Prostatakrebs: EU fördert PROMETHEUS mit vier Millionen Euro
Veröffentlicht am: 16.10.2026 um 17:18 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie präzise Erkennung und Einstufung von Prostatakarzinomen stellt die Urologie vor anhaltende Herausforderungen. Um Diagnoseentscheidungen zu schärfen und Behandlungsstrategien verlässlicher zu personalisieren, setzt ein europäisches Forschungskonsortium auf den Einsatz vernetzter Algorithmen.
Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) übernimmt dabei die Federführung eines Vorhabens, das moderne Analyseverfahren direkt in den klinischen Alltag integrieren soll.
Vier Millionen Euro für europäisches Forschungsvorhaben
Das Vorhaben trägt den Namen „PROMETHEUS“ und wird im Rahmen des EIC-Pathfinder-Programms der Europäischen Kommission unterstützt. Für die auf vier Jahre angelegte Laufzeit stellt die EU-Kommission Fördermittel in Höhe von insgesamt vier Millionen Euro bereit. Davon entfallen 1,6 Millionen Euro direkt auf das DKFZ.
Die Projektleitung liegt bei Magdalena Görtz, die am DKFZ forscht und als Oberärztin in der Urologie des Universitätsklinikums Heidelberg tätig ist, wie aus einem Bericht vom 15. Oktober 2026 hervorgeht. Das Konsortium verfolgt das Ziel, Big-Data-Analysen, KI-Agenten und strukturierte Systeme zur Entscheidungsunterstützung miteinander zu kombinieren, um die Betreuung von Patienten mit Prostatakrebs maßgeblich zu verbessern.
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Vernetzung klinischer Befunde durch Multi-Agenten-Systeme
Ein zentrales Element der Forschungsarbeit ist die Entwicklung eines spezialisierten Multi-Agenten-Systems. Diese Architektur ist darauf ausgelegt, heterogene medizinische Datenbestände zusammenzuführen und simultan auszuwerten. Dazu zählen unter anderem:
- klinische Patientendaten und Anamnesen
- Befunde aus der multiparametrischen Bildgebung
- detaillierte pathologische Analysen
- onkologische Langzeitverläufe
Durch die Verknüpfung dieser unterschiedlichen Ebenen soll die Software in die Lage versetzt werden, komplexe Zusammenhänge zwischen diagnostischen Mustern und tatsächlichen Krankheitsverläufen zu erkennen.
Transparenz und Schutz sensibler Gesundheitsdaten
Bei der Entwicklung des Systems legen die beteiligten Forscher einen klaren Schwerpunkt auf Erklärbarkeit und Transparenz der eingesetzten Algorithmen. Görtz betonte in diesem Zusammenhang, dass die Technologie keine undurchsichtige Lösung darstellen dürfe, sondern als transparentes KI-System konzipiert sein müsse, dessen Schritte für behandelnde Ärzte nachvollziehbar bleiben.
Um die Zusammenarbeit über Ländergrenzen hinweg zu ermöglichen, setzt das Vorhaben zudem auf synthetische Daten. Diese künstlich generierten, realitätsnahen Datensätze erlauben es den Entwicklern, komplexe Modelle auf europäischer Ebene zu trainieren und weiterzuentwickeln, ohne die strengen Anforderungen des Datenschutzes bei patientenbezogenen Gesundheitsdaten zu verletzen.
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Vermeidung von Übertherapien und verbesserte Früherkennung
Medizinisch zielt das Vorhaben darauf ab, aggressive Tumorformen in einem möglichst frühen Stadium verlässlich zu identifizieren. Gleichzeitig soll die präzisere Datenlage dazu beitragen, unnötige medizinische Eingriffe bei weniger gefährlichen Verläufen abzuwenden. Auf dieser Basis soll das Behandlungsteam Therapien künftig genauer auf das individuelle Risikoprofil des jeweiligen Patienten abstimmen können.
Das Projekt stützt sich auf ein Netzwerk wissenschaftlicher und klinischer Einrichtungen. Neben dem federführenden DKFZ und dem Universitätsklinikum Heidelberg gehören das Erasmus MC Rotterdam, das Karolinska-Institut in Stockholm, das Radboud UMC Nijmegen, die Universität Umeå sowie das Beratungsunternehmen PNO Innovation zu den Partnern des Verbunds.
