Prostatakrebs: Nach SBRT brauchen deutlich weniger Männer Urin-Vorlagen
Veröffentlicht am: 01.10.2026 um 17:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Frage, ob lokalisierter Prostatakrebs besser operativ oder durch Bestrahlung behandelt wird, beschäftigt Urologie und Onkologie seit Jahren. Eine randomisierte Phase-III-Studie mit dem Namen PACE-A, durchgeführt am Royal Marsden Hospital gemeinsam mit acht bis zehn britischen Zentren, liefert nun nach langer Nachbeobachtungszeit belastbare Vergleichsdaten – vorgestellt als Abstract beim ASTRO-Kongress in Boston, der vom 26. bis 30. September 2026 stattfand.
Studiendesign und Patientenkollektiv
An PACE-A nahmen 123 Männer mit lokalisiertem Prostatakrebs teil, deren medianes Alter bei 65,5 Jahren lag. Der mediane PSA-Wert vor Behandlungsbeginn betrug 7,9 ng/mL, über 94 Prozent der Teilnehmer wiesen ein niedriges oder mittleres Risiko auf, eine Hormontherapie erhielt keiner von ihnen. 63 Patienten wurden mit stereotaktischer Körperbestrahlung (SBRT) behandelt – 36,25 Gy in fünf Fraktionen über ein bis zwei Wochen –, 60 Patienten erhielten eine Prostatektomie. Die Rekrutierung lief von 2012 bis 2022.
Onkologische Ergebnisse nach acht Jahren
Nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von acht Jahren lag die Kaplan-Meier-Schätzung für Freiheit von biochemischem oder klinischem Versagen bei 91 Prozent in der SBRT-Gruppe gegenüber 84 Prozent in der Operationsgruppe. Es handelte sich um fünf Versagensfälle unter den bestrahlten Patienten gegenüber acht unter den operierten – ein Unterschied, der statistisch nicht signifikant war (Hazard Ratio 0,48; 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,16–1,46; p=0,18).
Nach acht Jahren waren demnach 91,2 Prozent der bestrahlten und 83,7 Prozent der operierten Patienten rückfallfrei. Nach fünf Jahren lagen die Werte für Freiheit von Versagen mit 94,8 Prozent (SBRT) und 94,1 Prozent (Operation) noch enger beieinander. Die Studienautoren betonten jedoch, dass die Fallzahl zu klein war, um statistische Gleichwertigkeit formal zu belegen.
Zum Vergleich: Die Schwesterstudie PACE-B, die ähnliche Patientengruppen untersuchte, verzeichnete nach fünf Jahren eine biochemische Kontrolle von 96 Prozent.
Deutliche Unterschiede bei Lebensqualität und Funktion
Während sich die onkologischen Ergebnisse zwischen den beiden Behandlungsarmen nur graduell unterschieden, fielen die funktionellen Resultate deutlich auseinander.
Bei der Wahl zwischen Operation und Bestrahlung geht es längst nicht mehr nur um den Tumor — sondern auch darum, wie Sie die Jahre danach leben. Neue Langzeitdaten zeigen: Nach stereotaktischer Bestrahlung brauchten deutlich weniger Männer täglich eine Urin-Vorlage, und die Erektionsfähigkeit blieb messbar besser erhalten als nach einer Operation. Unser kostenloser Leitfaden ordnet die Daten verständlich ein und gibt Ihnen die Fragen an die Hand, die Sie Ihrem Urologen stellen sollten. Kostenlosen Patienten-Leitfaden anfordern
Nach fünf Jahren nutzten lediglich 8,3 Prozent (3 von 36) der mit SBRT behandelten Männer mindestens eine Urin-Vorlage täglich, in der Operationsgruppe waren es 48 Prozent (14 von 29). Bei der Erektionsfunktion, gemessen auf einer 25-Punkte-Skala, lag der Median in der Bestrahlungsgruppe bei 19 Punkten gegenüber 5 Punkten in der Operationsgruppe.
Die Studie wurde finanziert von Accuray, Varian, dem Royal Marsden Hospital sowie dessen angegliederter Charity-Organisation. Die Ergebnisse liegen bislang als Abstract (LBA 32) vor und sind noch nicht peer-reviewed veröffentlicht.
Einordnung für die Praxis
Für Patienten mit lokalisiertem, überwiegend niedrig- bis mittelgradigem Risiko deutet PACE-A darauf hin, dass stereotaktische Bestrahlung über einen Nachbeobachtungszeitraum von acht Jahren onkologisch mit der Operation mithalten kann, während gleichzeitig deutlich weniger Männer unter Inkontinenz leiden und die Erektionsfunktion besser erhalten bleibt.
Viele Männer mit Prostatakrebs-Diagnose fürchten weniger den Eingriff selbst als die Zeit danach: wieder Windeln, wieder Unsicherheit im Alltag. Genau hier lohnt der zweite Blick — in einer aktuellen Vergleichsstudie lag die Erektionsfunktion nach fünf Jahren in der Bestrahlungsgruppe im Median bei 19 von 25 Punkten, in der Operationsgruppe bei 5. Unser Leitfaden zeigt Ihnen, welche Fragen Sie vor Ihrer Entscheidung klären sollten. Leitfaden zur Therapie-Entscheidung jetzt anfordern
Da die statistischen Unterschiede bei den Rückfallraten nicht signifikant waren und die Teilnehmerzahl begrenzt ist, lässt sich daraus noch keine generelle Therapieempfehlung ableiten.
Die Daten liefern aber ein weiteres Argument dafür, bei der Behandlungsentscheidung neben der reinen Tumorkontrolle auch die langfristigen Auswirkungen auf Harnkontinenz und sexuelle Funktion stärker zu gewichten – ein Abwägungsprozess, der angesichts der überwiegend günstigen Risikoprofile der untersuchten Patienten besonders relevant erscheint.
