Prostatakrebs, Darolutamid

Prostatakrebs: Darolutamid senkt Sterberisiko um 50 Prozent

26.05.2026 - 20:30:34 | boerse-global.de

Bayer und Olema starten Studie zu KAT6-Hemmer. Neue Überlebensdaten für Darolutamid belegen deutliche Vorteile bei mHSPC.

Prostatakrebs: Darolutamid senkt Sterberisiko um 50 Prozent - Foto: über boerse-global.de
Prostatakrebs: Darolutamid senkt Sterberisiko um 50 Prozent - Foto: über boerse-global.de

Gleich mehrere Pharmaunternehmen und Biotech-Firmen haben am Dienstag neue strategische Partnerschaften und klinische Erfolge bekannt gegeben.

Bayer und Olema: Gemeinsam gegen resistenten Krebs

Der deutsche Pharma- und Agrarchemiekonzern Bayer geht eine klinische Kooperation mit dem US-Biotechnologieunternehmen Olema Pharmaceuticals ein. Im Fokus steht die Kombination von Olemas oralem KAT6-Inhibitor OP-3136 mit Bayers etabliertem Medikament NUBEQA (Darolutamid). Die Partner planen eine Phase-1b/2-Studie mit rund 36 Patienten, die an metastasiertem, kastrationsresistentem Prostatakrebs (mCRPC) leiden. Olema führt die klinische Studie durch, Bayer liefert das Darolutamid.

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Die Zusammenarbeit folgt auf ermutigende vorläufige Daten aus der Phase 1 für OP-3136, die bereits am Montag vorgestellt wurden. Der KAT6-Hemmer wurde demnach gut vertragen – ohne dosislimitierende Toxizitäten. Zudem zeigten sich erste Anzeichen von Antitumor-Aktivität und Tumorrückgang bei der Mehrheit der auswertbaren Patienten mit stark vorbehandelten soliden Tumoren. Detailliertere Ergebnisse werden für den ASCO-Jahreskongress 2026 erwartet. Olema behält die globalen kommerziellen Rechte an OP-3136, die klinischen Daten aus der Kombinationsstudie gehen in gemeinsames Eigentum über.

Überlebensvorteil bei hormonsensitivem Prostatakrebs

Parallel dazu verfolgt die Branche gespannt neue Überlebensdaten für bestehende Therapien. Die Ergebnisse der Phase-II-Studie ARASEC, präsentiert auf der AUA-Jahrestagung 2026, belegen deutliche Vorteile der Kombination von Darolutamid mit einer Androgenentzugstherapie (ADT) bei Patienten mit metastasiertem hormonsensitivem Prostatakrebs (mHSPC).

Die Studie nutzte ein Hybriddesign mit einer prospektiven Kohorte und einer externen Kontrollgruppe. Die Ergebnisse sind beeindruckend: Die Darolutamid-Kombination senkte das Risiko eines Krankheitsfortschritts um 71 Prozent und das Sterberisiko um 50 Prozent im Vergleich zur ADT allein. Auch die Gesamtüberlebensrate (OS), die Zeit bis zur Entwicklung von mCRPC und das radiologische progressionsfreie Überleben (rPFS) verbesserten sich signifikant. Zwar traten bei rund 96 Prozent der Patienten behandlungsbedingte Nebenwirkungen auf, doch das Sicherheitsprofil galt als beherrschbar. Nur 8,1 Prozent der Teilnehmer brachen die Therapie wegen Nebenwirkungen ab.

Für das von Bayer und Orion gemeinsam entwickelte Darolutamid zeichnet sich damit ein erweiterter Einsatz in früheren Krankheitsstadien ab. Branchenbeobachter sehen in den ARASEC-Ergebnissen eine Bestätigung, dass Kombinationsstrategien den Behandlungsstandard für hormonsensitive Patienten grundlegend verändern könnten.

Radiopharmaka: Neue Waffe gegen Tumore

Auch im Bereich der zielgerichteten Radiopharmaka tut sich etwas. Das Unternehmen Aktis Oncology präsentierte am Montag erste Dosimetrie-Daten am Menschen für AKY-2519, einen therapeutischen Kandidaten gegen B7-H3. Die Daten von 16 Patienten mit mCRPC zeigten, dass die Tumoraufnahme des Wirkstoffs sechs Tage oder länger anhielt. Die geschätzte Speicheldrüsendosis lag bei 4,2 Gy RBE basierend auf vier Dosen Actinium-225, Nieren- und Leberdosen wurden mit 16 Gy RBE beziehungsweise rund 10 Gy RBE beziffert. Aktis Oncology plant nun, in der zweiten Jahreshälfte 2026 eine Phase-1b-Studie für B7-H3-positive Tumore zu starten.

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Über 140 Unternehmen im Rennen

Die Dynamik in der Prostatakrebs-Forschung ist enorm. Ein aktueller Report von DelveInsight („Prostate Cancer Pipeline Insight 2026“) identifiziert mehr als 140 Unternehmen, die über 150 verschiedene Therapien für verschiedene Krankheitsstadien entwickeln. Allein im Mai 2026 starteten mehrere neue Studien:

  • Merck Sharp & Dohme begann am 15. Mai eine Phase-1/2-Studie zu Ifinatamab Deruxtecan (I-DXd) bei mCRPC.
  • Aragon Pharmaceuticals initiierte am 11. Mai eine Phase-3-Studie (SPARTAN).
  • Janssen Research & Development startete am 11. Mai eine Phase-4-Studie zu Apalutamid in China.

Präzisionsdiagnostik: Weniger unnötige Biopsien

Während die therapeutischen Optionen wachsen, gewinnt auch die Präzisionsdiagnostik an Bedeutung. Aktuelle Studien im Journal of Urology beleuchten den MyProstateScore 2.0-Active Surveillance-Urintest. Dieser soll Männer mit geringem Progressionsrisiko identifizieren. Bei über 300 Probanden zeigte sich: Ein negatives Testergebnis korreliert mit nur einprozentiger Wahrscheinlichkeit für höhergradigen Krebs bei einer Biopsie. Das Diagnosewerkzeug könnte 64 Prozent unnötiger Biopsien bei Niedrigrisiko-Patienten vermeiden.

Parallel dazu arbeitet Prostatype Genomics an der Kostenerstattung in den USA. Das Unternehmen strebt einen Erstattungssatz von 3.783 Euro pro Test für sein Prostatype®-Diagnostikum an. Ein endgültiger Zeitplan für die Entscheidung steht noch aus.

Ausblick: Personalisierte Therapie rückt näher

Die Kombination aus neuen KAT6-Inhibitoren, Radiopharmaka und verbesserter Diagnostik deutet auf einen zunehmend personalisierten Ansatz in der Prostatakrebs-Behandlung hin. Die bevorstehende Präsentation detaillierter KAT6-Inhibitor-Daten auf dem ASCO 2026 wird ein wichtiger Meilenstein für die Partnerschaft von Olema und Bayer. Auch der geplante Start von Aktis Oncologys Phase-1b-Studie in der zweiten Jahreshälfte 2026 wird weitere Erkenntnisse zur Lebensfähigkeit von B7-H3 als therapeutischem Ziel liefern. Bei über 150 Medikamenten in der Entwicklung erwarten Experten eine anhaltende Fokussierung auf die Reduzierung von Behandlungstoxizität – bei gleichzeitiger Wahrung der jüngsten Überlebensgewinne.

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