Protein und Nieren: DGE empfiehlt 0,8 Gramm pro Kilo für Erwachsene
Veröffentlicht am: 19.10.2026 um 02:42 Uhr | Redaktion boerse-global.deMediziner warnen vor einer übermäßigen Proteinzufuhr, da diese die Nieren erheblich belasten kann. Während eine bedarfsgerechte Menge für den Erhalt von Muskelmasse und Anti-Aging-Proteinen eine wichtige Rolle spielt, birgt ein unkontrollierter Konsum vor allem bei bestimmten Risikogruppen gesundheitliche Gefahren.
Bei Personen mit normaler Nierenfunktion führt eine gesteigerte Proteineinnahme in der Regel zwar nicht zu Nierenschäden, doch bei einer bestehenden Nierenerkrankung, Diabetes, Bluthochdruck oder einer extrem hohen dauerhaften Aufnahme steigt die Organbelastung deutlich an.
Richtwerte für Alltag, Sport und höheres Alter
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) gibt für gesunde Erwachsene im Alter von 19 bis 64 Jahren einen Referenzwert von 0,8 g Protein pro Kilogramm Körpergewicht täglich an.
Ab 65 Jahren steigt dieser Wert laut DGE auf 1,0 g/kg. Bei gesunden Erwachsenen sei eine Nierenschädigung durch eine höhere Zufuhr nicht eindeutig belegt, bei chronischen Nierenleiden müsse die Menge jedoch medizinisch abgestimmt werden.
Nach Angaben des National Health Service (NHS) sollten gesunde Erwachsene täglich etwa 0,75 g Protein pro Kilogramm Körpergewicht aufnehmen. Bei starker sportlicher Belastung oder im Alter könne der Bedarf laut NHS auf bis zu 2 g/kg steigen.
Für gesunde Menschen mit einem normalen Lebensstil bewegen sich allgemeine Richtwerte zwischen 0,8 und 1 g Protein pro Kilogramm Körpergewicht am Tag.
Wer regelmäßig Gewichte stemmt oder intensiv trainiert, benötigt 1,2 bis 1,6 g/kg, in intensiven Phasen bis zu 2 g/kg. Die internationale Expertengruppe PROT-AGE rät Menschen über 65 Jahren zu 1 bis 1,2 g/kg täglich, wobei Aktive höhere Bedarfe aufweisen können.
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Longevity-Spezialistin Rhonda Patrick empfiehlt laut einem Bericht von Men's Health für Personen ab 60 Jahren 30 bis 40 g Protein pro Mahlzeit, verglichen mit 20 bis 30 g bei jüngeren Erwachsenen, um dieselbe Muskelproteinsynthese auszulösen. Krafttraining sei dabei zentral gegen eine altersbedingte anabole Resistenz.
Risiken von Nahrungsergänzungsmitteln und Warnsignale
Gesundheitswarnungen heben hervor, dass falsch eingenommenes oder überdosiertes Proteinpulver insbesondere bei jungen Menschen in Fitnessstudios Leber und Nieren schädigen kann. Proteinpulver sollte keine Mahlzeiten ersetzen, zudem benötigen die Nieren ausreichend Wasser, um Abbauprodukte auszuscheiden.
Die Ernährungswissenschaftlerin Nichola Ludlam-Raine weist darauf hin, dass Jugendliche ihren gesamten Proteinbedarf über reguläre Nahrungsmittel decken können. Mädchen sollten ihren Fokus eher auf Eisen und Kalzium legen.
Zudem sei der Markt für Proteinpulver nicht so streng reguliert wie jener für Arzneimittel. Zwar ließen einige Firmen ihre Produkte von Dritten testen, dies geschehe jedoch nicht ausnahmslos. Zu den typischen Nebenwirkungen von Proteinpulvern zählen Blähungen, Völlegefühl, Bauchkrämpfe und Durchfall.
Wie drastisch die Folgen einer Überdosierung sein können, zeigt ein Fallbericht des pädiatrischen Beraters Ramnik Mathur vom Chelsea and Westminster NHS Trust. Er berichtet von einem Kind, dessen Nieren nach einer übermäßigen Proteinzufuhr vollständig versagten und das in der Folge verstarb. Mathur empfiehlt, Proteine über den Tag zu verteilen, idealerweise auf etwa 20 bis 25 g pro Mahlzeit.
Symptome einer Nierenüberlastung oder eines beginnenden Versagens umfassen Schwellungen um die Augen und an den Knöcheln, häufiges nächtliches Wasserlassen, stark schäumenden Urin, eine verminderte Urinmenge sowie Schmerzen im Unterbauch und chronische Müdigkeit.
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Bei bestehenden Nierenerkrankungen wie einer chronischen Glomerulonephritis sollte die Salzaufnahme begrenzt werden. Lässt die Organfunktion nach und steigt das Serumkreatinin, wird eine proteinarme Ernährung empfohlen, um die Restfunktion der Nieren zu schonen.
Medizinische Voruntersuchungen und wissenschaftliche Befund
Vor einer geplanten deutlichen Steigerung der Proteinzufuhr raten Mediziner zu präventiven Untersuchungen. Dazu gehören die Bestimmung von Kreatinin und der geschätzten glomerulären Filtrationsrate (eGFR) zur Beurteilung der Nierenfunktion, Tests auf Urinprotein beziehungsweise Urinalbumin sowie Blutdruckmessungen. Personen mit Diabetesvorgeschichte sollten zudem Blutzucker und HbA1c kontrollieren lassen.
Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen ein differenziertes Bild: Tierstudien an Ratten und Mäusen belegen bei hoher Proteinzufuhr ein erhöhtes Nierengewicht, eine vergrößerte Mesangialfläche sowie saureren Urin; langfristig traten Proteinurie, Fibrose und geringere Überlebensraten auf.
Beobachtungsstudien am Menschen legen nahe, dass ein hoher Verzehr tierischer Proteinquellen bei gesunden Personen mit einem erhöhten Risiko für eine chronische Nierenerkrankung im Stadium 3 verbunden ist.
Pflanzliches Eiweiß zeigte hingegen neutralere oder günstigere Ergebnisse. Pflanzlich geprägte Ernährungsmuster wiesen im Vergleich zu stark verarbeitetem und rotem Fleisch Zusammenhänge mit einer besseren Nierenfunktion und geringeren Entzündungswerten auf.
Meta-Analysen zufolge korreliert eine höhere Proteinzufuhr bei Erwachsenen ohne chronische Nierenerkrankung zwar mit einer höheren Filtrationsrate, jedoch nicht mit Veränderungen der Nierenfunktion vor und nach einer Intervention.
Eine gepoolte Mehrkohortenanalyse ergab zudem, dass bei älteren Erwachsenen mit leichter bis mittelschwerer chronischer Nierenerkrankung eine höhere Proteinzufuhr aus pflanzlichen wie tierischen Quellen mit einer niedrigeren Gesamtsterblichkeit einherging.
