Prostatakrebs, Blutproteine

Prostatakrebs: Zwölf Blutproteine deuten schon 15 Jahre vorher auf Risiko

Veröffentlicht am: 22.10.2026 um 19:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine Langzeitstudie verknüpft mehrere Blutproteine mit späteren und aggressiven Prostatakrebsverläufen; ein klinischer Nutzen ist noch offen.
Ein steriles medizinisches Labor mit einer Zentrifuge und unscharfen Glasröhrchen im Hintergrund. Illustration mit AI erstellt.

Bestimmte Eiweiße im Blut könnten künftig dabei helfen, das persönliche Risiko für Prostatakrebs bereits mehr als ein Jahrzehnt vor einer tatsächlichen Diagnose abzuschätzen. Das zeigt eine groß angelegte Untersuchung von Oxford Population Health, die in der Fachzeitschrift European Urology veröffentlicht wurde.

Die Wissenschaftler analysierten dafür Blutproben aus der europäischen EPIC-Kohorte von 982 Männern, die später an Prostatakrebs erkrankten, sowie von 1.573 zufällig ausgewählten Vergleichspersonen. Bei einer Nachbeobachtungszeit von rund 16 Jahren wurden über 6.000 verschiedene Proteine erfasst.

Langfristige Risikomarker und Aggressivität der Tumoren

Die Forscher identifizierten zwölf Proteine, die mit einer Prostatakrebs-Diagnose mehr als 15 Jahre nach der ursprünglichen Blutentnahme in Verbindung stehen. Dazu zählt unter anderem GZMK, ein mit Immunzellen assoziiertes Eiweiß. Sieben weitere Proteine standen in einem messbaren Zusammenhang mit aggressiven Krankheitsverläufen. Das Protein ANKRD1 erwies sich dabei als konsistent verknüpft mit metastasierten oder gar tödlichen Verläufen.

Zudem zeigten bekannte Gene wie ERBB3, KRAS und NRAS eine Verbindung zu aggressiven Tumorformen rund zehn Jahre vor der Feststellung der Erkrankung. Finanziell unterstützt wurde die Untersuchung teilweise durch die Organisation Cancer Research UK.

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Fachleute mahnen zur Zurückhaltung bei klinischer Nutzung

Trotz der detaillierten Laborergebnisse sind die identifizierten Marker bislang nicht für den routinemäßigen Einsatz in der Praxis geeignet. Die beobachteten Assoziationen seien überwiegend moderat, betonten die Studienautoren.

Auch externe Experten sehen vorerst keinen Anlass für direkte Anpassungen in der Patientenversorgung. Mieke Van Hemelrijck vom King's College London verwies darauf, dass eine bloße statistische Risikoassoziation noch keine präzise Vorhersage im Einzelfall darstelle.

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Da die relativen Risikounterschiede meist moderat ausfielen, blieben die tatsächliche Bedeutung für das absolute Risiko sowie ein möglicher Zusatznutzen gegenüber bestehenden Verfahren offen. Eine Änderung der klinischen Praxis oder der Screening-Leitlinien ergebe sich daraus vorerst nicht.

Prabhakar Rajan vom Barts Cancer Institute merkte zudem an, dass unter den mit dem künftigen Risiko verknüpften Proteinen auch KLK3 beziehungsweise das Prostata-spezifische Antigen (PSA) vertreten sei. Die Befunde zu KLK3 könnten teilweise schlicht den Umstand widerspiegeln, dass PSA-Messungen in der Praxis ohnehin Folgeuntersuchungen nach sich zögen.

Bei einzelnen Werten fehlten zudem Angaben zum Aggressivitätsgrad, und auch Zufallsbefunde seien nicht gänzlich auszuschließen. Ob neue Proteintests bestehende diagnostische Pfade aus PSA-Bestimmung und Magnetresonanztomografie tatsächlich übertreffen können, bleibt Gegenstand künftiger Überprüfungen.

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