Prostatabeschwerden: 1,3-Faches Knochenbruchrisiko bei älteren Männern
Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 00:00 Uhr | Redaktion boerse-global.deHäufiges nächtliches Erwachen und der Gang zur Toilette gelten bei vielen älteren Menschen fälschlicherweise als unausweichlicher Teil des Alterns. Medizinische Untersuchungen weisen jedoch darauf hin, dass diese sogenannte Nykturie erhebliche Gefahren für die körperliche Unversehrtheit birgt.
Nach Angaben von Dr. Adrián Gutiérrez González von der Universidad Autónoma de Nuevo León erhöht das nächtliche Wasserlassen im Zusammenhang mit einer Prostatitis oder einer benignen Prostatahyperplasie (BPH) das Sturzrisiko bei Männern um das 1,2-Fache und das Risiko für Knochenbrüche um das 1,3-Fache gegenüber symptomfreien Männern. Anlass für diesen Hinweis war der Weltosteoporosetag am 20. Oktober.
Häufigkeit von Prostatahyperplasie und Nykturie im Alter
Nach Angaben von Gutiérrez González tritt Nykturie typischerweise bei Männern ab 40 Jahren auf. Die weltweite Prävalenz der benignen Prostatahyperplasie liegt bei 14,8 % bei Männern ab 40 Jahren und steigt bei Männern ab 80 Jahren auf 36,8 %.
Eine finnische Untersuchung mit 6.000 Teilnehmern im Alter von 18 bis 79 Jahren ergab, dass die Störung insgesamt bei beiden Geschlechtern fast gleich häufig vorkommt. Während unter 50 Jahren Frauen häufiger betroffen sind, tritt das Phänomen ab dem 50. Lebensjahr bei Männern öfter auf, bedingt durch Veränderungen der Vorsteherdrüse.
Etwa jeder zweite Mensch im Alter zwischen 50 und 79 Jahren leidet unter nächtlichen Toilettengängen. Johan Lökk, Professor für Geriatrie am Karolinska Institutet, wies darauf hin, dass das Phänomen vielfach unterdiagnostiziert und unterbehandelt bleibe.
Laut Oelke (2017) sind zwei oder mehr nächtliche Miktionen bei 29 bis 59 % der Männer sowie bei 28 bis 62 % der Frauen im Alter von 70 bis 80 Jahren festzustellen. In einer Umfrage gaben 61 % der Frauen an, Nykturie für eine normale Begleiterscheinung des Älterwerdens zu halten.
Erhöhte Unfallgefahr durch häufige Toilettengänge
Die Verbindung zwischen unterbrochener Nachtruhe und Unfällen ist belegt. Die Pesonena-Studie aus dem Jahr 2020 nennt eine Assoziation zwischen Nykturie und einem um rund 20 % erhöhten Sturzrisiko. Bei einer Frequenz von mindestens drei Toilettengängen pro Nacht steigt das Sturzrisiko sogar um das 2,3-Fache.
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Laut den US-Zentren für Seuchenkontrolle und -prävention (CDC) stürzt jährlich mehr als ein Viertel der US-Bürger über 65 Jahren, wobei viele Betroffene dies ihrem Arzt nicht mitteilen. Als Ursachen für Stürze gelten neben nachlassender Seh-, Gleichgewichts- und Nervenfunktion auch Sarkopenie, Wirbelsäulen- und Gelenkdegeneration sowie Osteoporose, die das Risiko für Hüftfrakturen erhöht.
Zusätzliche Gefahrenquellen stellen orthostatische Hypotonie, Dehydrierung sowie Medikamente wie Schlafmittel, Beruhigungsmittel, Antidepressiva und Blutdrucksenker dar. Der Urologe Dr. C?t?lin Constandache hob hervor, dass Männer bei drei- bis viermaligem Aufwachen pro Nacht über schlechten Schlaf klagten und sich am Morgen müder fühlten als vor dem Zubettgehen.
Mangelnde Erfassung verzögert Behandlungen
Über 60 % der BPH-Patienten mit Beschwerden des unteren Harntrakts (LUTS) verpassen infolge fehlender Quantifizierung eine rechtzeitige medizinische Intervention. Dabei deutet jeder Anstieg des International Prostate Symptom Score (IPSS) um drei Punkte auf eine zunehmende Blasenauslassobstruktion hin. Eine quantifizierte Frühintervention kann die spätere Komplikationsrate um über 40 % senken.
Zudem weisen bis zu 80 % der Patienten mit Nykturie eine nächtliche Polyurie auf. Im Alter sinkt der Spiegel des antidiuretischen Hormons (ADH), wodurch sich die nächtliche Urinproduktion von einem Fünftel auf etwa ein Drittel der gesamten Tagesmenge erhöht.
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Diagnostische Schritte und vorbeugende Maßnahmen
Zur Abklärung werden ein dreitägiges Miktionstagebuch, Urin- und Blutanalysen sowie eine Tastuntersuchung der Prostata herangezogen. Dringende Warnsignale, die eine sofortige Abklärung verlangen, sind Blut im Urin, Atemnot, Fieber, starkes Durstgefühl mit Gewichtsverlust sowie Schnarchen mit Atemaussetzern.
Als praktische Maßnahmen zur Minderung nächtlicher Gänge gelten die Beendigung der Flüssigkeitsaufnahme zwei Stunden vor dem Schlafen, der Verzicht auf Kaffee, Tee und Alkohol am Abend sowie das Hochlegen der Beine am Tag. Das Medikament Desmopressin darf nur nach genauer ärztlicher Prüfung mit begleitenden Kontrollen der Natriumwerte verabreicht werden.
Bei wiederkehrendem Schwindel oder Unsicherheiten beim Gehen wird der Gang zur Hausarztpraxis empfohlen, während verordnete Medikamente keinesfalls eigenmächtig abgesetzt werden sollten. Eine gezielte Sicherung und Ausleuchtung des Weges zur Toilette senkt die Unfallgefahr im Haushalt zusätzlich.
