Protein-Hype, Instantkaffee-Verkäufe

Protein-Hype: Instantkaffee-Verkäufe springen um 427 Prozent

Veröffentlicht: 10.07.2026 um 03:51 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Neue Studien widerlegen Jo-Jo-Effekt-Mythen, während Stiftung Warentest Qualitätsmängel bei Abnehm-Shakes aufdeckt.

Protein-Hype: Bedarf, Mythen und Marktentwicklung im Überblick
Protein-Hype - Nahaufnahme verschiedener proteinreicher Lebensmittel wie Eier, Magerquark, Hüttenkäse und Fleisch auf einem Holztisch. 10.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Ein Überblick über Bedarf, Mythen und Marktentwicklung.

Empfehlungen zum Proteinbedarf

Der tägliche Proteinbedarf für Erwachsene zwischen 19 und 65 Jahren liegt bei 0,8 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht. Das empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE). Für Menschen ab 65 Jahren steigt der Wert auf 1,0 Gramm. Sportler können bis zu 1,6 Gramm pro Kilo konsumieren. Mehr bringt laut Experten keine zusätzlichen Trainingseffekte.

Als beste natürliche Proteinquellen gelten Ei- und Milchprodukte. Magerquark und Hüttenkäse enthalten L-Leucin, das das Muskelwachstum unterstützt. Harzer Käse, Emmentaler und Parmesan liefern rund 30 Gramm Eiweiß pro 100 Gramm.

Markttrends: Vom Käse zum „Protein“-Produkt

Der Hype um Protein-Produkte zeigt sich in den Verkaufszahlen. Instantkaffee mit der Aufschrift „Protein“ verzeichnete ein Plus von 427 Prozent. Das belegt eine Untersuchung von Nielsen IQ. Ein bekanntes Beispiel: Harzer Käse wurde in „Quäse Protein“ umbenannt – bei unveränderter Rezeptur.

Ernährungswissenschaftlerin Silke Restemeyer von der DGE sieht den Trend kritisch. Viele High-Protein-Produkte seien überflüssig, da eine normale Kost den Bedarf decke. Zudem führen Trends wie bei Skyr-Joghurt zu regionalen Lieferengpässen.

Neue Erkenntnisse zum Jo-Jo-Effekt

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Fettzellen haben ein Gedächtnis. Forscher der ETH Zürich fanden heraus: Sie behalten eine epigenetische Erinnerung an Adipositas bis zu zwei Jahre nach Gewichtsverlust. Das erklärt, warum das Halten des neuen Gewichts so schwer fällt.

Eine norwegische Studie, vorgestellt im Mai 2026 auf dem Europäischen Kongress für Adipositas, widerlegt einen weit verbreiteten Mythos. Ein schneller Gewichtsverlust führt nicht zwangsläufig zum Jo-Jo-Effekt. Probanden mit einer sehr kalorienarmen Diät (unter 1000 kcal/Tag) verloren nach einem Jahr mehr Gewicht als eine Vergleichsgruppe mit moderatem Defizit. Prof. Faidon Magkos betont zudem: Moderate Gewichtsschwankungen sind gesundheitlich nicht schädlicher als dauerhaftes Übergewicht.

Qualitätsprobleme bei Abnehm-Shakes

Die Stiftung Warentest untersuchte im Januar 2026 Abnehmshakes. Das Ergebnis: Von 20 getesteten Produkten erhielten nur zwei die Note „Gut“ – darunter Shakes von Nestlé und Layenberger. Viele andere fielen durch Schadstoffbelastungen mit Chlorat, Aluminium oder Mineralölrückständen auf. Auch irreführende Verpackungsgrößen kritisierten die Tester.

Therapeutisches Potenzial von Proteinen

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Eine eiweißreiche Ernährung hilft nicht nur beim Abnehmen. Eine Studie der Universität Paris-Saclay, veröffentlicht im Fachmagazin JAMA, untersuchte die Wirkung bei Patienten mit laryngopharyngealem Reflux. Nach drei Monaten erzielte eine eiweißreiche, fett- und zuckerarme Diät eine Ansprechrate von 81 Prozent. Damit war sie effektiver als Antazida (74,1 Prozent) oder Protonenpumpenhemmer (56,3 Prozent).

Proteine regen zudem die körpereigene Ausschüttung des Hormons GLP-1 an. Das reguliert das Sättigungsgefühl und bildet die Grundlage für moderne medikamentöse Abnehmtherapien.

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