Prostatakrebs, STAR-CAP

Prostatakrebs: STAR-CAP vergleicht MMAI-Risiken mit knapp 20.000 Verläufen

Veröffentlicht am: 28.09.2026 um 21:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Studien zu Prostata- und neuroendokrinen Tumoren zeigen mögliche Biomarker-Nutzen; weitere Validierung bleibt vor breitem klinischem Einsatz nötig.

ASTRO 2026: Biomarker und KI-Werkzeuge für individuellere Krebstherapien
Ein modernes, steriles Labor für onkologische Forschung mit klinischen Geräten und Glasgefäßen auf einer Arbeitsfläche. Illustration mit AI erstellt.

Beim Jahrestreffen der American Society for Radiation Oncology (ASTRO) 2026 in Boston, das vom 26. bis 30. September stattfand, präsentierten mehrere Forschungsgruppen und Unternehmen Daten zu Biomarkern und prognostischen Werkzeugen, die die Strahlentherapie bei verschiedenen Krebsarten individueller ausrichten sollen.

Im Mittelpunkt standen Auswertungen zur Konsistenz eines KI-gestützten Prognosewerkzeugs für Prostatakrebs sowie ergänzende Biomarker-Studien anderer Anbieter.

Artera stellt Konsistenzdaten zum MMAI-Biomarker vor

Das Unternehmen Artera präsentierte beim ASTRO-Treffen Daten zur Konsistenz seines multimodalen KI-Biomarkers MMAI über unterschiedliche Patientengruppen hinweg. In der australischen ASTuTE-Studie unterstützte der Biomarker Entscheidungen zur kurzfristigen Androgendeprivationstherapie bei Patienten mit intermediärem Prostatakrebsrisiko.

Eine Auswertung der indischen POP-RT-Studie zeigte zudem, dass eine Bestrahlung des gesamten Beckens bei hohem MMAI-Risiko mit weniger Fernmetastasen verbunden war – bei intermediärem Risiko ließ sich dieser Zusammenhang hingegen nicht nachweisen.

Eine kommerzielle Auswertung verglich die MMAI-Risikoeinstufungen mit tatsächlich beobachteten Verläufen in der Datenbank STAR-CAP, die Angaben zu knapp 20.000 Prostatakrebspatienten umfasst.

Zur Frage möglicher ethnischer Unterschiede legte Artera Transkriptomdaten von rund 90 Patienten aus afrikanischen, afroamerikanischen und europäisch-amerikanischen Gruppen vor, die ähnliche biologische Signale zeigten. Eine gesonderte Auswertung von NRG/RTOG-Daten fand darüber hinaus keine Unterschiede in der prognostischen Genauigkeit des Biomarkers nach Alter oder ethnischer Zugehörigkeit.

Die Häufung solcher Konsistenzanalysen deutet darauf hin, dass Anbieter KI-basierter Prognosewerkzeuge zunehmend Wert auf den Nachweis legen, dass ihre Modelle über verschiedene Bevölkerungsgruppen hinweg verlässlich funktionieren.

MiraDx präsentiert Daten zu genetischem Marker PROSTOX

Das Unternehmen MiraDx zeigte bei ASTRO 2026 insgesamt fünf Präsentationen zu genetischen Markern für Ergebnisse der Strahlentherapie. Eine Analyse prospektiver Studien, darunter PACE-B, validierte den Marker PROSTOX zur Vorhersage später Nebenwirkungen im Genitourinaltrakt nach Bestrahlung bei lokalisiertem Prostatakrebs.

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Eine klinische Nutzwertanalyse ergab für PROSTOX eine absolute Reduktion von Nebenwirkungen des Grades 2 oder höher um 17,5 Prozent. Weitere Präsentationen von MiraDx befassten sich mit stereotaktischer Bestrahlung nach Prostatektomie sowie mit genetischen Signaturen bei Kopf-Hals-Krebs.

ITM legt Registerdaten zu neuroendokrinen Tumoren vor

Auch das Unternehmen ITM stellte in Boston Ergebnisse vor. In der SwissNET-Registeranalyse wurden 49 Erwachsene mit metastasierten, gut differenzierten, SSTR-positiven neuroendokrinen Tumoren untersucht, bei denen es mindestens zwölf Monate nach der Erstbehandlung zu einer Progression gekommen war. 37 von ihnen erhielten erneut ¹??Lu-Edotreotid, zwölf eine andere systemische Therapie. Das mediane progressionsfreie Überleben in der Registerpraxis lag bei 12,5 gegenüber 4,8 Monaten, das mediane Gesamtüberleben bei 90,1 gegenüber 39,8 Monaten – jeweils mit einem p-Wert unter 0,001. In einer begleitenden COMPETE-Dosimetriestudie mit 17 Patienten und 17 Tumorläsionen bei neun Patienten zeigte sich eine intraindividuelle Variabilität der Nieren-Dosiskoeffizienten mit einem Median von 14 Prozent, wobei das Verhältnis von Tumor- zu Nierendosis über alle Behandlungszyklen hinweg größer als eins blieb. Der Wirkstoffkandidat ITM-11 ist bislang nicht zugelassen.

NRG/RTOG: Genexpressionsprofil identifiziert Hochrisikogruppe

Eine bei ASTRO 2026 vorgestellte Analyse der Studie NRG-RTOG 0534-SPPORT untersuchte mithilfe des PAM50-Verfahrens Tumorgewebe von 709 Patienten nach einer Prostatektomie. Dabei zeigte sich, dass Luminal-B-Tumoren mit einem höheren Risiko für Progression und Fernmetastasen verbunden waren.

Wurde die Salvage-Bestrahlung des Prostatabetts um eine kurzzeitige Androgendeprivation ergänzt – mit oder ohne zusätzliche Bestrahlung der pelvinen Lymphknoten –, profitierten Patienten mit Luminal-B-Tumoren deutlich stärker als jene mit anderen Subtypen: Der progressionsfreie Anteil nach fünf Jahren verbesserte sich um 31 Prozent gegenüber 10 Prozent, das metastasenfreie Überleben nach zehn Jahren um 20 Prozent gegenüber minus 3 Prozent.

Die Studienautoren betonten jedoch, dass PAM50 als prädiktiver Biomarker weiter validiert werden müsse, bevor er breiter in der klinischen Praxis eingesetzt werden könne.

Einordnung

Die auf dem ASTRO-Jahrestreffen 2026 vorgestellten Arbeiten zeigen, dass sich die onkologische Strahlentherapie zunehmend auf molekulare und KI-gestützte Prognosewerkzeuge stützt, um Behandlungsentscheidungen – etwa über Dauer der Hormontherapie, Bestrahlungsfeld oder Wiederholungsbehandlungen – individueller zu gestalten.

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Gemeinsam ist den vorgestellten Datensätzen, dass sie überwiegend auf retrospektiven Auswertungen oder Registerdaten beruhen und die Autoren selbst auf weiteren Validierungsbedarf hinweisen, bevor solche Biomarker flächendeckend in Leitlinien Eingang finden.

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