PSA-Screening: Cochrane belegt erstmals Senkung der Sterblichkeit
20.06.2026 - 18:12:47 | boerse-global.de
Eine aktualisierte Cochrane-Übersichtsarbeit bescheinigt dem PSA-Screening erstmals eine moderate Senkung der krankheitsspezifischen Mortalität. Die Analyse von fast 800.000 Männern zeigt: Pro 500 Untersuchte lässt sich ein Todesfall verhindern.
Gleichzeitig steigt die Zahl der Diagnosen durch das Screening um rund 30 Prozent. Das verdeutlicht die Problematik der Überdiagnose. Die partizipative Entscheidungsfindung – der Patient entscheidet nach umfassender Aufklärung gemeinsam mit dem Arzt – gilt weiterhin als Goldstandard.
In Österreich ist statistisch jeder achte Mann im Laufe seines Lebens von Prostatakrebs betroffen. Die Krankheit verläuft im Frühstadium oft symptomlos. Naghme Kamaleyan-Schmied von der Wiener Ärztekammer plädierte im Juni 2026 für die Einführung nationaler Screening-Programme, um Spätdiagnosen zu reduzieren.
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Präzisionsmedizin halbiert Biopsien
Auf der Jahrestagung des Europäischen Urologenverbandes in London standen im Frühjahr 2026 technologische Fortschritte im Fokus. Die PRIMARY-2-Studie zeigte: Der Einsatz von PSMA-PET/CT-Untersuchungen kann die Anzahl notwendiger Biopsien halbieren.
Molekulare Verfahren gewinnen zusätzlich an Bedeutung. Prof. Heck vom Universitätsklinikum Augsburg erläuterte Mitte Juni die Möglichkeiten personalisierter Therapien. PARP-Inhibitoren bei Patienten mit spezifischen genetischen Mutationen wie BRCA oder PTEN gelten als Durchbruch.
Ein Onkologiezentrum in der vietnamesischen Provinz Phu Tho belegt den Erfolg: Bei Patienten mit metastasiertem Prostatakrebs gingen die Metastasen innerhalb kurzer Zeit um rund 70 Prozent zurück.
Langzeitfolgen: Strahlentherapie riskanter als OP
Bei der Wahl zwischen verschiedenen Behandlungen rücken Langzeitfolgen stärker in den Fokus. Eine Analyse eines schwedischen Patientenregisters, vorgestellt auf der AUA-Jahrestagung in Washington, verglich Spätkomplikationen von Radiotherapie und Operation.
Das Ergebnis: Jeder fünfte Patient entwickelt nach einer kurativen Behandlung langfristig Komplikationen, die eine Krankenhausbehandlung erfordern. Nach einer Strahlentherapie traten solche Folgen häufiger auf als nach einem operativen Eingriff.
Biologische Alterungsprozesse spielen ebenfalls eine Rolle. Aktuelle Studien zeigen: Mit zunehmendem Alter verlieren Männer das Y-Chromosom in ihren Zellen – betroffen sind etwa 40 Prozent der 70-Jährigen. Dieser Verlust steht im Zusammenhang mit einem erhöhten Risiko für Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
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BPA-Verbot: EU reguliert hormonell wirksamen Stoff
Neben klinischen Maßnahmen gewinnt die Primärprävention an Bedeutung. Im Juli 2026 tritt ein EU-weites Verbot von Bisphenol A (BPA) in Lebensmittelverpackungen in Kraft. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hatte bereits 2023 den tolerierbaren Grenzwert massiv gesenkt. BPA steht im Verdacht, das Immunsystem zu schädigen und hormonell bedingte Krebserkrankungen zu begünstigen.
International bleibt die Versorgungsqualität heterogen. Daten der WHO (GLOBOCAN 2022) zeigen am Beispiel Vietnams: Nur rund 20 Prozent der Prostatakrebs-Patienten werden dort im Frühstadium diagnostiziert. Das unterstreicht die globale Notwendigkeit für besseren Zugang zu Diagnoseverfahren und mehr Sensibilisierung für Risikofaktoren wie familiäre Vorbelastung.
