Protonentherapie, Marie-Plattform

Protonentherapie: Marie-Plattform ermöglicht Bestrahlung in aufrechter Position

12.06.2026 - 13:31:41 | boerse-global.de

Von getarnten Nanopartikeln bis zur aufrechten Bestrahlung: Die Krebsforschung meldet mehrere vielversprechende Innovationen im ersten Halbjahr 2026.

Krebsforschung 2026: Neue Durchbrüche bei Diagnose und Therapie
Protonentherapie - Nahaufnahme von leuchtenden Nanopartikeln, die mit Zellstrukturen auf einem digitalen Bildschirm interagieren, im Hintergrund verschwommenes Labor. 12.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Ein Überblick über die vielversprechendsten Innovationen des ersten Halbjahres 2026.

Nanopartikel tarnen sich als weiße Blutkörperchen

Forscher des Technion – Israel Institute of Technology haben eine raffinierte Täuschungsattacke entwickelt. Ihre MPsome genannten Nanopartikel geben sich als weiße Blutkörperchen aus. Die Tarnung ist so gut, dass die Partikel mit echten Tumorzellen um Bindungsstellen konkurrieren.

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Das Ergebnis: In präklinischen Versuchen an Mäusen schrumpften Tumore bei triple-negativem Brustkrebs. Die Studie erschien am 11. Juni im Fachmagazin ACS Nano. Professor Assaf Zinger und sein Team nutzen Materialien, die von der US-Gesundheitsbehörde FDA bereits als sicher eingestuft sind.

Bis zu 1,2 Liter der Partikellösung lassen sich pro Stunde produzieren. Erste klinische Studien am Menschen? Die Forscher rechnen in etwa acht Jahren damit. Den Kontakt zur FDA für die klinische Planung peilen sie innerhalb der nächsten zwei Jahre an.

Bestrahlung ohne Schnitte und Narkose

Das interdisziplinäre Radiochirurgische Zentrum in Essen setzt auf das ZAP-X-System. Die Behandlung von Hirntumoren und Metastasen im Frühstadium erfolgt ambulant – in einer einzigen Sitzung, ohne postoperative Erholungsphase.

In Bad Berka ging im Juni ein Medizinisches Versorgungszentrum mit dem RapidArc-Dynamic-System an den Start. Die Technologie passt das Strahlenfeld dynamisch an. Das schont gesundes Gewebe und verkürzt die Behandlungszeit auf wenige Minuten.

Protonentherapie: Aufrecht statt liegend

Einen echten Paradigmenwechsel meldet das Stanford Medicine Cancer Center. Dort kam erstmals die Marie-Plattform zum Einsatz. Patienten werden in aufrechter Position bestrahlt – um einen festen Strahl rotierend.

Die Platzersparnis ist enorm: Während herkömmliche Anlagen rund 29.000 Quadratfuß benötigen, kommt das neue System mit etwa 1.700 Quadratfuß aus. Die Technik lässt sich in bestehende Klinikräume integrieren. Das könnte die Verfügbarkeit der Protonentherapie langfristig erhöhen.

Bewegung als Therapie – mit Leitlinie

Körperliche Aktivität ist kein nettes Extra mehr, sondern offiziell empfohlen. Die im Juni veröffentlichte S3-Leitlinie zur Komplementärmedizin gibt klare Handlungsempfehlungen. Unter der Leitung von Professor Jutta Hübner von der Universität Jena erhielten Yoga und Qigong eine explizite Empfehlung zur Unterstützung der Krebstherapie.

Die Medizinische Universität Graz geht noch einen Schritt weiter. Eine im Juni vorgestellte Studie untersucht, wie Training auf dem Fahrradergometer die Ausschüttung von Zytokinen beeinflusst. Ziel: eine zwölfwöchige Trainingstherapie als fester Bestandteil des onkologischen Behandlungspfades.

Molekularer Radierer gegen Krebsproteine

Das Max-Planck-Institut für molekulare Physiologie stellte im Mai einen molekularen Radierer vor. RIBOTAC zerstört die mRNA von Krebsproteinen – bevor diese überhaupt entstehen. Erste Ergebnisse zeigen: Schon die Entfernung von weniger als einem Prozent der Ziel-RNA löst umfassende zelluläre Veränderungen aus.

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Spürhunde und Abnehmspritzen

Unkonventionelle Methoden halten Einzug in die Früherkennung. Das israelische Startup SpotitEarly setzt auf die Geruchssinne von Beagles. Die Hunde identifizieren Krebs in Atemproben. Eine Studie aus dem Jahr 2025 bescheinigte dem Verfahren eine Genauigkeit von 94 Prozent bei verschiedenen Krebsarten. Für Brustkrebs ist die Markteinführung für die zweite Jahreshälfte 2027 geplant.

Und dann wäre da noch ein überraschender Nebeneffekt: Auf dem ASCO-Kongress im Juni präsentierte Daten von über 12.000 Patienten deuten darauf hin, dass GLP-1-Medikamente mit einem verringerten Risiko für Metastasen bei bestimmten Krebsarten korrelieren könnten. Die Forscher betonen jedoch: Das sind noch keine Belege für Kausalität. Weitere Untersuchungen sind nötig.

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