im Kongo. Laut Berichten vom September 2026 leiden 25 Prozent der Genesenen unter PTSD. Zudem ergaben Untersuchungen, dass 50 Prozent der Überlebenden Stigmatisierung erfuhren und 40 Prozent Trennungen verkraften mussten.

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Prävention und gesellschaftliche Aufarbeitung

Ein weiterer Aspekt der psychologischen Arbeit ist die Sensibilisierung für digitale Gewalt. Das Jüdische Krankenhaus Berlin veranstaltete dazu am 02.09.2026 einen Aktionstag für medizinisches Personal. Hintergrund sind Zahlen des Bundeskriminalamtes (BKA) aus dem Jahr 2024, wonach knapp 30.000 Opfer digitaler Gewalt erfasst wurden. Über die Hälfte der Betroffenen sind Frauen; jeder sechste Fall ereignete sich innerhalb von (Ex-)Beziehungen.

Parallel dazu treibt die Stiftung Deutsche Depressionshilfe die Aufklärung über schwere Depressionen voran. Psychiater Ulrich Hegerl beschrieb zum Start einer neuen Kampagne das Gefühl der Gefühllosigkeit, bei dem Betroffene eine innere Versteinerung erleben.

Die wissenschaftliche und literarische Auseinandersetzung mit Traumata ergänzt das klinische Bild. Ineke Pruin von der Universität Bern diskutierte im Kontext von Gewaltvorfällen das Kriminalitätsfurcht-Paradox, bei dem die subjektive Angst unabhängig von der objektiven Sicherheitslage besteht.

Historische und theologische Analysen, wie die von Ines Geipel zur DDR-Vergangenheit von Buchenwald oder die psychopathologische Interpretation biblischer Figuren durch Simone und Claudia Paganini, tragen zur vertieften Einordnung menschlicher Krisenerfahrungen bei.

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