Protein bei Autoimmunerkrankungen: 1,0 bis 1,2 Gramm pro Kilo empfohlen
Veröffentlicht am: 26.10.2026 um 19:26 Uhr | Redaktion boerse-global.deKlinische Ernährungswissenschaftler weisen laut einem Bericht vom 26. Oktober 2026 darauf hin, dass Patienten mit Autoimmunerkrankungen wie Lupus erythematodes, rheumatoider Arthritis und Psoriasis durch das Meiden von rotem Fleisch, Eiern und Milch eine unzureichende Eiweißversorgung riskieren.
Ein derartiger Mangel kann zu Gewichtsverlust, Muskelschwäche in den Beinen sowie einem niedrigen Albuminspiegel führen, was letztlich Sarkopenie und Kraftverlust begünstigt. Fachleute betonen, dass hochwertige Proteinquellen wie Fisch, Huhn, Tofu, Sojamilch und Eier ohne eine nachgewiesene Allergie nicht vollständig vom Speiseplan gestrichen werden sollten.
Risiken strikter Restriktionen für Muskulatur und Stoffwechsel
Dass eine übermäßige Einschränkung der Nahrungsauswahl erhebliche physische und psychische Belastungen nach sich ziehen kann, verdeutlichte auch die Schauspielerin Samantha Ruth Prabhu. Sie berichtete in einem Interview davon, infolge einer Myositis zwei Jahre lang unter extremer Nahrungsrestriktion gelitten zu haben, da nahezu jedes Lebensmittel Beschwerden getriggert habe.
Ein unbeabsichtigter Gewichtsverlust sei durch Kaloriendefizite, Muskelabbau und Nährstoffmängel klinisch relevant; Mediziner überwachen in solchen Fällen die Proteinzufuhr, Mikronährstoffe, Flüssigkeitsversorgung sowie die fettfreie Masse.
Zudem können restriktive Ernährungsweisen Ängste vor Nahrungsmitteln, Hypervigilanz, Trauer und Probleme mit dem Körperbild auslösen. Therapeutisches Ziel sei die schrittweise Wiedereinführung von Nahrungsmitteln mit einem klaren Fokus auf die Ernährung statt auf Kontrolle.
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Empfohlene Richtwerte und hochwertige Proteinquellen
Die Ernährungswissenschaftlerin Li Wanping empfiehlt betroffenen Patienten, zunächst verarbeitete Lebensmittel, Süßigkeiten sowie zuckergesüßte Getränke zu reduzieren und zu unverarbeiteten Nahrungsmitteln zurückzukehren, statt vorrangig auf Fischöl oder Vitamine zu setzen.
Da Aminosäuren für die Bildung von Antikörpern, Enzymen und Neurotransmittern unverzichtbar sind, bleibe Protein essenziell. Vorzugsweise solle Fisch gewählt werden, bei Allergien Schweine- oder Hühnerfleisch, während weißer Reis zunächst als Hauptkohlenhydrat diene. Ergänzend rät sie zu saisonalem Obst und Gemüse im Rahmen der mediterranen Ernährung.
Dem Fachmedium hekimrebberi.com.tr zufolge liegt die optimale Proteinzufuhr bei inneren Erkrankungen ohne Nierenbeteiligung bei 1,0 bis 1,2 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht.
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Eine mediterrane Kost könne zudem das kardiovaskuläre Risiko um 30 bis 40 Prozent senken. Empfohlen werden täglich mindestens 25 bis 30 Gramm Ballaststoffe sowie mindestens 2 bis 2,5 Liter Wasser.
Auch beim Lambert-Eaton-Myasthenie-Syndrom (LEMS) bildet die mediterrane Ernährung die Basis. Die Neurologin Dr. Georgette Dib rät dazu, fettarmes Eiweiß wie Huhn, Fisch, Bohnen, Milchprodukte und Eier in jede Mahlzeit einzubauen, um Muskelmasse zu erhalten.
Da das Medikament Amifampridin stimulierend wirkt, sollte Koffein reduziert werden. Bei Appetitsteigerungen durch Kortikosteroide seien ballaststoff- und proteinreiche Nahrungsmittel zu bevorzugen, während magnesiumreiche Kost begrenzt und Nahrungsergänzungsmittel nur nach ärztlicher Rücksprache genutzt werden sollten.
Differenzierte Diätansätze statt pauschaler Verbote
Ernährungswissenschaftlerin He Hanyi erläutert, dass die Lebensphase ab 35 Jahren das Hauptrisikoalter für Autoimmunerkrankungen darstelle. Als zentrale Auslöser gelten langfristiger Stress, hormonelle Veränderungen und Ernährungsumstellungen.
Vor pauschalen Verboten warnen Experten jedoch: Laut Ernährungswissenschaftlerin Xie Yifang enthalten Nachtschattengewächse zwar Alkaloide, die individuelle Immunreaktionen auslösen können, diese seien jedoch keineswegs für alle Menschen unverträglich.
Eine Studie der Universität Oxford ergab zudem, dass eine rein vegane Ernährung mit einem höheren Risiko für Dickdarmkrebs einherging als eine Ernährung von Fleischessern oder Vegetariern, die Eier und Milch verzehren.
Auch bei Schilddrüsenerkrankungen sind vorschnelle Restriktionen nicht zielführend. Wie Prof. Dr. Muammer Karadeniz darlegt, bedeutet ein positiver Nachweis von Anti-TPO- oder Anti-Tg-Antikörpern allein noch keine Hypothyreose; bei normalen Schilddrüsenhormonwerten werde keine Therapie eingeleitet.
Eine Diät, die eine Hashimoto-Erkrankung vollständig beseitigen könne, gebe es nicht. Ohne das Vorliegen einer Zöliakie sei eine glutenfreie Ernährung nicht routinemäßig erforderlich, und Kohlsorten wie Brokkoli seien in normalen Mengen unbedenklich. Hohe Joddosen und Seetang sollten hingegen gemieden werden.
