Protein-Markt: 39% Wachstum treibt Supermärkte zu Sortiments-Umbau
Veröffentlicht am: 20.07.2026 um 04:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Markt für proteinreiche Ernährung wächst rasant – angetrieben von neuen Diätkonzepten und einer Flut an Industrieprodukten. Ein aktuelles Beispiel ist das „Wolfs Protein Fasten“ (WPF), das vor allem auf Instagram und TikTok viral geht.
Das Prinzip hinter dem Protein-Fasten
Das von Christian Wolf (More Nutrition) entwickelte System kombiniert Intervallfasten mit gezielter Supplementierung. Kern des Konzepts: Die Nahrungsaufnahme ist auf ein Sechs-Stunden-Fenster begrenzt. Außerhalb dieses Zeitfensters sind zwei Proteinshakes erlaubt.
Ziel ist ein Kaloriendefizit. Durch die Konzentration der Mahlzeiten auf ein kurzes Fenster und die zusätzliche Eiweißzufuhr soll die Sättigung gefördert und der Muskelerhalt unterstützt werden. Die starke Verbreitung über soziale Netzwerke zeigt, wie sehr Influencer-Marketing heutige Ernährungstrends prägt.
Explosionsartiges Wachstum bei Proteinprodukten
Die Nachfrage nach High-Protein-Produkten lässt sich in Zahlen messen. Laut YouGov wuchs der Markt bis Mai 2026 um 39,1 Prozent. Mittlerweile kaufen rund 48 Prozent der deutschen Konsumenten gezielt Protein-Produkte.
Besonders deutlich wird der Trend in einzelnen Kategorien:
- Skyr: Der Absatz stieg zwischen Februar 2025 und Februar 2026 um 43 Prozent. RollAMA-Daten beziffern das Wachstum auf rund 12 Prozent.
- Flüssigmahlzeiten: Proteinreiche Drinks entwickelten sich zwischen 2022 und 2024 zum Massenprodukt – mit zweistelligen Umsatzsteigerungen.
- Pflanzliche Alternativen: Bei Eigenmarken wie Billa legten Tofu und Tempeh beim Absatz um 26 Prozent zu.
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In Deutschland führte der Run auf Tofu zeitweise zu Lieferengpässen. Gleichzeitig treiben Rohstoffverknappungen die Preise in die Höhe.
Der Handel reagiert mit neuen Sortimenten
Der Lebensmitteleinzelhandel stellt sich breit auf. Ketten wie Lidl und Kaufland haben ihre High-Protein-Sortimente massiv ausgebaut. Rewe verdoppelte den Skyr-Absatz, Spar verkaufte im vergangenen Jahr über fünf Millionen Packungen.
Auch die Fleischwarenindustrie zieht nach. Eine neue High-Protein-Leberwurst kommt auf 17 Gramm Eiweiß pro 100 Gramm – das herkömmliche Produkt liegt bei 14 Gramm. Die EU schreibt vor: Als proteinreich beworben werden darf ein Produkt erst, wenn mindestens 20 Prozent seines Energiewerts aus Proteinen stammen.
Was sagen die Ernährungsexperten?
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Der kommerzielle Erfolg ist unbestritten. Doch Fachleute warnen vor übermäßigem Proteinkonsum – der tatsächliche Bedarf werde oft überschritten. Kritiker bemängeln zudem, dass die Kennzeichnung „High-Protein“ häufig einen Gesundheitsvorteil suggeriere, der nicht immer gegeben sei. Und: Die Spezialprodukte sind meist deutlich teurer als Standardvarianten.
Neben WPF gewinnen auch andere Konzepte an Popularität – etwa die Glukose-Diät der Biochemikerin Jessie Inchauspé. Sie empfiehlt eine bestimmte Reihenfolge beim Essen, um Blutzuckerspitzen zu vermeiden. Ernährungswissenschaftler wie Uwe Knop sehen jedoch oft keine eindeutigen wissenschaftlichen Belege für solche Methoden und warnen vor dem Druck zur Selbstoptimierung.
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