Prostatakrebs: Hochverarbeitete Lebensmittel erhöhen Risiko um 30%
Veröffentlicht am: 19.08.2026 um 12:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Wissenschaftliche Untersuchungen der Florida Atlantic University und der University of Oxford deuten auf eine signifikante Verbindung zwischen dem Konsum hochverarbeiteter Lebensmittel und dem Risiko für Prostatakrebs hin.
Eine im August 2026 in der Fachzeitschrift „The American Journal of Medicine“ veröffentlichte Analyse zeigt auf, dass Männer mit einer Ernährung, die zu mehr als 44 Prozent aus hochverarbeiteten Kalorien besteht, ein um 30 Prozent höheres Risiko aufweisen als Vergleichsgruppen mit einem Anteil von unter 20 Prozent.
Datengrundlage und statistische Zusammenhänge
Die Untersuchung stützt sich auf Daten des National Health and Nutrition Examination Survey (NHANES) aus dem Zeitraum zwischen 2003 und 2023. Dabei wurden die Ernährungsgewohnheiten und Gesundheitsdaten von insgesamt 17.024 US-amerikanischen Männern ausgewertet.
Die Forscher der Florida Atlantic University stellten fest, dass ein höherer Konsum von sogenannten Ultraprocessed Foods (UPF) nach statistischen Anpassungen mit einem um 24 bis 31 Prozent höheren Risiko für Prostatakarzinome assoziiert war.
Innerhalb der untersuchten Gruppen wiesen die drei Segmente mit der höchsten Aufnahme von UPF ein um 29 Prozent erhöhtes Risiko auf, während die beiden obersten Gruppen einen Anstieg von 30 Prozent verzeichneten.
In der Untergruppe mit dem extremsten Konsum wurde rechnerisch ein Risikoanstieg von 34 Prozent ermittelt, wobei dieser spezifische Wert als statistisch nicht signifikant eingestuft wurde.
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Die Wissenschaftler wiesen zudem darauf hin, dass hochverarbeitete Lebensmittel mittlerweile rund 60 Prozent der Kalorienzufuhr von Erwachsenen in den USA ausmachen. Ein direkter Beweis für eine Kausalität liege jedoch trotz der beobachteten Korrelationen noch nicht vor.
Die Rolle von Ballaststoffen und fettreicher Ernährung
Ergänzende Erkenntnisse zur Krebsprävention lieferte eine systematische Übersicht der Chengdu University. Ein im August 2026 veröffentlichter „Umbrella Review“, der 26 Metaanalysen und über 2.000 Einzelstudien umfasste, bestätigte eine inverse Beziehung zwischen der Ballaststoffzufuhr und dem Risiko für zehn verschiedene Krebsarten, darunter auch Prostatakrebs. Den Berechnungen zufolge verringert sich die Gesamtkrebssterblichkeit pro zusätzlich konsumierten zehn Gramm Ballaststoffen am Tag um neun Prozent.
Im Gegensatz dazu steht der Einfluss einer fettreichen Ernährung auf das Tumorwachstum. Eine Gemeinschaftsstudie der Technischen Universität München, der RWTH Aachen und des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung (DIfE) untersuchte im August 2026 die Rolle bestimmter Darmbakterien. Diese produzieren bei fettreicher Kost aus Gallensäuren die sogenannte Deoxycholsäure (DCA).
Im Tiermodell beschleunigte diese Substanz das Wachstum von Darmtumoren. Bei einer Analyse von über 1.000 Darmkrebspatienten wurden die entsprechenden Gene für die DCA-Produktion häufiger nachgewiesen als in einer gesunden Kontrollgruppe.
Klinische Perspektiven und therapeutische Entwicklungen
Neben der Prävention rücken auch Fortschritte in der Behandlung des fortgeschrittenen Prostatakarzinoms in den Fokus. Eine Registerstudie der Universität des Saarlandes mit 227 Patienten untersuchte die Wirksamkeit einer individuell dosierten Radioligandentherapie mit Lutetium-177. Bei mehr als der Hälfte der Probanden konnte eine Reduktion des PSA-Wertes (prostataspezifisches Antigen) um mindestens 50 Prozent erreicht werden. Das mediane Gesamtüberleben lag in dieser Kohorte bei 14,5 Monaten.
Weitere klinische Daten unterstreichen die Bedeutung der Stoffwechselkontrolle während der Therapie. Laut Veröffentlichungen in „JAMA Oncology“ entwickeln bis zu 40 Prozent der Männer unter einer kombinierten Androgenentzugstherapie bereits im ersten Jahr ein metabolisches Syndrom.
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Für den Behandlungserfolg sei zudem das Erreichen niedriger PSA-Werte entscheidend: Patienten, deren Wert innerhalb von neun Monaten auf unter 0,2 ng/ml sinkt, weisen eine um 54 Prozent geringere Sterbewahrscheinlichkeit auf.
Expertenempfehlungen zur Prävention
Mediziner betonen, dass neben der Vermeidung hochverarbeiteter Lebensmittel weitere Lebensstilfaktoren entscheidend für die Senkung des Krebsrisikos sind. Ein Facharzt des Vivantes Humboldt-Klinikums identifizierte Rauchen, Übergewicht und Bewegungsmangel als zentrale Risikofaktoren.
Insbesondere gezielter Muskelaufbau und Krafttraining könnten das Risiko senken. Zudem empfehlen Experten eine ballaststoffreiche Ernährung und den Verzicht auf Tabak und Alkohol als grundlegende Maßnahmen zur Gesundheitsvorsorge.
Auch das Screening gewinnt an Bedeutung: In einer Studie der Fachzeitschrift „Nature Communications“ wurde berichtet, dass durch die Sequenzierung von Genen bereits im Neugeborenenscreening fast sieben Prozent der pädiatrischen Krebserkrankungen frühzeitig identifiziert werden könnten.
