Proteinwende, Tieren

Proteinwende: 60% aus Tieren, EU-Bericht zeigt Umstieg-Chancen

25.06.2026 - 02:30:35 | boerse-global.de

Dortmund treibt mit regionaler Erzeugung und Kita-Verpflegung die Klimaneutralität bis 2035 voran. EU-Bericht zeigt Proteinwende-Potenzial.

Dortmunds Weg zur Klimaneutralität: Ernährungspolitik als Vorbild
Proteinwende - Ein Tisch voller frischer, regionaler Früchte und Gemüse mit einem unscharfen Hintergrund eines städtischen Gartens. 25.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Seit 2023 treibt die Koordinierungsstelle Klimaschutz Maßnahmen voran, um bis 2035 Klimaneutralität zu erreichen. Das Handlungsprogramm Klima-Luft 2030 setzt dabei auf regionale Erzeugung und klimafreundliche Verpflegung.

Kitas und Schulen als Hebel

Gemeinsam mit Initiativen wie dem Ernährungsrat und den Projekten FoodConnectRuhr sowie Turn the Tables forciert Dortmund die Umstellung der Gemeinschaftsverpflegung. Das Projekt „Dortmund tischt auf“ berät Produktionsküchen in Kitas und Schulen. Eine Bestandsaufnahme des Beratungsunternehmens a'verdis aus dem Jahr 2025 dient als Grundlage für Qualitätsverbesserungen – und verknüpft Bildung direkt mit nachhaltiger Landwirtschaft.

Selbstversorgung: Von 95 auf 84 Prozent

Die Versorgungssicherheit in Deutschland bröckelt. Lag die Selbstversorgungsrate mit Lebensmitteln im Jahr 2000 noch bei 95 Prozent, sind es heute nur noch 84 Prozent. Besonders krass ist die Abhängigkeit bei Obst und Gemüse: Bei Gemüse liegt die Rate bei 37 Prozent, bei Obst unter 50 Prozent. Erdbeeren schaffen rund 40 Prozent, Äpfel 50 Prozent.

Das Thünen-Institut warnt: Selbstversorgung ist nicht gleich Versorgungssicherheit. Die Hitzewelle 2018 zeigte, wie anfällig heimische Ernten sind. Prognosen bis 2035 deuten auf zunehmende Trockenheit hin – Weizen und Kartoffeln könnten knapp werden. Nötig wären Investitionen in Bewässerung und hitzeresistente Sorten.

Proteinwende: 60 Prozent aus tierischen Quellen

Ein Bericht der Europäischen Umweltagentur (EEA) vom 23. Juni 2026 macht deutlich: Erwachsene in der EU beziehen rund 60 Prozent ihres täglichen Proteins aus tierischen Quellen. Die Tierhaltung verursacht über 65 Prozent der Treibhausgasemissionen in der EU-Landwirtschaft. Zudem importiert die EU jährlich rund 30 Millionen Tonnen proteinreiches Futter – vor allem Soja.

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Die EEA prognostiziert dem Markt für pflanzliche Proteine ein deutliches Wachstum: Von 24 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025 auf 35 Milliarden US-Dollar bis 2030. Eine konsequente Umstellung der Ernährung könnte die Emissionen bis 2035 um rund 5 Prozent senken.

Mehlwurm in der Weißwurst

Auch die Forschung sucht nach neuen Wegen. Die Universität Bayreuth entwickelte unter Prof. Janin Henkel-Oberländer eine Hybrid-Weißwurst. Bis zu 20 Prozent des Fleischanteils werden durch Mehlwurmmehl ersetzt. Das verbessert den Nutri-Score und senkt den Fettgehalt.

Strengere Regeln gegen Lebensmittelverschwendung

Seit Oktober 2025 gilt die novellierte EU-Abfallrahmenrichtlinie. Bis Juni 2027 müssen die Mitgliedstaaten verbindliche Reduktionsziele für Lebensmittelabfälle in nationales Recht umsetzen. Bis 2030 soll der Abfall in der Verarbeitung um 10 Prozent sinken, im Handel und in Haushalten um 30 Prozent pro Kopf. Referenz sind die Durchschnittswerte von 2021 bis 2023.

Die Landwirtschaft fordert angesichts steigender Kosten für Energie und Düngemittel sowie anhaltender Trockenheit mehr Unterstützung. Beim Deutschen Bauerntag in Freiburg am 24. Juni 2026 plädierten Vertreter für eine stärkere staatliche Flankierung. Cem Özdemir forderte Mittel aus einem Sondervermögen für den Umbau der Tierhaltung. Bundesagrarminister Alois Rainer lehnte zusätzliche Preisaufschläge ab.

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Was der Zeitpunkt des Essens mit dem Stoffwechsel macht

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt täglich mindestens 30 Gramm Ballaststoffe – zur Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes Typ-2. Studien des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung und der Charité zeigen zudem: Der Zeitpunkt der Mahlzeiten beeinflusst den Stoffwechsel. Ein fettreiches Frühstück mit kohlenhydratreichem Abendessen kann die Insulinsensitivität verbessern. Fettreiches Essen am Abend hingegen begünstigt entzündungsfördernde Prozesse.

de | wissenschaft | 69620830 |