Prostatakrebs: Acht genetische Signaturen erklären 85% aller Fälle
Veröffentlicht am: 11.09.2026 um 02:11 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine im September 2026 in der Fachzeitschrift Nature veröffentlichte Studie der Pan Prostate Cancer Group liefert neue Einblicke in die genetischen Ursachen von Prostatakrebs – und macht dabei deutlich, wie groß der Unterschied in den Überlebenschancen je nach Krankheitsstadium ausfällt.
Wird die Erkrankung früh erkannt, liegt die 5-Jahres-Überlebensrate laut den Forschenden bei über 90 Prozent. Hat der Tumor bereits Metastasen gebildet, sinkt sie auf 30 Prozent.
Acht Mutationssignaturen als Erklärungsmuster
Grundlage der Erkenntnisse ist die Analyse der vollständigen DNA von 959 Tumoren aus sieben Ländern – nach Angaben der Forschungsgruppe der größte je erstellte Genomdatensatz zu Prostatakrebs.
Die Wissenschaftler identifizierten acht integrierte Mutationssignaturen, die zusammen die DNA-Schäden in 85 Prozent der untersuchten Fälle erklären. Vier dieser acht Prozesse stehen den Forschenden zufolge mit einem erhöhten Metastasierungsrisiko in Verbindung.
Die fehlerhaften Prozesse betreffen unter anderem Hormonsignalwege, die DNA-Kopie, DNA-Reparaturmechanismen und Alterungsprozesse in den Zellen. Rund ein Drittel der untersuchten Tumoren entsteht demnach durch Fehler beim Kopieren der DNA.
Bemerkenswert ist laut der Studie, dass sich keine Spuren von Tabak oder Sonnenlicht als Auslöser der DNA-Schäden fanden – anders als bei vielen anderen Krebsarten, bei denen äußere Faktoren eine zentrale Rolle spielen.
Unterschiede nach Alter und Abstammung
Die Genomdaten zeigen zudem, dass bestimmte Mutationsmuster mit dem Alter und der genetischen Abstammung der Patienten zusammenhängen. Einige Muster treten den Angaben zufolge häufiger bei Männern afrikanischer Herkunft auf.
Für diese Gruppe wird ein Lebenszeitrisiko von etwa 1 zu 4 angegeben, an Prostatakrebs zu erkranken – ein deutlich höherer Wert als in der Gesamtbevölkerung. Die zugrundeliegende Datenbank der Pan Prostate Cancer Group umfasst insgesamt über 2.000 Prostatakrebsfälle.
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Erste Hinweise auf therapeutische Relevanz
Über die reine Ursachenforschung hinaus liefert die Studie auch erste Hinweise auf mögliche Behandlungsansätze. In einer nachträglich geprüften Gruppe von 25 Männern fanden sich laut den Autoren Anhaltspunkte dafür, dass die identifizierten Mutationssignaturen künftig helfen könnten, Therapieentscheidungen gezielter zu treffen.
Angesichts der stark unterschiedlichen Überlebensraten – über 90 Prozent bei Früherkennung gegenüber 30 Prozent bei bereits erfolgter Metastasierung – könnte ein besseres Verständnis der genetischen Mechanismen langfristig dazu beitragen, Risikopatienten früher zu identifizieren.
Ausmaß der Erkrankung in mehreren Ländern
Die Dringlichkeit solcher Fortschritte unterstreichen Zahlen aus verschiedenen Ländern. In Spanien wurden für das Jahr 2025 rund 35.000 Neuerkrankungen und 6.000 Todesfälle durch Prostatakrebs verzeichnet; die Erkrankung gilt dort als dritthäufigste Krebstodesursache bei Männern.
In Deutschland kostet Prostatakrebs nach Angaben der Pan Prostate Cancer Group jährlich etwa 15.000 Männern das Leben. In Dänemark treten jährlich rund 4.500 Neuerkrankungen auf, wobei etwa ein Fünftel der Betroffenen chronisch krank wird. In Großbritannien, wo Prostatakrebs die häufigste Krebsart bei Männern ist, werden jährlich etwa 63.000 Fälle und 12.000 Todesfälle registriert.
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Diese Zahlen verdeutlichen, warum die neuen genetischen Erkenntnisse aus der Nature-Studie über den wissenschaftlichen Wert hinaus auch gesundheitspolitisch relevant sind: Je genauer sich Risikoprofile und Metastasierungswahrscheinlichkeiten bestimmen lassen, desto gezielter könnten künftig Früherkennung und Behandlung ausgerichtet werden.
