Prostatakrebs, Fitness

Prostatakrebs: 3 Prozent mehr Fitness sind mit 35 Prozent weniger Risiko verbunden

Veröffentlicht am: 05.11.2026 um 18:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Studien verbinden bessere Fitness mit geringerem Erkrankungsrisiko; strukturierte Trainingsprogramme steigerten bei Patienten die Lebensqualität.
Ein leerer Waldweg in der Abendsonne, der Ruhe und körperliche Vitalität symbolisiert. Illustration mit AI erstellt.

Eine Verbesserung der kardiorespiratorischen Fitness kann das Risiko für Prostatakrebs deutlich senken. Wissenschaftliche Untersuchungen belegen zunehmend, wie eng körperliche Leistungsfähigkeit und gezielte Bewegungsprogramme mit Prävention, Krankheitsverlauf und Lebensqualität von Krebspatienten verknüpft sind.

Eine im Fachjournal British Journal of Sports Medicine publizierte Untersuchung an 57.652 schwedischen Männern verdeutlicht diesen Zusammenhang: Eine Steigerung der kardiorespiratorischen Fitness um mehr als 3 Prozent war mit einem um 35 Prozent geringeren Risiko für Prostatakrebs assoziiert. Im Rahmen des Follow-ups traten 592 Erkrankungen auf, wobei sich kein signifikanter Bezug zur Sterblichkeit zeigte.

Bewegung senkt Mortalität und unterstützt die Therapie

Ergänzende wissenschaftliche Analysen unterstreichen das Potenzial regelmäßiger Aktivität über die reine Vorsorge hinaus. Ein Review im Fachblatt Medicine & Science in Sports & Exercise ergab, dass die aktivsten Teilnehmergruppen eine um bis zu 49 Prozent niedrigere Gesamtmortalität sowie eine um 38 Prozent reduzierte krebsspezifische Mortalität aufwiesen.

Angesichts dieser Evidenz empfiehlt die American Society of Clinical Oncology (ASCO) die Integration von aerobem Ausdauer- und speziellem Krafttraining bei entsprechender klinischer Indikation während einer laufenden onkologischen Therapie.

Trotz dieser Empfehlungen besteht in der Praxis oft Nachholbedarf: Laut einem Editorial im Journal Lancet Oncology erfüllten im Zeitraum von 2020 bis 2024 lediglich 22 Prozent der Krebsüberlebenden in den USA die offiziellen Bewegungsempfehlungen.

Prähabilitation und strukturierte Rehabilitation

Prostatakrebs stellt den häufigsten Tumor bei Männern dar. Häufige Folgen der Behandlungen wie Operationen, Radiotherapie, Androgendeprivationstherapie (ADT) oder systemischen Therapien sind unter anderem Harninkontinenz, sexuelle Funktionsstörungen, Beckenschmerzen, Fatigue, Muskelverlust, Gewichtszunahme sowie eine allgemein reduzierte körperliche Leistungsfähigkeit.

In der onkologischen Rehabilitation können gezielte Physiotherapie und Bewegung diese Fatigue mindern und Muskelmasse sowie Mobilität bewahren. Spezifisches Beckenbodentraining beschleunigt zudem die Wiedererlangung der Blasenkontrolle.

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Vor Therapiebeginn setzt die sogenannte Prähabilitation an: Sie kombiniert kardiovaskuläres Training, Kraftübungen, Beckenbodenarbeit, Ernährungsberatung sowie Schlaf- und Stressmanagement. Reine Alltagsbewegung wie Spazierengehen reicht dabei häufig nicht aus; als besonders wirksam gilt angeleitetes und überwachtes Krafttraining.

Klinische Studien belegen Gewinn an Lebensqualität

Die praktische Umsetzung strukturierter Bewegungsprogramme bei Prostatakrebspatienten untersuchte unter anderem die STAMINA-Studie unter der Leitung von Bourke und Kollegen in 15 Zentren des britischen National Health Service (NHS).

An der randomisierten Untersuchung nahmen 700 Männer unter Androgendeprivationstherapie mit einem medianen Alter von 71,6 Jahren teil. 389 Probanden erhielten eine Trainingsintervention, während 311 Männer der optimierten Standardversorgung zugeteilt wurden.

Nach zwölf Monaten zeigte sich bei der interventionsbezogenen Gruppe eine Verbesserung der prostatakrebsspezifischen Lebensqualität (FACT-P) um adjustierte 4,5 Punkte (97,232%-Konfidenzintervall 1,7–7,2; p=0,0004). Der Wert für Fatigue (FACIT-F) verbesserte sich um 1,9 Punkte (Konfidenzintervall 0,4–3,4; p=0,0068), und der allgemeine Lebensqualitätswert (FACT-G) stieg um 3,7 Punkte.

Unterschiede bei objektiven körperlichen Endpunkten sowie Aussagen zu Überleben oder Rezidiven wurden nicht verzeichnet. Aus Sicht des NHS lag die Kosteneffektivität bei 13.920 bis 19.077 Pfund pro qualitätskorrigiertem Lebensjahr (QALY). Als Limitation galt unter anderem ein Anteil von 97 Prozent weißer Teilnehmer.

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Auf Basis der STAMINA-Forschung der Sheffield Hallam University bietet Nuffield Health in Partnerschaft mit NHS-Trusts das Cancer Activity Programme (CAP) an. Dieses 24-wöchige Programm für Männer unter ADT umfasst überwachtes Training, Ernährungsberatung sowie Verhaltensunterstützung und wurde in die Routineversorgung des englischen NHS integriert. Eine Erweiterung auf Brust- und Darmkrebspatienten ist bis 2030 vorgesehen.

Zunehmende Bedeutung digitaler und hybrider Konzepte

Um Hürden wie Reiseaufwand, Fatigue oder begrenzte Kapazitäten abzubauen, gewinnen digitale Ansätze an Relevanz. Machbarkeitsstudien zu Fern- und Telemedizin-Bewegungsprogrammen weisen Adhärenzraten von über 80 Prozent auf. Direkte Vergleiche mit Präsenzangeboten dokumentieren vergleichbare Ergebnisse bei Lebensqualität und Funktionalität.

Als ausgewogener Kompromiss gelten hybride Modelle, die periodische Vor-Ort-Untersuchungen mit digitaler Fernsupervision verbinden. Voraussetzungen für die breite Integration in die klinische Routine bleiben jedoch etablierte Sicherheitsprotokolle, Möglichkeiten zur Echtzeit-Symptommeldung und klar definierte Eskalationspfade.

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