Prostatakrebs: Nach SBRT brauchen 8 Prozent ein Urinpad, nach OP 48 Prozent
Veröffentlicht am: 06.10.2026 um 09:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Behandlung von lokalisiertem Prostatakrebs befindet sich im Wandel. Während operative Eingriffe lange Zeit als dominierender Standard galten, rücken strahlentherapeutische Verfahren mit verkürzter Behandlungsdauer und gezielter Dosisabgabe zunehmend in den Mittelpunkt der klinischen Diskussion.
Daten, die auf dem Jahrestreffen der American Society for Radiation Oncology (ASTRO) vorgestellt wurden, liefern nun wichtige Langzeiterkenntnisse zur stereotaktischen Körperstrahlentherapie (SBRT) im direkten Vergleich zur Prostatektomie sowie zu verkürzten Bestrahlungsschemata nach erfolgter Operation.
PACE-A-Studie: Langzeitvergleich zwischen SBRT und Operation
Einen zentralen Pfeiler der aktuellen Diskussion bildet die PACE-A-Studie, die als erste randomisierte Phase-3-Studie fünf SBRT-Behandlungen direkt mit einer Prostatektomie bei lokalisiertem Prostatakrebs verglich. In die Untersuchung wurden zwischen 2012 und 2022 insgesamt 123 Patienten an acht britischen Zentren eingeschlossen. Das mediane Alter der Teilnehmer lag bei 65,5 Jahren; 94 Prozent wiesen ein niedriges oder mittleres Risikoprofil auf.
Hinsichtlich der Tumorkontrolle zeigten sich nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von acht Jahren vergleichbare Ergebnisse: Die Rate ohne biochemisches oder klinisches Versagen lag bei 91 Prozent in der SBRT-Gruppe und bei 84 Prozent in der Operationsgruppe. Dieser Unterschied erwies sich als statistisch nicht signifikant, wobei die Studie methodisch nicht auf den formalen Nachweis einer Nichtunterlegenheit ausgelegt war.
Deutliche Unterschiede bei Nebenwirkungen und Lebensqualität
Erhebliche Differenzen traten hingegen beim Blick auf die funktionellen Langzeitfolgen zutage. Fünf Jahre nach der Behandlung nutzten acht Prozent der Patienten aus der SBRT-Gruppe mindestens ein Urinpad, während dieser Anteil unter den operierten Patienten bei 48 Prozent lag.
Die PACE-A-Studie verglich erstmals fünf SBRT-Bestrahlungen direkt mit der Prostataentfernung — und die Langzeitdaten zeigen: Nach fünf Jahren nutzten nur 8 Prozent der bestrahlten Männer ein Urinpad, gegenüber 48 Prozent nach der Operation. Auch die Erektionsfähigkeit blieb deutlich besser erhalten. Wie Sie diese Zahlen für Ihre eigene Entscheidung nutzen, zeigt Ihnen unser kostenloser Ratgeber. Jetzt kostenlosen Ratgeber anfordern
Auch hinsichtlich der Sexualfunktion unterschieden sich die langfristigen Resultate deutlich. Nach fünf Jahren betrug der mediane Wert für die Erektionsfunktion auf einer Skala von 0 bis 25 Punkten in der SBRT-Gruppe 19, während in der Operationsgruppe ein medianer Wert von 5 verzeichnet wurde.
Diese Daten verdeutlichen, dass die Schonung des umliegenden Gewebes durch hochpräzise Bestrahlung für Patienten langfristige Vorteile im Alltag bieten kann.
Verkürzte Bestrahlungsschemata nach Prostatektomie
Neben dem primären Behandlungsansatz stand auf dem ASTRO-Jahrestreffen auch die Strahlentherapie nach bereits erfolgter Prostataentfernung im Fokus. Die Studie NRG-GU003 untersuchte die postprostatektomische Bestrahlung und verglich dabei einen fünf Wochen dauernden Kurs mit dem bisher üblichen, konventionellen Sieben-Wochen-Kurs. Das verkürzte Schema ersparte den Betroffenen insgesamt zwölf Klinikbesuche, was den logistischen Aufwand im Behandlungsalltag spürbar reduziert.
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Nach fünf Jahren zeigte sich, dass die von den Patienten selbst berichtete Lebensqualität zwischen beiden Armen ähnlich ausfiel. Allerdings dokumentierten Mediziner auch Unterschiede bei den Toxizitätsraten: Ärztlich erfasste Harnwegsereignisse des Grades 3 traten bei 16 Prozent der Patienten im kürzeren Behandlungsarm auf, verglichen mit sieben Prozent bei jenen, die den konventionellen Kurs absolvierten.
Für onkologische Fachkräfte unterstreichen diese Ergebnisse die Notwendigkeit, bei der Wahl des Bestrahlungsschemas stets zwischen dem Gewinn an zeitlicher Effizienz und dem individuellen Risiko spezifischer Spätfolgen abzuwägen.
