Prostatakrebs: 30 Fragen sollen Patienten auf das Arztgespräch vorbereiten
Veröffentlicht am: 08.10.2026 um 05:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Bei der Diagnose Prostatakrebs stehen Betroffene vor komplexen medizinischen Entscheidungen. Um Männern in dieser Situation eine strukturierte Orientierung zu bieten, haben die italienische Fachgesellschaft für Uro-Onkologie (SIUrO) und die Patientenorganisation Europa Uomo Italia im Gesundheitsministerium in Rom die sogenannte „Carta delle Domande“ vorgestellt.
Der Leitfaden umfasst 30 gezielte Fragen, die Patienten bei der Vorbereitung auf das Arztgespräch unterstützen und ihre Rolle im Behandlungsprozess stärken sollen.
Gezielte Vorbereitung auf das Arztgespräch
Die Initiative setzt an einem verbreiteten Problem in der onkologischen Versorgung an: Nach einer Diagnose fällt es vielen Betroffenen schwer, im Behandlungszimmer die passenden Fragen zu stellen. Der Fragenkatalog deckt die wesentlichen Themenfelder ab, darunter die genaue Diagnosestellung, unterschiedliche Therapieoptionen sowie Auswirkungen auf Sexualität, Kontinenz und die Paarbeziehung.
Das Dokument ist so aufgebaut, dass es sowohl vor als auch während der Konsultation eingesetzt werden kann. Es steht digital zur Verfügung, kann zu Hause in Ruhe durchgegangen werden und berücksichtigt den jeweiligen Lebensstil der Patienten.
Geplant ist eine Verbreitung über uro-onkologische Pilotzentren sowie über digitale Kanäle, begleitet von Informationsangeboten in sozialen Medien und Webinaren. Das übergeordnete Ziel besteht darin, bestehende Tabus und Falschinformationen abzubauen und den Patienten zum aktiven Akteur im Gespräch mit dem medizinischen Fachpersonal zu machen.
Multidisziplinäre Behandlung und Erhalt der Lebensqualität
Fachleute betonen, dass Prostatakrebs ein heterogenes Krankheitsbild darstellt, das differenzierte Vorgehensweisen verlangt. Siuro-Präsident Rolando Maria D'Angelillo hob hervor, dass die Erkrankung eine multidisziplinäre Beurteilung erfordere und nicht allein durch die monodisziplinäre Entscheidung des erstbehandelnden Spezialisten festgelegt werden sollte.
Bei Fällen mit geringem Risiko sei oft eine aktive Überwachung mit regelmäßigen Kontrolluntersuchungen angezeigt. Die Fragenliste diene hierbei als praktischer Werkzeugkasten, damit Betroffene vorbereitet erscheinen, wesentliche Aspekte ansprechen und eine tragfähige therapeutische Allianz mit den Ärzten aufbauen können.
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Für die Betroffenenperspektive unterstrich Europa-Uomo-Präsident Claudio Talmelli, dass eine Prostatakrebs-Diagnose häufig Angst sowie Orientierungslosigkeit hervorrufe. Viele Patienten fänden während der Visite nicht den richtigen Zugang zu ihren drängenden Fragen.
Das Dokument solle ihnen ermöglichen, Unsicherheiten offen zu formulieren. Zudem müsse die Erhaltung der Lebensqualität als integraler Bestandteil des gesamten therapeutischen Weges verstanden werden.
Epidemiologische Dimension in Italien
Die Relevanz solcher Orientierungshilfen wird durch epidemiologische Daten unterstrichen. Nach Angaben von SIUrO leben in Italien 485.000 Männer mit einer Prostatakrebs-Diagnose; die Erkrankung stellt den häufigsten Tumor bei Männern im Land dar. Dem Bericht „I numeri del cancro in Italia 2024“ zufolge wurden im Jahr 2024 rund 40.000 Neudiagnosen verzeichnet.
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Gleichzeitig verweisen die Erhebungen des Berichts auf eine vergleichsweise hohe Überlebensrate: Das Fünf-Jahres-Nettoüberleben nach der Diagnose liegt demnach bei 91 Prozent. Wer das erste Jahr nach Feststellung des Tumors übersteht, weist eine Wahrscheinlichkeit von 94 Prozent auf, mindestens weitere vier Jahre zu leben.
Angesichts dieser langfristigen Perspektiven gewinnt die partizipative Entscheidungsfindung zwischen Arzt und Patient für die dauerhafte Lebensqualität eine entscheidende Bedeutung.
