Psilocybin-Studie, Zürich

Psilocybin-Studie: Zürich zeigt realistischere Wirkung als Labortests

09.06.2026 - 19:41:41 | boerse-global.de

Zürcher Studie zeigt Wirksamkeit von Psilocybin bei Depressionen, dämpft aber übertriebene Erwartungen an das Psychedelikum.

Psilocybin-Studie: Realistischere Ergebnisse aus dem Klinikalltag
Psilocybin-Studie - Eine einzelne Psilocybin-Pilz-Kappe im Vordergrund, unscharf, vor dem Hintergrund einer verschwommenen Therapieszene. 09.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Eine neue Studie aus Zürich zeigt: Psilocybin wirkt – aber nicht so spektakulär wie in kontrollierten Laborstudien.

Klinik-Alltag liefert realistischere Ergebnisse als Laborstudien

Die Psychiatrische Universitätsklinik Zürich (PUK) veröffentlichte im Juni 2026 in Lancet Regional Health Europe die bisher umfangreichste Untersuchung zu Psilocybin unter realen Klinikbedingungen. Die Forscher begleiteten 19 Patienten mit therapieresistenter Depression – Menschen, die im Schnitt bereits fünf erfolglose Behandlungsversuche mit Antidepressiva hinter sich hatten.

Die Daten, erhoben zwischen 2023 und 2025, zeigen eine deutliche Reduktion der depressiven Symptome. Die erste von bis zu vier individuell dosierten Sitzungen entfaltete dabei den stärksten Effekt. Bei weiteren Sitzungen blieb die Wirkung stabil – aber nicht besser. Schwerwiegende Nebenwirkungen traten nicht auf.

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Studienautor Jungwirth dämpft jedoch übertriebene Erwartungen: Psilocybin sei kein Wundermittel. Die Annahme, dass häufigere Sitzungen automatisch bessere Ergebnisse liefern, bestätigte sich nicht.

Milliardenmarkt in Sicht – FDA-Entscheidung noch 2026 erwartet

International gewinnt der Einsatz von Psilocybin an Fahrt. In der Schweiz, Kanada und Australien ist die Anwendung unter Auflagen bereits möglich. Für die USA wird eine Zulassung durch die FDA noch 2026 erwartet.

Die US-Behörden treiben die Forschung zu Psychedelika wie Psilocybin und LSD massiv voran – auch als Antwort auf die Opioidkrise. Der Hintergrund: Herkömmliche SSRI-Antidepressiva versagen bei rund 30 Prozent der Patienten.

Branchenanalysten sehen ein Marktpotenzial von 10 bis 15 Milliarden Dollar bis 2035. Zu den wichtigsten Playern zählen Compass Pathways, MindMed und das Usona Institute.

Grundlagenforschung liefert neue Erkenntnisse zur Wirkweise

Während die klinische Anwendung voranschreitet, vertieft die Grundlagenforschung das Verständnis der Wirkmechanismen. Eine Studie der Universität Stockholm, erschienen im Journal Molecular Psychiatry, untersuchte die Reaktion von Serotonin-produzierenden Gehirnzellen auf Fluoxetin.

Das Ergebnis: Verschiedene Zellgruppen reagieren gegensätzlich auf die Medikation. Kurzfristig steigen bestimmte Neuropeptide – was Nebenwirkungen erklärt. Langfristig nehmen andere Botenstoffe zu – was den zeitverzögerten Wirkungseintritt klassischer Antidepressiva erklären könnte.

Ältere Patienten rücken in den Fokus der Forschung

Bisher waren ältere Menschen in Psychedelika-Studien stark unterrepräsentiert – ihr Anteil lag bei gerade 1,4 Prozent. Die UC Berkeley ändert das mit der PLASTICITY-Studie. Sie untersucht, ob Psilocybin kognitive Funktionen und Hirnstruktur bei gesunden Erwachsenen zwischen 60 und 85 Jahren positiv beeinflussen kann.

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Alternative Ansätze: Charité setzt auf Hormon-Therapie

Einen anderen Weg geht die Charité Berlin. Mit 2,3 Millionen Euro Förderung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) untersuchen die Forscher das Hormon DHEA als Zusatztherapie bei behandlungsresistenten Depressionen.

In einer doppelblinden Studie über sechs Wochen soll sich zeigen, ob die Kombination depressive Symptome und Stoffwechselparameter effektiver lindert als die Standardmedikation.

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