Prostatakrebs, TULSA

Prostatakrebs: TULSA senkt Komplikations-Hospitalisierungen auf 0,7 Prozent

Veröffentlicht am: 15.10.2026 um 10:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
CAPTAIN-Daten zeigen Vorteile bei Funktionserhalt und Komplikationsraten; Langzeitdaten zur Tumorkontrolle stehen noch aus.
Ein leerer, moderner Untersuchungsraum in einer Klinik mit einer Untersuchungsliege und einer hellen Operationsleuchte. Illustration mit AI erstellt.

Die Behandlung von Prostatakrebs verlangt von Medizinern und Betroffenen oft eine schwierige Abwägung zwischen effektiver Tumorkontrolle und dem Erhalt der Lebensqualität. Zu den minimal-invasiven Verfahren gehört die transurethrale Ultraschallablation (TULSA), bei der Prostatagewebe unter Magnetresonanztomographie-Steuerung gezielt erhitzt wird.

Für das 15. Interventional MRI Symposium in Boston meldete das Medizintechnikunternehmen Profound Medical fünf wissenschaftliche Zusammenfassungen, die neue klinische und technische Erkenntnisse zum Einsatz des TULSA-PRO-Systems präsentieren, wie aus einem Bericht vom 14. Oktober 2026 hervorgeht.

Vergleichsdaten der CAPTAIN-Studie zur Lebensqualität

Ein Schwerpunkt der präsentierten Daten liegt auf den Ergebnissen der randomisierten CAPTAIN-Studie. Die Untersuchung vergleicht die Ganzdrüsen-TULSA-Behandlung direkt mit der operativen Roboter-Prostatektomie.

Nach sechs Monaten zeigte sich bei den mit TULSA behandelten Patienten ein deutlicher Vorteil hinsichtlich funktioneller Endpunkte: Der gleichzeitige Erhalt der Erektionsfunktion sowie einer vorlagenfreien Kontinenz trat bei ihnen mehr als doppelt so häufig auf wie in der Vergleichsgruppe (Risk Ratio 2,1; p=0,004).

Auch bei den schweren unerwünschten Ereignissen ergaben sich Unterschiede. Die Rate an Hospitalisierungen infolge von Komplikationen lag im TULSA-Arm bei 0,7%, während sie nach einer Roboter-Prostatektomie 6,3% erreichte. Gleichzeitig betont der Bericht, dass die langfristigen Ergebnisse der CAPTAIN-Studie bezüglich der onkologischen Krebskontrolle noch weiter reifen müssen.

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Langzeitbeobachtungen an Fachzentren und Registerdaten

Ergänzend zu der Vergleichsstudie liefern Erhebungen aus spezialisierten Zentren Einblicke in den klinischen Verlauf:

  • Mayo Clinic Florida: Eine Auswertung von 58 Patienten mit einer Nachbeobachtungszeit von bis zu 4,5 Jahren ergab, dass 100% der Männer vorlagenfrei und 94% vollständig leckfrei blieben. Eine für den Geschlechtsverkehr ausreichende Erektionsfähigkeit wiesen 87,5% nach mehr als 12 Monaten auf. Der mediane PSA-Tiefstwert (Nadir) lag bei 0,9 ng/mL. Eine Zweitbehandlung war bei 12% der Patienten erforderlich.
  • Mayo Clinic Rochester: In einer prospektiven Gruppe von 41 Patienten sank der mittlere PSA-Wert über ein Jahr hinweg von 7,7 auf rund 2,3 bis 2,6 ng/mL, was einem Rückgang von etwa 62 bis 66% entspricht. Bei 22% der Patienten trat ein durch Biopsie bestätigtes Rezidiv auf, davon 12% innerhalb des zuvor behandelten Bereichs (in-field) und 10% außerhalb (out-of-field).
  • CARE-Register: Die Auswertung von 197 Patienten aus fünf Behandlungszentren bei einem medianen Follow-up von 24 Monaten zeigte differenzierte PSA-Nadire je nach Ablationsausmaß. Nach einer Ganzdrüsenbehandlung lag der Wert im Median bei 0,23 ng/mL, nach subtotaler Behandlung bei 0,60 ng/mL und nach fokaler Therapie bei 1,10 ng/mL. Die mediane Dauer der Katheterisierung betrug nach subtotalen oder fokalen Eingriffen 7 Tage, verglichen mit 13,5 Tagen nach einer Ganzdrüsenablation.
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Technische Weiterentwicklungen und offene Fragestellungen

Neben klinischen Parametern thematisieren die Arbeiten auch apparative Entwicklungen. So konnte die technische Machbarkeit der Prozedur auf einem Niederfeld-System, dem Siemens 0,55T Free.Max MRI, validiert werden. Für diese kombinierte Plattform liegen bislang jedoch weder eine Zulassung durch die US-Gesundheitsbehörde FDA noch eine klinische Validierung oder kommerzielle Verfügbarkeit vor.

Darüber hinaus meldete Profound Medical methodische Verbesserungen: Neue Protokolle für die dreidimensionale Thermometrie führten demnach zu einer um 40% verbesserten Präzision bei der Temperaturmessung während des Eingriffs.

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