Psilocybin-Forschung, Anderson

Psilocybin-Forschung: MD Anderson startet NeuroGuard-Studie am Menschen

Veröffentlicht am: 07.09.2026 um 13:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Neue Studien untersuchen Psilocybin bei positiven Erfahrungen und als möglichen Schutz vor Chemotherapie-Nervenschäden; klinische Tests sind geplant.

Psilocybin: Studien zeigen geordnete Hirnmuster und Nervenschutz
Abstrakte Darstellung von leuchtenden, miteinander vernetzten Lichtfasern, die an neuronale Strukturen erinnern. Illustration mit AI erstellt.

Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen liefern neue Erkenntnisse über die Wirkweise und das therapeutische Potenzial von Psilocybin. Während frühere Annahmen oft von einer rein chaotischen Auflösung bestehender Hirnstrukturen ausgingen, legen neuere Daten nahe, dass die Substanz unter bestimmten Bedingungen geordnete Muster der Vernetzung fördert. Parallel dazu rückt die neuroprotektive Komponente des Wirkstoffs in den Fokus der klinischen Forschung, insbesondere im Kontext von Krebstherapien.

Geordnete Gehirnmuster bei positiven Erfahrungen

Eine im September 2026 veröffentlichte Studie der Monash University untersuchte die Auswirkungen von Psilocybin auf die neuronale Organisation bei 62 gesunden Erwachsenen. Den Probanden wurde eine Dosis von 19 mg verabreicht, um die Veränderungen der Gehirnaktivität zu analysieren.

Die Forscher beobachteten dabei, dass Psilocybin bei positiven Erfahrungen nicht lediglich einen Zustand des neurologischen Chaos hervorruft. Stattdessen bilde das Gehirn geordnete Muster einer verstärkten Eingebundenheit in die Umwelt aus.

Die Autoren der Studie wiesen jedoch auf methodische Einschränkungen hin. So fehlte in diesem Versuchsaufbau eine Placebo-Kontrolle. Zudem bezogen sich die Untersuchungen ausschließlich auf gesunde Teilnehmer, weshalb die Ergebnisse nicht unmittelbar auf Patienten mit klinischen Diagnosen übertragen werden können.

Prävention von Nervenschäden bei Chemotherapien

Ein weiterer Forschungszweig am MD Anderson Cancer Center befasst sich mit der Anwendung von Psilocybin zur Vermeidung von Nebenwirkungen bei Krebspatienten. In einer im Fachmagazin Science dokumentierten Untersuchung wurde analysiert, wie die Substanz periphere Neuropathie (CIPN) verhindern kann, eine häufige Folge von Chemotherapien.

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In Versuchen mit Mäusen konnte belegt werden, dass die Gabe von zwei Dosen Psilocybin vor Beginn der Chemotherapie die Entstehung von Nervenschäden unterband. Dieser Schutz blieb auch nach wiederholten Behandlungszyklen bestehen.

Die Forscher stellten fest, dass die sensorischen Nervenenden geschützt wurden, wodurch der Tastsinn und das Berührungsempfinden der Tiere erhalten blieben. Ebenso verhinderte die Behandlung eine Überempfindlichkeit gegen Kälte.

Besonders bedeutsam für die Onkologie ist die Beobachtung, dass Psilocybin die Antitumor-Wirkung der Chemotherapie nicht beeinträchtigte. Die Schutzwirkung hielt bei den untersuchten Modellen über einen Zeitraum von acht Monaten und nach insgesamt sechs Chemotherapie-Zyklen an.

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Mechanismen und zukünftige klinische Erprobung

Die Untersuchungen am MD Anderson identifizierten den 5-HT2A-Rezeptor als zentralen Faktor für die neuroprotektive Rolle. Den Analysen zufolge bleibt der lebensnotwendige Transport innerhalb der Mitochondrien durch die Einwirkung der Serotonin-Rezeptoren erhalten. Interessanterweise erwies sich in den Versuchen auch ein nicht-halluzinogener Wirkstoff als ähnlich effektiv beim Schutz der Nervenstrukturen.

Die wissenschaftliche Leitung der MD-Anderson-Studien, bestehend aus Moran Amit und Patrick Dougherty, plant nun den Übergang in die klinische Phase. Eine Phase-2-Studie unter dem Namen NeuroGuard (NCT07227909) ist in Vorbereitung. Erste Untersuchungen am Menschen sollen noch im Laufe des Jahres beginnen. Der Zeitplan für diese klinische Forschung ist langfristig angelegt und soll bis zum Jahr 2031 reichen.

Trotz der vielversprechenden Ergebnisse im präklinischen Bereich mahnen die beteiligten Forscher zur Vorsicht. Da sich die Erkenntnisse zu einem erheblichen Teil auf Tiermodelle stützen, warnen Experten ausdrücklich vor Selbstexperimenten mit der Substanz. Die genaue Übertragbarkeit der neuroprotektiven Effekte auf den menschlichen Organismus muss in den kommenden Jahren erst noch final bestätigt werden.

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