Psoriasis: Über 100 Millionen Betroffene weltweit – warum die Haut nicht alles ist
Veröffentlicht am: 29.10.2026 um 21:00 Uhr | Redaktion boerse-global.deDer Welt-Psoriasis-Tag 2026 rückt unter dem Leitmotiv des globalen Dachverbands IFPA, über die Haut hinauszublicken, den systemischen Charakter der Schuppenflechte in den Fokus.
Die Erkrankung gilt medizinisch längst nicht mehr als reines Hautproblem, sondern als immunvermittelte, chronisch-entzündliche Systemerkrankung. Sie ist nicht ansteckend, betrifft den gesamten Organismus und erfordert ein langfristiges Krankheitsmanagement, das auch durch Lebensstilfaktoren wie eine ausgewogene Ernährung unterstützt werden kann.
Hohe weltweite Fallzahlen und erhebliche Begleiterkrankungen
Nach Angaben der IFPA leben weltweit über 100 Millionen Menschen mit Psoriasis oder einer Psoriasis-Arthritis. Rund ein Drittel der Betroffenen entwickelt bereits vor dem 20. Lebensjahr erste Symptome.
Berichte aus Brasilien verweisen auf Schätzungen der Sociedade Brasileira de Dermatologia, nach denen rund drei Prozent der Weltbevölkerung und damit über 200 Millionen Menschen betroffen sind, darunter etwa fünf Millionen in Brasilien. In Deutschland leben nach Angaben der Klinik Weissenburg rund zwei Millionen Betroffene.
Aus medizinischer Sicht birgt die chronische Entzündung weitreichende Risiken. Die IFPA weist auf ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Typ-2-Diabetes, Adipositas und Depressionen hin. Eine im Fachjournal The Lancet veröffentlichte Untersuchung identifiziert eine schwere Psoriasis zudem als unabhängigen Risikofaktor für Myokardinfarkte.
Bei 20 bis 30 Prozent der Betroffenen entwickelt sich laut der Patientenorganisation Acción Psoriasis sowie der Klinik Weissenburg eine Psoriasis-Arthritis, die typischerweise zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr einsetzt.
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Typische Warnsignale sind geschwollene Gelenke, Morgensteifigkeit, Befall der Finger- und Zehenglieder sowie Nagelveränderungen. Zudem treten laut spanischen Fachangaben bei rund 30 Prozent der Betroffenen Übergewicht und bei vier bis acht Prozent entzündliche Darmerkrankungen auf.
Stigmatisierung und psychische Belastung junger Menschen
Neben den physischen Komorbiditäten stehen die psychosozialen Auswirkungen im Zentrum der Aufklärung. Laut IFPA-Geschäftsführerin Frida Dunger verzichtet jeder dritte Betroffene aus Furcht vor gesellschaftlichen Vorurteilen auf Bildungs- oder Arbeitsmöglichkeiten.
Die Kampagne der Vereinigung basiert unter anderem auf Befragungen junger Betroffener im Alter von 18 bis 37 Jahren und setzt sich gegen Diskriminierung im Alltag zur Wehr. Häufig führen sichtbare Hautläsionen zu anhaltender Ausgrenzung, obwohl eine Übertragung der Erkrankung auf andere Personen vollkommen ausgeschlossen ist.
Neue Therapieziele und interdisziplinäre Versorgungsansätze
Der internationale Expertenkonsens von 2025 definiert Psoriasis explizit als Systemerkrankung und fordert strukturierte Screenings auf Begleiterkrankungen. Das Behandlungsziel hat sich in den vergangenen Jahren von der reinen Linderung der Symptome hin zu einer weitgehenden oder vollständigen Erscheinungsfreiheit der Haut verschoben.
Da die Krankheit weiterhin unheilbar bleibt, ist eine kontinuierliche Therapie notwendig. Fachleute der Peking-Universität und des Pekinger Union Medical College warnten in diesem Kontext davor, verordnete Medikamente nach Abheilung der Haut eigenmächtig abzusetzen, da dies Rückfallzyklen begünstigt.
Für die Behandlung stehen neben topischen Cremes und Phototherapie vor allem moderne Biologika zur Verfügung. Diese zielgerichteten Medikamente können schwere Entzündungsschübe abfangen und irreversible Gelenkschäden verhindern.
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Daten aus Italien verdeutlichen jedoch Hürden beim Versorgungszugang: Biologika verursachen Therapiekosten von etwa 11.000 bis 12.000 Euro pro Patient und Jahr und dürfen dort ausschließlich über autorisierte Klinikzentren verordnet werden. Zudem vergehen in Italien im Schnitt 15 Jahre bis zum Beginn innovativer Therapien.
Um das Auftreten von Gelenkentzündungen künftig früher zu erkennen, läuft unter Leitung der Universität Oxford die mit 22,4 Millionen Euro geförderte europäische Beobachtungsstudie HIPPOCRATES, an der bis zu 25.000 Psoriasis-Patienten digital teilnehmen können.
Flankierend zur Medikation empfehlen Fachmediziner strukturierte Lebensstilmaßnahmen, darunter Tabak- und Alkoholverzicht, Sonnenschutz und gelenkschonende Bewegung.
