Prostatavergrößerung: Dutasterid verkleinert die Drüse um bis zu 25 Prozent
Veröffentlicht am: 19.10.2026 um 10:48 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie gutartige Vergrößerung der Vorsteherdrüse, in der Medizin als benigne Prostatahyperplasie (BPH) bezeichnet, betrifft einen erheblichen Teil der älteren männlichen Bevölkerung. Berichten zufolge weisen über 50 Prozent der Männer in ihren 60ern und bis zu 90 Prozent der Männer in ihren 70ern und 80ern eine Prostatavergrößerung auf.
Eine klinische Vergrößerung liegt ab einem Volumen von über 30 Kubikzentimetern vor, sofern Beschwerden auftreten. Ein Volumen zwischen 30 und 50 Kubikzentimetern gilt als moderat, Werte über 50 Kubikzentimeter als ausgeprägt, während Organe mit über 80 bis 100 Kubikzentimetern als sogenannte Riesenprostata eingestuft werden.
Zur Bestimmung des Volumens gilt der transrektale Ultraschall (TRUS) als Standardverfahren. Medizinische Fachberichte diskutieren derzeit eingehend die Bandbreite an Behandlungsoptionen, die von der medikamentösen Therapie bis hin zu differenzierten operativen Eingriffen reicht.
Medikamentöse Therapieoptionen und Wirkmechanismen
Bei leichten Beschwerden und einem Wert auf dem International Prostate Symptom Score (IPSS) von unter 7 Punkten ist zunächst eine abwartende Beobachtung ohne aktive Medikation möglich. Nehmen die Symptome zu, stehen mehrere Wirkstoffklassen zur Verfügung.
Dazu zählen unter anderem Alpha-Blocker wie Terazosin, M-Rezeptor-Antagonisten, Phytotherapie sowie Antiandrogene der Progesteron-Klasse. Bei Letzteren wurde jedoch berichtet, dass es nach dem Absetzen zu einer erneuten Vergrößerung kommen kann und zudem Risiken wie eine erhöhte Blutviskosität sowie ein kardiovaskuläres Embolierisiko bestehen.
Einen zentralen Stellenwert in der konservativen Behandlung nehmen 5?-Reduktase-Hemmer ein, zu denen Finasterid und Dutasterid gehören. Sie verkleinern die Prostata über einen Zeitraum von 6 bis 12 Monaten um 20 bis 25 Prozent. Dutasterid hemmt beide Isoformen des Enzyms 5?-Reduktase und blockiert die Umwandlung von Testosteron in Dihydrotestosteron (DHT).
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Fachberichten zufolge reduziert der Wirkstoff signifikant das Risiko für eine akute Harnverhaltung und verringert so die Notwendigkeit operativer Prostataverkleinerungen. Zudem deuten Studien auf eine mögliche Reduktion des Prostatakrebsrisikos hin, da erniedrigte PSA-Werte die frühere Erkennung hochgradiger Tumoren begünstigen können.
Die Verabreichung von Dutasterid erfolgt in einer Dosierung von 0,5 mg einmal täglich als Kapsel mit dem Essen. Da vor Beginn eine ärztliche Konsultation zwingend erforderlich ist, sollte die Einnahme ausschließlich unter medizinischer Anleitung erfolgen.
Zu den häufigen Nebenwirkungen zählen Gynäkomastie mit Brustvergrößerung und Brustschmerz, erektile Dysfunktion, Ejakulationsstörungen, Libidoverlust sowie Hautausschlag. Besondere Vorsicht gilt bei vorliegenden Lebererkrankungen; zudem dürfen Frauen – insbesondere während einer Schwangerschaft – und Kinder den Wirkstoff nicht einnehmen.
Kriterien für eine operative Behandlung
Eine chirurgische Intervention wird notwendig, wenn konservative Ansätze nicht mehr ausreichen oder Komplikationen drohen. Als klare Operationsindikationen gelten eine deutliche urodynamische Obstruktion oder eine Restharnmenge von über 60 Millilitern.
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Weitere Kriterien sind eine instabile Harnblase, Obstruktionen der oberen Harnwege mit drohenden Nierenschäden, wiederkehrende Episoden von Harnverhaltung, therapieresistente Harnwegsinfektionen, Blut im Urin sowie Blasensteine.
Spektrum der operativen Verfahren
Für operative Eingriffe steht eine Reihe von Techniken zur Verfügung, deren Auswahl individuell erfolgt. Kriterien sind dabei das Prostatavolumen, bestehende Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die Einnahme von Blutverdünnern, der Patientenwunsch nach Erhalt der Ejakulationsfunktion sowie die Erfahrung des behandelnden Zentrums.
- Transurethrale Resektion der Prostata (TUR-P): Sie gilt als langjähriger Goldstandard und weltweit häufigste geschlossene Prostataoperation bei Gewichten von 30 bis 80 Gramm. Der Eingriff erfolgt über die Harnröhre ohne Bauchschnitt. Die bipolare TUR-P mittels Plasmakinetik senkt das Risiko von Blutungen und des sogenannten TUR-Syndroms. Ein Blasenkatheter verbleibt meist einige Tage. Zu den möglichen Folgen zählen Blut im Urin, Nachblutungen, Harnröhrenverengungen und häufig eine retrograde Ejakulation.
- Laserverfahren (z. B. HoLEP, ThuLEP): Diese eignen sich besonders bei erhöhtem Blutungsrisiko und großen Drüsen. Die Holmium-Laser-Enukleation (HoLEP) unterliegt keiner Größenbegrenzung und wird auch bei Drüsen von 100 bis 200 Gramm eingesetzt. Sie zeichnet sich durch kurze Katheterzeiten und geringe Rezidivraten aus. Wie die TUR-P ermöglicht sie eine histologische Untersuchung des Gewebes, was reine Vaporisationsverfahren meist nicht leisten.
- Robotergestützte Systeme: Die Aquablation nutzt einen hitzefreien Wasserstrahl und weist die höchste Rate beim Erhalt der Ejakulationsfunktion auf, was sie für jüngere, sexuell aktive Patienten bei Drüsen von 30 bis 80 Gramm relevant macht. Bei Drüsen über 80 bis 100 Gramm oder gleichzeitigen Blasensteinen kommt die roboterassistierte einfache Prostatektomie (RASP) zum Einsatz.
