Proteinshakes für Jugendliche: Experten warnen vor Nieren- und Leberschäden
Veröffentlicht am: 16.10.2026 um 18:02 Uhr | Redaktion boerse-global.deDer Markt für Protein-Supplemente verzeichnet ein starkes Wachstum: Lag das globale Marktvolumen im Jahr 2021 noch bei 4,4 Mrd. US-Dollar, beläuft sich die Prognose für das Jahr 2030 auf 19,3 Mrd. US-Dollar. Mit dieser Entwicklung rücken Nahrungsergänzungsmittel zunehmend in den Alltag von Jugendlichen.
Die BBC berichtete in diesem Zusammenhang über den Fall des zwölfjährigen Ben, der wie Gleichaltrige im Freundeskreis Proteinpulver ausprobieren wollte, während seine Mutter den Konsum in diesem Alter als unnötig einstufte. Fachleute diskutieren diesen Trend kritisch, warnen vor gesundheitlichen Risiken einer Überdosierung und verweisen auf die Vorzüge einer natürlichen Ernährung.
Richtwerte für den tatsächlichen Proteinbedarf
Organisationen und Fachleute betonen, dass der tatsächliche Bedarf häufig geringer ausfällt als die über Shakes zugeführte Menge. Der britische Gesundheitsdienst NHS empfiehlt Erwachsenen eine Zufuhr von 0,75 g Protein pro kg Körpergewicht am Tag; bei intensiver sportlicher Betätigung seien bis zu 2 g/kg möglich.
Die British Heart Foundation nennt ebenfalls einen Richtwert von 0,75 g/kg täglich, was durchschnittlich 45 g für Frauen sowie 55 g für Männer entspricht, und empfiehlt ergänzend 30 g Ballaststoffe pro Tag.
Weitere Differenzierungen liefern Ernährungswissenschaftler: Marily Oppezzo von der Stanford University benennt ein Minimum von 1,2 g/kg und einen optimalen Wert von 1,6 g/kg, während Zufuhrwerte über 2,2 g/kg keinen zusätzlichen Vorteil böten. Brian St. Pierre vom Netzwerk Precision Nutrition rät zu 1,2 g/kg und bei intensivem Sport zu 1,6 bis 2,2 g/kg.
Die Diätassistentin Nichola Ludlam-Raine unterstreicht, dass Heranwachsende bei einer ausgewogenen Ernährungsweise ihren Bedarf problemlos über konventionelle Nahrungsmittel wie Fleisch, Fisch, Eier, Milchprodukte und Hülsenfrüchte decken können und keine Nahrungsergänzung benötigen. Bei Mädchen sei zudem besonders auf eine ausreichende Versorgung mit Eisen und Kalzium zu achten.
Wer sich mit dem Einfluss von Nährstoffen auf die Gesundheit befasst, sollte auch die Bedeutung der eigenen Blutwerte kennen. Dieser kostenlose Report erklärt verständlich, was wichtige Laborwerte wirklich aussagen und wie man Vitalstoffmängel frühzeitig erkennt. Kostenlosen 25-Seiten-Report jetzt sichern
Mögliche Folgeschäden für Nieren und Leber
Eine exzessive Proteinzufuhr birgt nach medizinischen Erkenntnissen handfeste Gefahren. Kinderarzt Ramnik Mathur vom Chelsea and Westminster NHS Trust hebt hervor, dass der Körper pro Mahlzeit etwa 20 bis 25 g Protein optimal verwerten könne.
Mehrmengen überforderten Nieren sowie Leber und böten keinerlei funktionellen Mehrwert. Mathur verweist zudem auf einen dokumentierten Fall, in dem ein Kind infolge übermäßigen Proteinkonsums an Nierenversagen starb.
Ebenso warnt Dr. He Yong vom Wuhan Fifth Hospital davor, dass der Abbau überschüssigen Eiweißes die Nieren belaste. Bei jungen Männern, die täglich drei bis vier Portionen Proteinpulver konsumierten, ließen sich erhöhte Urinprotein- oder Kreatininwerte feststellen.
He Yong rät gesunden Erwachsenen zu 0,8 bis 1,0 g/kg und Fitnessaktiven zu 1,2 bis 1,6 g/kg; bei bestehenden Nierenschäden müsse die Zufuhr strikt limitiert werden. Symptome wie schäumender Urin, Ödeme oder Müdigkeit gelten dabei als Warnsignale.
Bestätigt wird dies durch eine Auswertung der University of Surrey aus dem Jahr 2019: Die Analyse von 127 Studien zeigte, dass Proteingaben über den Richtwerten kaum Vorteile erbringen, die Nieren strapazieren, Nierensteine begünstigen und bei Vorerkrankungen schwerere Nierenleiden auslösen können.
Neben der Proteinaufnahme spielen oft auch andere Faktoren wie stille Entzündungen eine Rolle bei Müdigkeit und Abgeschlagenheit. Erfahren Sie in diesem Gratis-Ratgeber, wie Sie Entzündungsprozesse im Körper durch die richtige Ernährung natürlich lindern können. Gratis-Ratgeber mit 12 Entzündungs-Killern anfordern
Qualität der Präparate und vollwertige Ernährung
Experten weisen ferner darauf hin, dass Protein-Supplemente im Gegensatz zu Arzneimitteln keinen vergleichbar strengen regulatorischen Kontrollen unterliegen. Einige Fertigpulver enthalten beträchtliche Mengen Zucker, künstliche Zusatzstoffe oder nicht deklarierte Stimulanzien. Typische Begleiterscheinungen des Konsums sind Magen-Darm-Beschwerden wie Blähungen, Bauchkrämpfe oder Durchfall.
Nach Einschätzung von Experten können Präparate zwar für Leistungssportler oder Personen mit spezifischen Mangelzuständen sinnvoll sein, eine vollwertige Ernährung vermögen sie jedoch nicht zu ersetzen. Laut Mathur liefern naturbelassene Nahrungsmittel Mikronährstoffe wie Zink, Kalzium und Magnesium; das Ersetzen von Mahlzeiten durch Fertigshakes führe zu Nährstoffverlusten.
Eine Studie aus dem Jahr 2024 zeigte zudem, dass bereits drei Viertel der Befragten stark verarbeitete proteinreiche Produkte nutzten, obgleich ultra-verarbeitete Nahrungsmittel maximal 20 bis 30 Prozent der täglichen Kalorienzufuhr ausmachen sollten. Jugendliche und Eltern sollten daher vor der Verwendung entsprechender Produkte ärztlichen oder ernährungsfachlichen Rat einholen.
