Proteinpulver, Preise

Proteinpulver: Preise explodieren um 40–60% durch Abnehmspritzen-Boom

12.06.2026 - 20:50:50 | boerse-global.de

Die Nachfrage nach Proteinpulver treibt die Preise in die Höhe. Neue Studien und alternative Quellen prägen den Markt.

Protein-Boom: Preise für Eiweißpulver steigen rasant an
Proteinpulver - Eine Nahaufnahme von verschiedenen proteinreichen Lebensmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln, darunter Proteinpulver, Skyr und Tofu. 12.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Grund ist eine nie dagewesene Nachfrage: Rund 4,6 Millionen deutsche Haushalte kaufen inzwischen Eiweißpulver – ein Plus von 66 Prozent innerhalb eines Jahres.

Molkenprotein wird zum Luxusgut

Die Preisexplosion zeichnete sich laut Alexander Anton vom Europäischen Milchindustrieverband bereits seit Mitte 2023 ab. Molkenpulver verteuert sich seitdem kontinuierlich. Kerstin Keunecke von der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft bestätigt den drastischen Anstieg.

Anzeige

Wer Muskelmasse erhalten möchte, muss nicht zwangsläufig teure Supplemente kaufen. Ein renommierter Sportmediziner zeigt Ihnen, wie Sie mit gezielter Bewegung den Alterungsprozess stoppen und Ihren Körper kräftigen. Kostenlosen Krafttrainings-Ratgeber jetzt anfordern

Die Folgen sind im Supermarkt sichtbar. Ketten wie Rewe und dm meldeten zuletzt Lieferengpässe. Nicht nur Pulver sind betroffen – auch Skyr oder Tofu werden knapper. Die Industrie reagiert: DMK investiert 26 Millionen Euro in eine neue Anlage in Edewecht. Branchenvertreter sprechen von einer „Marktkorrektur in einem strukturell engen Umfeld“.

Abnehmspritzen treiben den Protein-Boom

Ein entscheidender Treiber kommt aus den USA. GLP-1-Präparate – sogenannte Abnehmspritzen – boomen. Patienten wird eine eiweißreiche Ernährung empfohlen, um den Abbau von Muskelmasse während der Gewichtsabnahme zu bremsen.

Eine Phase-II-Studie zum Wirkstoff Apitegromab untermauert diesen Ansatz. Bei 102 übergewichtigen Probanden reduzierte die Kombination aus Medikament und Eiweißdiät den Verlust an fettfreier Körpermasse. Auf einem Fachkongress in Chicago wurden zudem Daten vorgestellt, wonach GLP-1-Medikamente bei Krebspatienten das Metastasenrisiko um 38 bis 50 Prozent senken könnten.

Ist der Protein-Hype gesund?

Parallel zur Preisrallye diskutieren Mediziner die Sinnhaftigkeit extremer Eiweißdiäten. Auf dem europäischen Adipositas-Kongress in Istanbul präsentierte die norwegische Forscherin Dr. Line Kristin Johnson überraschende Ergebnisse: Ein schneller Gewichtsverlust (unter 1.000 Kalorien täglich) führt nicht zwangsläufig zum Jo-Jo-Effekt.

Anzeige

Ab 50 verliert der Körper jedes Jahr auf natürliche Weise Muskelmasse – ein Prozess, den Eiweiß allein oft nicht stoppen kann. Entdecken Sie 6 einfache Übungen für Zuhause, die Ihren Stoffwechsel aktivieren und die Muskulatur effektiv schützen. Gratis-PDF mit 6 Übungen herunterladen

Ihre Studie mit 284 Teilnehmern zeigte: Die Gruppe mit radikaler Diät verlor nach zwölf Monaten 14,4 Prozent des Ausgangsgewichts, die moderatere Gruppe nur 10,5 Prozent. Doch die Langzeitfolgen einer dauerhaften Protein-Überversorgung sind unklar. Experten diskutieren zunehmend die Belastung von Organen durch extreme Eiweißmengen.

Hoffnung auf alternative Proteinquellen

Kann die Industrie den Engpass mit neuen Verfahren entschärfen? Das finnische Unternehmen Solar Foods setzt auf Bakterienprotein. Das Produkt Solein entsteht aus CO2 und Wasserstoff – mit 80 Prozent Proteingehalt und allen essenziellen Aminosäuren.

In den USA und Singapur ist Solein bereits zugelassen. Für die EU steht die Entscheidung noch aus – der Antrag liegt seit Oktober 2021 vor. Fachleute rechnen im Laufe des Jahres 2026 mit einer Entscheidung. Eine Hürde: Der hohe Nukleinsäuregehalt des Bakterienproteins muss technisch abgereichert werden.

Eine kurzfristige Entlastung des Marktes oder sinkende Preise erwarten Experten nicht. Der Protein-Boom wird die Verbraucher noch länger beschäftigen.

de | wissenschaft | 69529842 |