Prostatakrebs: PSMA-PET/ CT erkennt 91% der relevanten Tumoren
Veröffentlicht am: 16.09.2026 um 01:12 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Früherkennung von Prostatakrebs bleibt eine der zentralen Herausforderungen der Urologie: Ein erhöhter PSA-Wert allein liefert keine verlässliche Aussage darüber, ob ein Tumor vorliegt und wie aggressiv er ist. Eine Post-hoc-Analyse der randomisierten Phase-3-Studie RAPID, an der Forschende der MedUni Wien beteiligt waren, liefert nun neue Erkenntnisse zur Aussagekraft der bildgebenden Diagnostik.
PSMA-PET/CT identifiziert klinisch relevante Tumoren zuverlässig
In der Analyse wurden 194 Patienten mit erhöhtem PSA-Wert mittels PSMA-PET/CT untersucht. Das Verfahren erkannte laut den Studienergebnissen 91 Prozent der klinisch relevanten Prostatakarzinome – konkret 70 von 77 bestätigten Fällen.
Ebenso aufschlussreich ist der umgekehrte Befund: Fiel der Scan unauffällig aus, fand sich in 91 Prozent der Fälle tatsächlich kein klinisch signifikanter Tumor. Diese hohe Übereinstimmung in beide Richtungen deutet darauf hin, dass die PSMA-PET/CT sowohl unnötige Biopsien vermeiden als auch relevante Tumoren zuverlässig aufspüren könnte.
Besonders relevant für die Langzeitprognose ist ein weiterer Befund der Untersuchung: Bei einem medianen Follow-up von 35 Monaten hatte die Bildgebung bereits 23 von 24 später aggressiv verlaufenden Erkrankungen vorab identifiziert. Das legt nahe, dass PSMA-PET/CT nicht nur die Diagnose zum Untersuchungszeitpunkt verbessert, sondern auch Hinweise auf den weiteren Krankheitsverlauf geben kann. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift The Lancet Medical Imaging & Theranostics veröffentlicht.
Bedeutung für die klinische Praxis
Für Patienten mit erhöhtem PSA-Wert bedeutet ein solches Diagnoseverfahren potenziell weniger diagnostische Unsicherheit. Bislang führt ein auffälliger PSA-Wert oft zu invasiven Biopsien, die nicht immer notwendig sind, da erhöhte Werte auch gutartige Ursachen haben können.
Eine bildgebende Methode, die zuverlässig zwischen klinisch relevanten und irrelevanten Befunden unterscheidet, könnte helfen, Überdiagnosen und -behandlungen zu reduzieren, ohne aggressive Tumoren zu übersehen.
Wer sich mit der Diagnose und den Behandlungswegen bei Prostata-Beschwerden auseinandersetzt, erfährt in diesem Spezialreport, warum viele Operationen vermeidbar sind. Schützen Sie sich vor unnötigen Eingriffen durch fundiertes Wissen über Diagnose-Alternativen. Kostenlosen Spezialreport zur Prostatagesundheit anfordern
Forschungsförderung für KI-gestützte Diagnostik
Parallel zu den Bildgebungsstudien entwickelt sich auch die datenbasierte Diagnostik weiter. Ein Konsortium aus BIFOLD/TU Berlin, LMU München und dem UKE Hamburg startet ein auf drei Jahre angelegtes Projekt, das mit 1,5 Millionen Euro über die Förderlinie „Zukunft eHealth“ des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) unterstützt wird.
Der Projektbeginn ist für den 1. Oktober 2026 vorgesehen. Ziel ist die Entwicklung von KI-Modellen, die histopathologische Bilder dynamisch mit molekularen Messdaten und klinischen Informationen kombinieren – geleitet wird das Vorhaben von Dr. Mina Jamshidi Idaji vom BIFOLD. Solche multimodalen Ansätze könnten künftig ergänzend zur Bildgebung eingesetzt werden, um Diagnosen weiter zu präzisieren.
Aufklärung als zusätzlicher Baustein
Neben technologischen Fortschritten spielt auch die öffentliche Aufmerksamkeit für die Erkrankung eine Rolle. Anlässlich des Europäischen Prostatatags verteilten die Urologische Stiftung Gesundheit gemeinsam mit Bayer Vital und der Donut-Kette Brammibal's in Berlin und Hamburg kostenlos einen speziell geformten Donut namens „Ponut“, um auf das Thema Früherkennung aufmerksam zu machen. Ein QR-Code auf der Verpackung führte zu weiterführenden Informationen der Stiftung.
Neben der Früherkennung kann auch die richtige Ernährung einen entscheidenden Beitrag zur Gesundheit der Prostata leisten. Entdecken Sie sieben einfache Tipps, die das Organ natürlich unterstützen und die Vitalität erhalten können. Gratis-PDF: 7 Tipps für eine gesunde Prostata
Die Aktion verweist auf die Größenordnung des Problems: Laut der Urologischen Stiftung Gesundheit ist Prostatakrebs die häufigste Krebserkrankung bei Männern in Deutschland, mit rund 70.000 Neuerkrankungen und etwa 15.000 Todesfällen pro Jahr.
Vor diesem Hintergrund gewinnen sowohl verbesserte bildgebende Verfahren wie die PSMA-PET/CT als auch neue KI-gestützte Diagnoseansätze an Bedeutung – sie könnten mittelfristig dazu beitragen, Diagnosen zu präzisieren und Behandlungsentscheidungen besser auf den individuellen Krankheitsverlauf abzustimmen.
